Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim

 

21.02.2020, Ludwigsburger Kreiszeitung

Tiefes Verständnis, hohes Niveau

Die neue CD der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim dokumentiert einen Querschnitt der vergangenen Saison.

BIETIGHEIM-BISSINGEN. Stets zu Jahresbeginn legt die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim (SKB) einen Programmquerschnitt der vergangenen Saison vor. Mit „Live 2019“ hält man erneut eine CD in Händen, die das hohe Niveau der auf Transparenz und klangliche Differenzierung abstellenden Interpretationskunst, die Peter Wallinger mit der SKB erreicht hat, aufs Trefflichste dokumentiert. Im Mittelpunkt steht Mozarts Klavierkonzert in C-Dur (KV 467), das in der faszinierend unbeschwerten, hochvirtuosen Interpretation der Pianistin Elisabeth Brauß auch durch die eigenen Kadenzen der 24-Jährigen zu einem Erlebnis mit Seltenheitswert wird – ein tiefgreifenderes Verständnis dieser Musik scheint kaum vorstellbar.

Subtil und feinnervig

So zurückgenommen wie eindringlich musiziert Chihiro Saito, die Cellistin des renommierten Lotus String Quartets, das kurze „El cant dels ocells“ („Der Gesang der Vögel“), ein katalanisches Weihnachtslied, das Pablo Casals weltbekannt gemacht hat. Ebenfalls in a-Moll steht Jean Sibelius’ „Schwan von Tuonela“, der zweite Satz der „Lemminkäinen-Suite“ (Op. 22): Subtil und feinnervig bettet Wallinger die lyrische Melancholie des Englischhorns (Andreas Vogel) auf wispernden, kristallin vibrierenden Streicherflächenverläufen, bevor sich Saitos dunkel grundierte Cellostimme in den Dialog einschaltet.

Auslese statt Konzerterlebnis

Keinesfalls zufällig flankieren die beiden Moll-Stücke das zentrale Klavierkonzert in der Dur-Paralleltonart. Dieser Kern wird wiederum von Bachs 3. Brandenburgischem Konzert in G-Dur (BWV 1048) und Schuberts Sinfonie Nr. 3 in D-Dur (D 200) als äußerer Klammer umfasst – ähnlich wie in einem Sonatensatz moduliert Wallinger hier durch einander benachbarte Tonarten und -geschlechter.

Auch die 17. Ausgabe dieser Reihe legt eindrucksvoll Zeugnis von der exquisiten Aufführungspraxis der hochmotivierten SKB ab. Was dagegen das Format der Auslese nur anzudeuten erlaubt und damit fast zwangsläufig auf der Strecke bleibt, ist die Stringenz, mit der Wallinger als Programmgestalter sinnfällige, musikimmanente Bezüge aufzuzeigen in der Lage ist. Manches Konzert der SKB würde man eben doch gerne in voller Länge nachhören.

Die CD „Live 2019““ der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim in der Reihe „Kammersinfonie live“ kann unter der Telefonnummer (07043) 40410 oder per E-Mail an susanne@boekenheide.net bestellt werden.

Harry Schmidt

01.02.2020, Mühlacker Tagblatt

Mit Esprit und Präzision

Konzertmitschnitte auf CD

Enzkreis. „live 2019“ heißt die Neuerscheinung der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim, die in bewährter Weise Höhepunkte der im vergangenen Jahr gegebenen Konzerte auf einer CD vereint. Wer im Uhlandbau zu Gast war und den Musikgenuss gerne konservieren möchte, dürfte ebenso seine Freude am Silberling haben wie alle Fans des von Peter Wallinger dirigierten Orchesters, die ihre Sammlung ergänzen wollen. Auf 17 Veröffentlichungen ist die Dokumentationsreihe „Kammersinfonie live“ mittlerweile angewachsen und bietet wie immer eine außergewöhnliche Mischung an Werken. Gleich ob barocker Ohrwurm oder romantisches Tongemälde – die ungeschminkt präsentierten Mitschnitte legen Zeugnis von einer auf technischer Souveränität basierenden Spielfreude ab.

Fröhlich und tänzerisch klingt das prägnante Motiv im Eröffnungssatz des dritten Brandenburgischen Konzerts von Johann Sebastian Bach. Besonders die gute Durchhörbarkeit fällt bei dieser Interpretation positiv auf. Die pulsierende Energie, die dem Werk innewohnt, wird scheinbar unangestrengt aufs Publikum übertragen.

Ein Cello ist ein großes, durchaus imposantes Instrument und bringt einiges mehr auf die Waage als die gefiederten Protagonisten in Pablo Casals „El cant dels Ocells“. Wie Solistin Chihiro Saito allerdings auf den Saiten singt und so den Vögeln eine bezaubernd warme, melancholisch eingefärbte Stimme verleiht, ist bemerkenswert.

Technisch souverän und gestalterisch versiert präsentiert sich die Pianistin Elisabeth Brauß in Wolfgang Amadeus Mozarts C-Dur-Klavierkonzert. Von zupackend bis verträumt hat sie eine große Palette an Ausdrucksformen zu bieten und weiß ein einfühlsam begleitendes Orchester an ihrer Seite. Da wird gemeinsam geatmet, phrasiert, und da genießt die Solistin vor allem im als Filmmusik berühmt gewordenen Andante die Freiheit, um der Musik ihren eigenen Stempel aufzudrücken. Mit Schwung und Finesse überzeugt die junge Künstlerin im dritten Satz.

Als versierte Tonmaler betätigen sich die Orchestermusiker und der Solist Andreas Vogel (Englischhorn) in Jean Sibelius’ „Der Schwan von Tuonela“ und lassen sehnsuchtsvolle Bilder weiter Landschaften vor dem inneren Auge der Zuhörer entstehen.

Franz Schuberts Sinfonie Nummer drei verlangt Orchester und Dirigent ganz andere Qualitäten ab. Beweglich, gut austariert in den einzelnen Registern, gestalten Peter Wallinger und die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim delikate Läufe und präzise gesetzte Akkorde. Überaus delikat klingt der zweite Satz Allegretto, rhythmisch apart werden Menuetto vivace und Trio interpretiert, und der Finalsatz vereint Esprit und Präzision in einer Weise, die den Hörer der CD bedauern lässt, am Ende angelangt zu sein.

Die neue CD ist ab sofort über das Sekretariat „Musikalischer Sommer“ (Telefon 07043/958393 beziehungsweise E-Mail an susanne@boekenheide.net.

Carolin Becker

24.01.2020, Pforzheimer Zeitung

Feinsinnige Interpretationen

Neue CD von Dirigent Peter Wallinger mit der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim

Mühlacker. Wieder spannend ist die Präsentation der Jahres-CD, die Peter Wallinger und seine sueddeutsche kammersinfonie bietigheim nun schon zum 17. Mal herausgeben: klingende Erinnerung an die letzte Saison der im Mühlacker Uhlandbau und anderen Spielstätten gegebenen Konzerte. Was wurde live mitgeschnitten und ausgewählt? Welche Konzert-Höhepunkte sind beim Wiederhören nochmals zu erleben? Die neue Silberscheibe „live 2019“ bietet feinsinnig musizierte, farbige und subtil ausgeleuchtete Interpretationen, die man in einer regional orientierten klassischen Sammlung nicht missen möchte.

Herausragend die Aufnahme des Klavierkonzerts C-Dur (KV 467) von Wolfgang Amadeus Mozart: Die 24-jährige Solistin Elisabeth Brauß, die bereits mehrere Klavierwettbewerbe gewonnen hat, trumpft spielerisch-virtuos auf. Die von Wallinger geleitete Kammersinfonie agiert einfühlsam als Partner. Mit geheimnisvollem Piano-Unisono setzt das Werk ein, um sich bald in strahlenden Tutti zu entfalten. In den schnellen Allegro-Ecksätzen brilliert die Solistin mit perlenden Läufen, die überraschende Gefühlsausbrüche wiedergeben. Im Kontrast dazu bietet der breit ausgezogene langsame Andante-Mittelsatz über grundierend gezupften Bässen stimmungsvoll verträumten Klavier-Gesang. Eine weitere Musik-Preziose ist die Wiedergabe des Bravourstücks „El cant dels Ocells“ (Der Gesang der Vögel) von Pablo Casals. Solistin Chihiro Saito eifert dem berühmten Cellisten bravourös nach: Selten hört man die Kurzkomposition so berührend klangschön wiedergegeben.

Insgesamt beeindruckt die CD mit ihrer Vielfalt der vertretenen Epochen und Stile. Temperamentvoll musiziert das Orchester Johann Sebastian Bachs Brandenburgisches Konzert Nr. 3 (BWV 1048). Die sinfonische Dichtung „Der Schwan von Tuonela“ von Jean Sibelius erfreut mit einem von Andreas Vogel stimmungsvoll intonierten Englischhorn-Solo. Eine differenzierte Auslegung der Partitur zeichnet Wallingers Interpretation der 3. Sinfonie (D 200) von Franz Schubert aus.

INFO: Die CD ist über das Sekretariat „Musikalischer Sommer“ telefonisch unter (0 70 43) 95 83 93 oder susanne@boekenheide.net für zwölf Euro zu erwerben.

Eckehart Uhlig