Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim

 

01.02.2018, Ludwigsburger Kreiszeitung

Sehnsucht nach dem Licht des Südens

Ungeschnitten dokumentiert die neue CD der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ das Programm der vergangenen Adventskonzerte mit der Geigerin Ursula Schoch.

VON HARRY SCHMIDT

BIETIGHEIM-BISSINGEN. In Rekordzeit hat Peter Wallinger die jüngste CD seiner sueddeutschen kammersinfonie bietigheim (skb) realisiert. Kaum ein Monat ist vergangen seit dem Konzert am 10. Dezember, dessen Mitschnitt nun als fünfzehnte Ausgabe der Reihe „Kammersinfonie live“ vorliegt. Dass auf „Live 2017 - Faszination Klassik“ das komplette Konzertprogramm dieses Abends in unveränderter Reihenfolge und ohne tontechnische Kosmetik dokumentiert ist, belegt sowohl das spieltechnische Niveau, auf dem das vor mehr als 30 Jahren von Wallinger gegründete Orchester musiziert, als auch die Qualität der Programmarbeit seines Leiters.

Im strahlenden Mittelpunkt der Aufnahme steht Mozarts drittes Violinkonzert (KV 216), das, 1775 geschrieben, in seiner Gestaltungshöhe das Erklimmen eines neuen Plateaus in der Produktion des seinerzeit 19-Jährigen markiert. „Wenn es ein Wunder in Mozarts Schaffen gibt, so ist es die Entstehung dieses Konzertes“, stellt Alfred Einstein in seiner Monografie „Mozart. Sein Charakter. Sein Werk“ fest. Nicht Virtuosität, sondern anmutige Eleganz und delikaten Spielwitz verlangt das G-Dur-Konzert seinem Solisten ab, was der in Ludwigsburg geborenen und in Sachsenheim aufgewachsenen Ursula Schoch hier glänzend gelingt.

Transparent und entstaubt

Diese gab 1990 bei den Schlossfestspielen ihr solistisches Debüt, ist nach Jahren bei den Berliner Philharmonikern seit 2000 Konzertmeisterin des Königlichen Concertgebouw Orchesters Amsterdam und hat mit der skb bereits Mozarts viertes Violinkonzert aufgenommen. Das intensivierte Verhältnis von Solo- und Orchesterstimme berücksichtigend, macht die Kammersinfonie ihrem sprechenden Namen auf „Live 2017“ mit transparentem, entstaubtem Mozart-Klang alle Ehre.

Stimmig auch die Umrahmung durch die „Mozartiana“ genannte Orchestersuite Nr. 4 (op. 61), ebenfalls in G-Dur, von Tschaikowsky, 1887 anlässlich des 100. Jahrestags von „Don Giovanni“ komponiert, sowie Felix Mendelssohn Bartholdys 1833 uraufgeführte Sinfonie Nr. 4 in A-Dur (op. 90), in der wie in Mozarts Violinkonzert die Erfahrungen einer Italienreise nachhallen. In der Sehnsucht nach dem Licht des Südens findet sich der rote Faden dieser gelungenen Einspielung.

INFO: Die CD „Live 2017. Faszination Klassik“ der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim in der Reihe „Kammersinfonie live“ kann unter der Telefonnummer (0 70 43) 4 04 10 oder über cd@sueddeutsche-kammersinfonie.de bestellt werden.

Harry Schmidt

15.02.2018, Pforzheimer Zeitung

Fünfzehnte CD der Dokumentationsreihe „Kammersinfonie live“

Mühlacker. Alle bisherigen 14 CDs der „Kammersinfonie live“-Reihe, mit der Peter Wallinger und seine „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ in Mühlacker präsentierte Programme durch Konzert-Mitschnitte dokumentieren, boten eine Auswahl aus den jährlich bis zu sechs „Concerto“-Abenden. Die nun erschienene 15. Jahres-CD „live 2017“ konzentriert sich auf das „Faszination Klassik“ überschriebene Konzert, das am 9. Dezember 2017 im Mühlacker Uhlandbau viele Zuhörer erfreute.

Im Zentrum steht die dem Orchester und seinem Dirigenten verbundene Geigerin Ursula Schoch, die häufig solistisch auftretende Konzertmeisterin des Concertgebouw Orchesters Amsterdam. Sie hatte ihre Karriere als Solistin bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen unter Wolfgang Gönnenwein mit Wiedergaben der Violinkonzerte Wolfgang Amadeus Mozarts eingeläutet.

Der Wiener Klassiker ist der Violinistin von früh an vertraut. Die interpretatorische Souveränität, die ihre mit Wallingers Ensemble erarbeitete, auf der CD zu hörende Ausgestaltung von Mozarts Violinkonzert KV 216 auszeichnet, profitiert von diesen Erfahrungen und ist bestechend. Virtuoser Glanz und makellose Konturen sind die Kennzeichen des einfühlsam in den Orchesterpart eingebetteten Solospiels. Auch in Peter Iljitsch Tschaikowskys „Souvenir d’un lieu cher“, der Zugabe Ursula Schochs, faszinieren wunderschön ausformulierte Melodielinien.

Zwei Mozart-Verehrer kommen auf der CD musikalisch zu Wort. Einleitend der bereits genannte russische Komponist. Tschaikowskys Orchestersuite Nr. 4 G-Dur (op. 61) „Mozartiana“ wird von Wallingers Ensemble stimmungsvoll heiter, tänzerisch verspielt und besonders im Hauptstück „Thème et Variations“ mit Violin-Passagen, die Sachiko Kobayashi bravourös bietet, klangfarbenreich „mozartantisch“ dargeboten. Der andere Komponist, Felix Mendelssohn Bartholdy, ist mit seiner „italienischen“ Sinfonie Nr. 4 A-Dur (op. 90) vertreten. Wallinger, der Gründer und künstlerische Leiter der Kammersinfonie, demonstriert, zu welch außerordentlichen Leistungen er sein Ensemble anzuspornen vermag. Die Aufnahme ist herausragendes Beispiel für das hohe künstlerische Niveau, auf welchem auch in der Region musiziert wird.

Die CD ist für zwölf Euro über das Sekretariat „MühlackerConcerto“ erhältlich: 07043/95 83 93; E-Mail: susanne@boekenheide.net

Eckehard Uhlig

03.02.2018, Mühlacker Tagblatt

Zugabe der silbernen Arth

Die CD-Reihe „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim live“ wächst um die „Faszination Klassik“

Enzkreis. Mancher Konzertbesucher mag die Klänge noch im Ohr haben: Im Dezember hatte die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ unter der Leitung ihres Gründers und Dirigenten Peter Wallinger im Kronenzentrum Bietigheim-Bissingen und am Vortag in der Reihe „Mühlacker Concerto“ im Uhlandbau der „Faszination Klassik“ Raum gegeben. Ein Livemitschnitt ist nun als CD erschienen. Der Tonträger ergänzt die bisher 14 Veröffentlichungen, die die Entwicklung des renommierten Orchesters dokumentieren, um einen weiteren hörenswerten Silberling.

Das im Advent dargebotene Programm durften Klassikfreunde durchaus als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk betrachten. „Es wurde ein faszinierender Abend. Wahre Klangteppiche breiteten die Musiker aus. Unter der zupackenden Führung ihres Dirigenten bündelten sie eine bunte Vielfalt an Interpretationen zu einem harmonischen Ganzen“, hatte unsere Zeitung im Nachgang des Konzerts geurteilt. Das Bannen der Klänge auf CD tut der Freude für die Ohren keinen Abbruch. Auch abseits des Konzertsaals überzeugen Wallingers Interpretationen der „Mozartiana“ von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky, des G-Dur-Violinkonzerts von Wolfgang Amadeus Mozart und der vierten Sinfonie in A-Dur von Felix Mendelssohn Bartholdy, die als „Italienische“ Weltruhm erlangt hat.

In seiner Orchestersuite „Mozartiana“ huldigt Tschaikowsky dem klassischen Meister. Peter Wallinger gelingt es, die romantischen Klangwelten des 19. mit den Finessen des 18. Jahrhunderts zu einer ebenso facettenreichen wie logischen Mischung zu vereinen.

Pure Spielfreude verströmt die Solistin Ursula Schoch im Mozart’schen G-Dur-Konzert. Keine atemberaubende Fingerfertigkeit erfordert das Werk, dafür aber unbestechliche Präzision, die Ursula Schochs singender Bogen wie selbstverständlich den Saiten entlockt. Ein kleines Bonbon steuert die der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ seit Jahren treu verbundene Geigerin mit ihrer ebenfalls auf der CD enthaltenen Zugabe „Mélodie“ aus „Souvenir d’un lieu cher“ von Tschaikowsky bei.

In den lichtdurchfluteten Süden entführen die Orchestermusiker in Mendelssohns „Italienischer“. Peter Wallinger reißt von den ersten temperamentvollen Takten an die Zuhörer – ob im Konzertsaal oder auf dem heimischen Sofa – mit. Doch was leicht und selbstverständlich wirkt, beruht auf penibel genauer Ausleuchtung des Notentextes und intensiver Kommunikation zwischen Dirigent und Instrumentalisten.

Die CD „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim live 2017“ mit dem Untertitel „Faszination Klassik“ ist zu beziehen bei Buch-Elser an der Bahnhofstraße in  Mühlacker und über das Sekretariat „MühlackerConcerto“, telefonisch unter der Nummer 07043/958393 oder per E-Mail an susanne@boekenheide.net.

Carolin Becker