Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim

 

04.03.2017, Ludwigsburger Kreiszeitung

Ungeschminkt im besten Sinne

Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim legt ihre CD „Live 2016“ vor

Bietigheim-Bissingen. „Ungeschminkte Konzertmitschnitte“ verspricht das Booklet der nunmehr vierzehnten CD in der Reihe „Kammersinfonie live“, die die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim jetzt vorgelegt hat. Das klingt ein wenig, als müsste man etwaigen spielerischen oder tontechnischen Beanstandungen vorsorglich entgegentreten. Dabei braucht sich der bereits seit über drei Jahrzehnten bestehende Klangkörper keineswegs zu verstecken. Der Querschnitt durch die drei Konzerte am 17. Januar und 19. März in Mühlacker sowie am 4. Dezember 2016 in Bietigheim-Bissingen führt vor Ohren, dass das Orchester unter der Leitung von Peter Wallinger in der Lage ist, unterschiedlichste Werkgattungen und Epochen zu bedienen - in diesem Fall sind es Werke von Antonin Dvorák, Gustav Mahler, Franz Schubert und Ludwig van Beethoven.

Überaus furios kommt so Dvoráks Slawischer Tanz op. 46 Nr. 8 daher, geschmeidig winden sich die Streicher durch die von tongeschlechtlichen und dynamischen Kontrasten geprägten Kapriolen. Ausgewogen und präzise präsentiert sich der Streicherapparat, farbprächtig das Holz. Die Höhepunkte der Kompilation stellen sicherlich die fein konturierten Auftritte der drei Solistinnen dar. Hiyoli Togawa spielt die Viola in den vier Instrumentalbearbeitungen von Schuberts berühmter „Winterreise“ - darunter Lieder wie „Wetterfahne“ und „Der Leiermann“ - mit einem körperreichen, bisweilen keck ausbrechenden Ton, der den bewussten Textverzicht beinahe vergessen lässt. Der jungen Pianistin Magdalena Müllerperth ist indes die Spielfreude, gepaart mit beachtlicher künstlerischer Reife im brillanten Kopfsatz von Beethovens Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur, deutlich anzuhören. Klanglich ungeschminkt im besten Sinne ist diese CD, die sich bei weitem nicht nur für eingefleischte Fans des Klangkörpers zu hören lohnt.

Johannes Koch

24.02.2017, Pforzheimer Zeitung

Klassikgenuss zum Nachhören - Neue CD der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ ist erhältlich

Höhepunkt der CD: Magdalena Müllerperth als Solistin in Beethovens 5.Klavierkonzert im Mühlacker Uhlandbau.

Bietigheim. Rasant und rhythmisch akzentuiert der Auftakt, schwelgerisch narkotisierend das Folgestück – mit diesem musikalischen Kontrapunkt steigen Peter Wallinger und die von ihm geleitete „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ in ihre neue CD mit Konzert-Ausschnitten „live 2016“ ein.

Denn die ersten beiden Nummern, mit denen die Platte eröffnet, sind der slawische Tanz „Furiant“ (op. 46, Nr.8) von Antonin Dvorák mit seinen temperamentvollen Folklore-Farben (Mitschnitt vom 19. März) sowie das melancholische „Adagietto“ aus Gustav Mahlers 5. Symphonie (Mitschnitt vom 4. Dezember).

Die Viola singt Schubert

Als drittes Stück ist Franz Schuberts „Deutscher Tanz“ Nr. 3 D-Dur (aus D 90) zu hören. Dann folgen als Uraufführung die von Simon Wallinger für Streicher und solistische Viola originell bearbeiteten Lieder aus Franz Schuberts Zyklus „Die Winterreise“ – mit der exzellenten Bratscherin Hiyoli Togawa. Und ebenfalls von Schubert das Streicher-Menuett Nr. 3 d-Moll (aus D 89), in dem der solistische Part bei der Konzertmeisterin Sachiko Kobayashi liegt (Mitschnitte vom 17. Januar).

Das Großereignis der Concerto-Reihe 2016 im Mühlacker Uhlandbau (und im Konzertzentrum Bietigheim-Bissingen), die Wiedergabe von Ludwig van Beethovens Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur mit der jungen, aus Maulbronn-Schmie stammenden Meisterpianistin Magdalena Müllerperth, ist der zweiten Hälfte der CD-Aufnahme vorbehalten (Mitschnitt vom 4. Dezember). Wobei dieser Teil mit rund 40 Minuten Spieldauer mehr Zeit beansprucht als alle vorausgegangenen Kompositionen zusammen, die deshalb auf der CD wie ein facettenreiches Musikvorspiel wirken.

Geboten werden die Aufnahmen in solider Ton-Qualität. Der außerordentliche Rang der Interpretationen wurde schon seinerzeit in Pressekritiken hervorgehoben – sie sind ausschnittweise im Booklet nachzulesen. Der Reiz des Albums liegt auch im Atmosphären technisch ungeschönter Live-Musik. Mit der CD kann man Musikerlebnisse erinnernd nachvollziehen und beispielsweise die klangschönen Viola-Kantilenen der Togawa oder die von Müllerperth locker über das Klaviermanual gewirbelten Skalen und ihren verträumten „Adagio“-Gesang im Beethoven-Konzert immer wieder neu genießen. Auch der dokumentarische Wert sollte nicht vergessen werden. Diese Jahres-CD ist eine Bereicherung für jede Diskothek.

Eckehard Uhlig

11.02.2017, Mühlacker Tagblatt

Von sphärisch bis furios

Neue CD mit den Konzerthöhepunkten der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ aus dem Jahr 2016 erschienen

Die Bratschistin Hiyoli Togawa hat mit ihrem ausdrucksstarken Spiel beim Neujahrskonzert 2016 der Süddeutschen Kammersinfonie begeistert. Klassikfreunde können ihre Darbietungen und weitere Stücke, die das Orchester im vergangenen Jahr im Rahmen verschiedener Konzerte auf die Bühne gebracht hat, nun zu Hause auf CD nachhören. Foto: Appich

Die Sammlung wächst: Fans der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ können die Bestände in ihrem CD-Regal um eine Neuerscheinung erweitern.

Enzkreis. „Kammersinfonie live 2016“ heißt der Tonträger, der jetzt erschienen ist. Auch die 14. Auflage der Reihe enthält Konzertmitschnitte, die das Wirken des Orchesters unter seinem Gründer und Leiter Peter Wallinger dokumentieren. Aufgenommen wurden die Werke im Mühlacker Uhlandbau und im Kronenzentrum Bietigheim-Bissingen.

„Furiant“ ist das furiose Eröffnungsstück von Antonin Dvorák überschrieben. Diesen seinen Slawischen Tanz opus 46 Nummer 8 interpretiert die Kammersinfonie bei aller rhythmischen Vehemenz klangschön und fein austariert.

Gustav Mahlers Adagietto aus der Sinfonie Nummer 5 folgt und legt Zeugnis ab von einer großen Leistung der Streicher. Ihnen gelingt es, die zerbrechliche Melodik intensiv auszusingen, ohne kurzatmig oder gar rührselig zu werden. Sphärisch schweben sie über Harfenklängen, als gäbe es keine Bogen-, Saiten-, Lagenwechsel oder sonstige Störenfriede der auskomponierten Ruhe.

Umso zupackender gehen die Musiker unter Peter Wallingers Leitung bei Franz Schuberts Deutschem Tanz Nummer 3 in D-Dur zu Werke. Das kurze Werk mit seiner klaren Metrik erklang am 17. Januar 2016 im Rahmen der Reihe „MühlackerConcerto“ im Uhlandbau. Das Publikum bekam damals noch mehr von Schubert zu hören und kann die außergewöhnlichen Erlebnisse nun noch einmal auf sich wirken lassen. Außergewöhnlich deshalb, weil die Lieder „Wetterfahne“, Gefrorne Tränen“, „Frühlingstraum“ und „Der Leiermann“ statt von einer menschlichen von der warmen Stimme einer Bratsche gesungen werden und statt eines Klaviers ein Streichensemble begleitet. Braucht es Worte, um die tiefen Gefühle zu transportieren? Simon Wallingers Arrangement spricht für sich und findet in der Solistin Hiyoli Togawa eine empfindungsreich und technisch versiert agierende Botschafterin des Textes. Besonders eindrucksvoll wirkt die Kälte, die sich in „Gefrorne Tränen“ hörbar über die Klänge legt. Eisig lassen die Orchestermusiker ihre Tränen auf die Saiten perlen, ehe die Solistin im „Frühlingstraum“ ihr Instrument neu erblühen lässt.

Franz Schuberts Menuett Nummer 3 in d-moll, vom Orchester delikat und schwingend gespielt, bietet zusätzlich zum ausgewogenen Orchesterklang edle Violintöne von Solistin Sachiko Kobayashi.

Das Finale der CD ist Ludwig van Beethovens Klavierkonzert Nummer 5 in Es-Dur und damit einer in der Region und längst weit darüber hinaus bekannten Solistin vorbehalten: Wer Magdalena Müllerperths furiosen Auftritt im Rahmen des Adventskonzerts verpasst hat, kann sich nun mit Hilfe der CD von ihren außergewöhnlichen Möglichkeiten überzeugen. Den einleitenden Akkorden des Orchesters im ersten Satz lässt sie perlende Läufe folgen, die sie frei gestaltet. Kraftvoll und markant interpretiert sie ihren Part, überzeugt aber auch in lyrischen Passagen. Das Orchester weiß beispielsweise im Frage- und Antwort-Spiel der Bläser eigene Akzente zu setzen. Alle Beteiligten gleichermaßen beweisen im zweiten Satz langen Atem und Freude am Ausgestalten, ehe ein ausgelassener Tastenwirbel im dritten Satz hinführt zum triumphalen Schlusspunkt.

Erhältlich ist die CD bei Buch-Elser an der Bahnhofstraße und über das Sekretariat von „MühlackerConcerto“, Telefon 07043/958393, E-Mail: susanne@boekenheide.net.

Carolin Becker