Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim

 

12.06.2013, Pforzheimer Zeitung

Musik aus der Region: Peter Wallingers neueste Klassik-CD „live 2012“

Mühlacker. Nach wie vor finden sich im überreichen Medien-Angebot der Sparte „klassische Musik“ Überraschungen und Kostbarkeiten, beispielsweise CD-Aufnahmen mit Peter Wallingers sueddeutscher kammersinfonie bietigheim. In ungeschminkten Konzert-Mitschnitten ist die origina-le Raumklang-Atmosphäre der Aufführungsorte zu erleben - des „Musikalischen Sommers“ in der Lienzinger Frauenkirche und der „Concerto“-Reihe im Mühlacker Uhlandbau. Auf Wallingers neuester Silberscheibe, die unter dem lapidaren Titel „live 2012“ Aufnahmen der Highlights seiner Konzertprogramme des letzten Jahres wiedergibt, wird zudem etwas ganz Besonderes dokumentiert – gewissermaßen der „Entwicklungsstand“ der 1992 in Pforzheim geborenen und inzwischen inter-national erfolgreichen Pianistin Magdalena Müllerperth aus Maulbronn-Schmie. Die Musikfreunde in der Region haben ihre erstaunliche Karriere von Kindesbeinen an miterlebt und begleitet.

„live 2012“ präsentiert Müllerperth als Solistin in Robert Schumanns Klavierkonzert a-Moll op.54, das sie unter Wallingers versierter Leitung mit der sueddeutschen kammersinfonie im Mühlacker Uhlandbau interpretierte. Eine ausgereifte Wiedergabe, die Schumann als Inbegriff romantischer Musik zur Geltung bringt: kraftvoll-zackig die Eröffnungskaskade, melodisch beseelt die eleganten Läufe und figurativen Verzweigungen des Passagenwerkes, alle Soli einfühlsam mit dem Orchester verwoben. Zauberhafte Klangpoesie bietet ihre Zugabe, Schumanns selten zu hörendes Fantasie-stück „Des Abends“ (aus op.12).

Auch eine andere Solistin spielt sich in die Herzen der Hörer: Anne-Sophie Bertrand, Solo-Harfenistin beim HR-Sinfonieorchester Frankfurt, musiziert mit Wallingers Kammersinfonie Maurice Ravels „Introduktion und Allegro“ für Harfe, Flöte, Klarinette und Streicher in der Lienzinger Frauenkirche. Die irisierende Farbigkeit ihres Saitenspiels findet sich aufgehoben im süchtig machenden Sound der naturhaft einstimmenden Bläser (Verena Guthy-Homolka, Flöte; Martin Nitschmann, Klarinette) und Streicher.

Und dann gibt es noch Edvard Griegs Suite für Streichorchester op.40 „Aus Holbergs Zeit“, die von Wallinger und seinem Ensemble mit feinem Erzählton, facettenreichem Kolorit und wohltuender Schwerelosigkeit ausgestattet wird. Sergej Prokofjews Symphonie Classique op.25 bildet den Abschluss der CD-Einspielung, die für zwölf Euro über das Büro „Musikalischer Sommer“, Graf Zaisolf Straße 20, 75433 Maulbronn (Tel 07043-40410) bzw. über cd@sueddeutsche-kammersinfonie.de zu beziehen ist.

Eckehard Uhlig für PZ-Kultur

27.05.2013, Bietigheimer Zeitung

Wie aus einem Breitwandfilm

Die neue CD der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim liegt vor

Es ist die zehnte CD in der Reihe "Kammersinfonie live" und sie ist eines kleinen Jubiläums mehr als würdig. Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim spielt Musik wie aus einem Breitwandfilm. Wenn man die CD-Reihe der Kammersinfonie Bietigheim durchgeht, glänzt die zehnte Ausgabe wie eine Perle. Mit der Auswahl der Kompositionen, die alle eine ungewöhnliche Geschichte in sich tragen, hat Peter Wallinger, musikalischer Leiter der Kammersinfonie, ein überaus glückliches Händchen bewiesen. Der Hörer fühlt sich in einen Film versetzt.

Ein kleines Jubiläum: Die Süddeutsche Kammersinfonie unter Leitung von Peter Wallinger (links) hat in der Reihe "Kammersinfonie live" ihre zehnte CD veröffentlicht. Foto: Martin Kalb

Vorspann: Die neue CD hat zwei Hauptrollen. Die aus Paris stammende Solo-Harfenistin Anne-Sophie Bertrand und die Pianistin Magdalena Müllerperth. Beide verfügen über ein hohes musikalisches Niveau, das live mit dem Orchester verwoben wird.

Szene 1: Schon der Auftakt mit der Suite für Streichorchester "Aus Holbergs Zeit" von Edvard Grieg ist hoch emotional und greift den zierlichen und fein tänzerischen Stil des späteren Rokoko auf. Grieg schrieb dieses Stück für die Feiern zum 200. Geburtstag des norwegisch-dänischen Lustspieldichters Baron Ludvik von Holberg, die Uraufführung dirigierte er, "im Pelz und in Pelzstiefeln mit dito Mütze". Er selbst glaubte allerdings, damit seine Persönlichkeit verleugnet zu haben. Daher empfand Grieg den großen Erfolg, den die Suite hatte, "als leider nicht sehr schmeichelhaft für meine Kunst". Wie alles bei ihm ein Irrtum, besonders in der farbigen Interpretation der Kammersinfonie.

Szene 2: In der folgenden "Introduktion und Allegro" von Maurice Ravel glänzen Anne-Sophie Bertrand an der Harfe, Verena Guthy-Homolka an der Flöte und Martin Nitschmann an der Klarinette. Ravel arbeitete sehr eilig an dem Werk, die Komposition musste vor Antritt einer Schiffsreise fertig werden. Eile wird auf der CD in Kontrastreichtum übersetzt, über weite Strecken, vor allem in der Verdichtung der einzelnen Instrumente mit der Fülle der Streicher, zaubert die Kammersinfonie hier ganz großes musikalisches Kino.

Szene 3: Drei Sätze Robert Schumann "Klavierkonzert a-moll op.54". Eine kleine Fantasie, der Schumann ein Intermezzo und ein Rondo hinzufügte und damit das Klavierkonzert in a-Moll vollendete. Sehnsucht und herbeigesehntes Glück zweier sich liebender Menschen, das von Magdalena Müllerperth am Klavier bis zu einem musikalisch furiosen Ende getrieben wird. Übrigens: Schumann setzte mit dieser Komposition seinen Kampf um Clara Wieck musikalisch um. Mit Erfolg, er heiratete sie schließlich im Jahre 1840.

Szene 4: Robert Schumanns "Der Abend" ist der erste Teil eines Zyklus von acht Klavierwerken, inspiriert von Schumanns Lieblingsdichter E. T. A. Hoffmann. Ein Kleinod - überaus elegant ausgeführt.

Szene 5: Wie ein Kontrastprogramm wirkt am Ende der CD die Symphonie Nr. 1 D-Dur von Sergej Prokofjew, die als "Symphonie classique" in die Musikgeschichte einging. Höfische Tänze faszinierten Prokofjew besonders, und so bildet eine Gavotte, die an dritter Stelle der Symphonie steht, den Ausgangspunkt für eine Reise in die Musik. Ein feinsinnig ironisierendes Spiel mit klassischen Elementen. Im Larghetto werden Tanzbewegungen klar nachgezeichnet, in der Gavotta biegt die Melodie mitunter auf Abwege ab. Die Ecksätze wirbeln mit unbändiger Energie und münden mit pfiffigen Melodien ins Finale.

Abspann: Mit "Live 2012" dokumentiert die Süddeutsche Kammersinfonie eine Bandbreite musikalischen Könnens und bringt dem Hörer auch Unbekanntes großer Komponisten näher. Wer sich an diese Musik wagt, wird reich belohnt. Die CD der Kammersinfonie Bietigheim kann im Internet bestellt werden.

Jörg Palitzsch

04.04.2013, Mühlacker Tagblatt

Komprimierte Spielfreude

„Live 2012“: Neue CD mit Konzertmitschnitten der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim erschienen.

Die Konzertreihen „Musikalischer Sommer“ und „Mühlacker Concerto“ bescheren der Region regelmäßig kulturelle Highlights. Wer Ausschnitte der Konzerte bequem auf dem heimischen Sofa genießen möchte, kann sich jetzt über eine neue CD freuen.

Mühlacker. „Kammersinfonie Live“ heißt die Reihe der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim, die jetzt um den zehnten Silberling angewachsen ist und regelmäßig Zeugnis von der Qualität des von Peter Wallinger geleiteten Ensembles ablegt. Die neu erschienene CD „Live 2012“ enthält Mitschnitte, die im vergangenen Jahr bei Konzerten am 3. März im Mühlacker Uhlandbau und am 8. Juli in der Lienzinger Frauenkirche entstanden sind. Sie transportieren auf authentische, ehrliche und ungeschminkte Art das Konzerterlebnis, fast ohne merkliche Abstriche am hohen technischen und künstlerischen Anspruch des Produkts hinnehmen zu müssen. Dafür sorgen die immensen Fertigkeiten der Orchestermitglieder und Solisten sowie das Gespür des Dirigenten für die inneren Spannungsbögen der Werke.

Renommierte Solisten glänzen gemeinsam mit der Kammersinfonie

Edvard Griegs Suite „Aus Holbergs Zeit“ eröffnet den Reigen der für die CD ausgesuchten Kompositionen und gibt der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim reichlich Gelegenheit, mit Stilsicherheit, gut gewählten Tempi, warmem Streicherklang, rhythmischer Präzision und detailreichem Spiel zu überzeugen – besonders eindringlich gelungen im rasanten Tanz-Satz Rigaudon. Farben- und lebensfroh interpretiert Peter Wallinger Maurice Ravels Introduktion und Allegro für Harfe, Flöte, Klarinette und Streicher von Maurice Ravel. Die Harfenistin Anne-Sophie Bertrand, die Flötistin Verena Guthy-Homolka und der Klarinettist Martin Nitschmann sorgen hier für glitzernde Klangakzente.

Mit Magdalena Müllerperth tritt in Schumanns bekanntem a-moll-Klavierkonzert eine Solistin auf den Plan, die aus der Region stammt, mittlerweile aber weit darüber hinaus bekanntgeworden ist. In einem vielgespielten Klassiker der Klavierliteratur, an dem kein bedeutender Pianist vorbeikommt, gelingt es der jungen Frau aus Schmie, eigenständige interpretatorische Ansätze zu finden. Markant im Anschlag und vielfältig im Ausdruck, erliegt sie nicht der Versuchung, sich im romantischen Klangrausch zu verlieren, sondern arbeitet auch Details heraus – stets sprechend begleitet vom Orchester.

Sergej Prokofjews Symphonie Classique D-Dur komplettiert die CD. Die Spielfreude, mit der die Musiker die vier Sätze Allegro, Larghetto, Gavotta und Finale zu charaktervollen Klanggemälden werden lassen, macht Lust auf mehr. Lange warten müssen die Fans des Ensembles nicht: Am Samstag, 20. April, folgt im Uhlandbau das nächste Konzert der Reihe „Mühlacker Concerto“. Auf dem Programm steht dann eine spannende Begegnung der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim mit dem Alliage-Saxophonquartett.

Die CD ist für 12 Euro zu beziehen bei Buch-Elser (ab dem 8. April), über das Büro „Musikalischer Sommer“, Telefon 07043/40410 beziehungsweise per E-Mail an cd@sueddeutsche-kammersinfonie.de.

Carolin Becker