Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim

 

16.02.2009, Bietigheimer Zeitung

Bestechende Klangpracht Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim musiziert im Louis-Bührer-Saal

Im 25. Jahr ihres Bestehens erhielt die Sueddeutschen Kammersinfonie Bietigheim die Einladung der Kreissparkasse Ludwigsburg, in deren Louis-Bührer-Saal zu spielen - vor ausverkauftem Haus.

Der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse, Heinz-Werner Schulte, begrüßte zu Beginn die zahlreichen Konzertbesucher und würdigte die stetige Entwicklung der Sueddeutschen Kammersinfonie Bietigheim zu einem hoch geschätzten Klangkörper.

Neben zwei Werken von Richard Wagner standen mit einer Serenade von Johannes Brahms und den Rokoko-Variationen von Peter Tschaikowsky zwei nur sehr selten zu hörende Werke auf dem Programm. "Facetten der Romantik" lautete der Titel des Konzertprogramms, und als ein beglückendes Beispiel hierfür wählte Dirigent Peter Wallinger zur Eröffnung des Konzerts das "Siegfried-Idyll" nach der Oper "Siegfried" von Richard Wagner aus.

In breit angelegtem, fast schon als elegisch zu empfindenden Tempo ließ Wallinger das Stück beginnen. Die Bläser setzten sehr zart und behutsam ein und verbanden sich überaus feinstimmig mit dem dichten warmen Klang der Streicher. Auf diese Weise gestaltete das Orchester das Werk in einer empfindungsreichen Wiedergabe, zugleich aber auch in einem stetig sich verdichtenden Spannungsbogen.

Die zweite Serenade in A-Dur, Opus 16, von Johannes Brahms im Jahr 1860 komponiert, weist in ihren fünf Sätzen ein breites Spektrum an unterschiedlichen Stimmungen auf, welche von der Sueddeutschen Kammersinfonie Bietigheim mit Elan und beeindruckender Klangpracht ausgelotet wurden. Für die Bläsergruppe des Orchesters enthält das Werk zudem eine Fülle von reizvollen melodiösen Passagen, die von den Musikern in feinster Intonation glanzvoll ausgeführt wurden. Auf eine tänzerisch bewegte und in heiterer Leichtigkeit sich darbietende Aufführung legte Peter Wallinger großen Wert, wobei der mittlere Satz, ein Adagio, in seiner gefühlvollen Melodik anrührend ausgeführt wurde.

Den zweiten Teil des Konzerts eröffneten die Musiker mit dem Vorspiel zum dritten Aufzug der Oper "Die Meistersinger von Nürnberg" von Richard Wagner. Der weit gespannte Melodiebogen wirkte verklärt und in sich gekehrt. Damit bewiesen Peter Wallinger und seine höchst ambitioniert mitwirkenden Musiker die immer wieder bestechende und mitreißende Klangreinheit, verbunden mit einem hohen Maß an sensibler Gestaltungskraft.

Der Höhepunkt des Abends war der Auftritt eines Meisters am Violoncello: Francis Gouton. Höchste Begeisterung löste er aus, als er den Solopart in den Rokoko-Variationen, Opus 33, von Peter Iljitsch Tschaikowsky, gestaltete. Vom ersten Takt an ließ der französische Musiker sein Instrument förmlich singen. Nuancenreich, zeitweilig mit unirdisch erscheinender Zartheit führte er seinen Part aus und entwickelte damit eine Aufführung von delikater Schönheit. Dazu bereitete ihm das Orchester einen dichten und doch auch so überaus fein gewobenen Klangteppich aus. Für den nicht enden wollenden Beifall bedankten sich Francis Gouton und die Sueddeutsche Kammersinfonie mit einer Zugabe.

Rudolf Wesner

16.02.2009, Ludwigsburger Kreiszeitung

Tonmalerei der Romantik auf den Punkt gebracht Bietigheimer Kammersinfonie begeistert im Bührer-Saal

Werke von Wagner, Brahms und Tschaikowsky: Mit dem Programm „Facetten der Romantik“ ist die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter Dirigent Peter Wallinger am Freitagabend im Louis-Bührer-Saal der Kreissparkasse aufgetreten.

Richard Wagners „Siegfried- Idyll“ eröffnete den Abend. Das Werk wurde als sinfonischer Geburtstagsgruß des Komponisten an seine Frau Cosima geschrieben und zeigt den Meister der Musikdramen von seiner intimen Seite: Keine Klanggewalten brechen über den Hörer herein, stattdessen ist das Stück sanft, voll lyrischer Schönheit. Leichtfüssig und spielerisch perlend kamen die Töne beim Konzert daher, so wie der Titel verheißt: idyllisch der Gesamtklang.

Die Musiker der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim haben sich das Ziel gesetzt, neue Musik vertrauter und vertraute Musik neu erlebbar zu machen. Diesen Anspruch erfüllten sie zu 100 Prozent. Souverän und mit schwebenden, leichten Armbewegungen führte Dirigent Peter Wallinger sein Orchester zum strahlenden Höhepunkt der Wagnerschen Musik.

Sehr akzentuiert dagegen der Beginn von Brahms Serenade in A-Dur. In dem Stück für ein kleines Orchester hat der Komponist auf den Einsatz von Geigen verzichtet, was dem Ganzen einen dunkleren Ton verleiht. Dynamisch im entscheidenden Moment, gleich darauf wieder stimmungsvoll schwelgend; den Musikern gelang es stets perfekt, die Schönheit der Musik hervorzuheben. Der beseelte transparente Orchesterklang brachte die Tonmalerei der Romantik genau auf den Punkt, ein wahrer Hörgenuss.

Für die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim ist dieses Jahr ein besonderes. Das Orchester feiert sein 25-jähriges Bestehen: „Wir haben bescheiden angefangen“, sagt Peter Wallinger. Er freut sich über die Spielfreude seiner Musiker und bemerkt, dass die Musiker sehr engagiert sind und das Orchester noch lebendiger geworden ist. Ein Eindruck, den man als Zuhörer beim Konzert sofort bestätigen konnte.

Nach der Pause erklang erneut ein lyrischer, fast schon lieblicher Wagner mit dem Vorspiel zum dritten Aufzug der Meistersinger. Auch hier gelang es den Musikern, das Innerste der Musik erlebbar zu machen.

Das Bonbon des Abends kam zum Schluss: Tschaikowskys „Rokoko-Variationen“ für Cello und Orchester. Der französische Cellist Francis Gouton übernahm den Solopart des äußerst schwierigen Stücks: „Da muss man durch“, meinte er zu den berüchtigten schnellen Läufen oder auch dem Spiel nah am Steg. Ausführlich geprobt haben sie, ergänzte Gouton, und das merkte man sofort: Fein abgestimmt war das Zusammenspiel zwischen Orchester und Solist.

Die Orchesterinstrumente waren mehr als einfach nur eine Begleitung der Solostimme: Sie spielten sich die musikalischen Bälle gekonnt zu. Solch ein frisches Spiel voller Virtuosität belohnte das Publikum mit lang anhaltendem Applaus und wiederholten Bravorufen.

Helga Spannhake

16.02.2009, Pforzheimer Zeitung

Facetten der Romantik: Fast intime Aura Virtuosität und Eleganz

Das war der unbestrittene Höhepunkt beim „Concerto“ der sueddeutschen kammersinfonie im Mühlacker Uhlandbau-Saal: Francis Gouton funkelte mit Tschaikowskys „Rokoko-Variationen“ op. 33 für Violoncello solo und Orchester.

Der Meister-Cellist aus Frankreich kann auf seinem Instrument klangseelig singen, aber auch wild und dramatisch aufbegehren. Mit unerhörter Leichthändigkeit entfaltet der Solist den Dialog mit sich selbst. Formt aus dem musikantischen Frage- und Antwortspiel eine mitreißende, spannende Erzählung. Und vermag dabei spieltechnisch zu glänzen und virtuos aufzutrumpfen wie kaum ein anderer seiner Zunft.

Wenn sich dann das Orchester unter Peter Wallingers Leitung vor allem mit seinen exzellenten Bläsern munter beteiligt und einmischt, dann leuchtet Peter Tschaikowskys romantisches Bravourstück in den allerschönsten Farben. Cello-Skalen stauen sich zum Gipfelpunkt hin und verglühen in den schwindelerregenden Höhen des Flageoletts. Scherzoartig sprühen kurz-gebundene Rhythmen vor Temperament. Gouton reizt den klanglichen Facettenreichtum seiner vier Cello-Saiten bis zur letzten Finesse aus und verfügt dennoch über schier unerschöpfliche Spielreserven. Auch beeindruckte die Eleganz des Musikhochschul-Professors und die höfliche Vornehmheit seines Auftretens das begeisterte Publikum.

Neben dieser Solisten-Kür bot der denkwürdige, unter den Titel „Facetten der Romantik“ gestellte Konzertabend zum 25. Geburtagsjubiläum des Wallinger-Ensembles eine fein ausgewogene Interpretation der Serenade Nr. 2 (in A-Dur, op. 16) von Johannes Brahms. Das „für kleines Orchester“ komponierte Werk erwies sich für das Format einer Kammersinfonie als geradezu ideal. Poesie und Empfindungen der nicht nur dynamisch sehr unterschiedlich angelegten fünf Sätze wurden von den Interpreten gleichsam szenisch ausgemalt. Wobei planvolle Detailarbeit und die Natürlichkeit der Klangbilder hervorzuheben wären. Dunkel verhangenes Timbre (Brahms verzichtete völlig auf die beiden hellen Violinstimmen) verlieh der Serenade eine charaktervolle, zum Aufführungsort passende, fast intime Aura. Richard Wagners „Siegfried-Idyll“ und das Vorspiel zum 3. Aufzug der „Meistersinger von Nürnberg“ rundeten das Programm mit den durchaus beabsichtigten emotionalen Romantik-Reminiszenzen ab.

R. Uhlig

Vorbericht: 01.04.2009, Ludwigsburger Kreiszeitung

Saisonabschluss im Uhlandbau Konzert der Kammersinfonie

In der Jubiläumsspielzeit der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim erwartet alle Klassik-Fans mit dem Festkonzert unter der Leitung von Peter Wallinger ein besonderes Musikalisches Ereignis.

Am Samstag, 4. April, beendet die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim im historischen Uhlandbau Mühlacker um 20 Uhr die die diesjährige Reihe Mühlacker Concerto. Dem Festkonzert zum 25-jährigen Bestehen des Ensembles geht um 19.15 Uhr eine Einführung durch die Musikwissenschaftlerin Christina Dollinger voraus.

Das Konzert, welches unter dem Motto des Eröffnungswerks "Strahlende Pforte" des Komponisten Hans Georg Pflüger steht, stellt den musikalischen Höhepunkt der Jubiläumsspielzeit 2009 der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim das.

Der Komponist Hans Georg Pflüger (1944-1999) würde in Schwäbisch Gmünd geboren. Er lebte seit 1950 bis zu seinem Tod in Bietigheim-Bissingen. Pflüger war selbst Organist und Pianist und entdeckte seine Leidenschaft als Komponist. So hat er ein breites kompositorisches Repertoire geschaffen. Mit der Aufführung gedenkt die Kammersinfonie des zehnten Todesjahres des Komponisten. Die "Strahlende Pforte" wurde als Auftragskomposition 1989 von den Stuttgarter Philharmonikern unter der Leitung von Wolf-Dieter Hausschild uraufgeführt und von Bayer-Records veröffentlicht.

Mit Wolfgang Amadeus Mozarts virtuosem Violinkonzert Nummer 4 in D-Dur wird es dann klassisch. Solistin ist die bekannte Geigerin Ursula Schoch. Im zweiten Konzertteil präsentiert die Kammersinfonie unter der Leitung ihres Dirigenten Peter Wallinger in großer sinfonischer Besetzung Robert Schumanns Sinfonie Nummer 4 in d-moll.

 

06.04.2009, Bietigheimer Zeitung

Ein glanzvolles Festkonzert Ursula Schoch und die Sueddeutsche Kammersinfonie im Kronenzentrum

Mozart, Schumann und Pflüger zum 25-jährigen Orchesterjubiläum: Peter Wallinger und seine glänzend aufgelegten Musiker beeindruckten am Freitag mit einer erlesenen Ensemblekultur im Kronenzentrum.

Sinnfälliger, als mit der im Jahr 1989 von der Stadt Bietigheim-Bissingen in Auftrag gegebenen Orchesterkomposition "Strahlende Pforte" des vor zehn Jahren verstorbenen Hans Georg Pflüger, hätte das Fest- und Gedenkkonzert der Sueddeutschen Kammersinfonie kaum eröffnet werden können.

Einer Aufmerksamkeit heischenden Ouvertüre gleich führte der ungemein packend aus dem Stimmvorgang des Orchesters heraus entstehende Beginn zu strahlenden Bläserklängen, die wie ein gewaltiges Portal den Blick freigaben auf opulente und elektrisierende, durch ein schwelgerisches Thema immer wieder voneinander abgesetzte Klang- und Rhythmuscollagen. Und auf das gesamte Konzert, das Peter Wallinger als hochsensiblen Klangarchitekten zeigte, der es im anschließenden, dynamisch und atmosphärisch sorgsam ausgeloteten Violinkonzert Nr. 4 D-Dur KV 218 von Wolfgang Amadeus Mozart auf bewundernswerte Weise verstand, Ernstes und Heiteres sowie einen gewichtigen und leichten Tonfall miteinander zu verbinden.

Darin stand ihm die Solistin Ursula Schoch um nichts nach. Mit ihrer hervorragenden Grifftechnik, lupenreinen Intonation, mit ihrem klaren und schlanken, aber auch warmen und sehr empfindsamen Ton erwies sich die Geigerin bei ihrem Heimspiel als ernst zu nehmende Mozartspielerin. Erfreulich unprätentiös und sprachnah phrasierend ging sie das Werk an, ließ im Andante cantabile die weitgespannten Kantilenen in einem fein ausgehorchten Wechselspiel mit den Bläsern wunderschön fließend ausschwingen und überführte die Virtuosität der thematisch reichen Ecksätze in ein geschlossenes Gesamtbild voller Charme und Geschmeidigkeit. Es schien, als liebte sie jede Note dieser Musik, wenn auch die kompositorischen Finessen Mozarts im vielgliedrigen Finale - die wechselnden Tempi, Taktarten und Charaktere - von ihr und dem Orchester ein wenig mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt hätten. Die direkt anschließenden Grußworte von Oberbürgermeister Jürgen Kessing waren leider unglücklich platziert, beraubten sie doch Ursula Schoch der Chance einer möglichen Zugabe.

Als einen einzigen großen, nie abreißenden Spannungsbogen gestalteten Peter Wallinger und die Sueddeutsche Kammersinfonie schließlich Robert Schumanns Sinfonie Nr. 4 d-Moll op. 120. Tatsächlich vermittelte die höchst drängende Lesart dieses Werks den Eindruck, als handle es sich bei den motivisch auf das Engste miteinander verknüpften und trotz Generalpausen ineinander übergehenden vier Sätzen um eine Fantasie. Es war eine Ohrenweide, wie mitreißend - trotz oder gerade wegen Peter Wallingers Ordnungssinn - das Fantastische und rastlos Fließende formuliert wurde, wie Poesie und stürmisches Drängen zwingend ineinander flossen und somit absolut instinktsicher der spezifische Schumann-Ton getroffen wurde, gipfelnd in dem fast schon dämonischen, aber klar und durchsichtig genommenen Taumel des Schlusssatzes.

Zweifellos ein großes Konzert, das gebührend gefeiert wurde, auch wenn der Wiedergabe der Schumann-Sinfonie die durchaus angemessenen stehenden Ovationen verwehrt blieben.

Christof Jetzschke

06.04.2009, Ludwigsburger Kreiszeitung

Lauter strahlende Gesichter Jubel im Festkonzert der Süddeutschem Kammersinfonie Bietigheim

Jubel beim Festkonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim. Im ausverkauften Kronenzentrum feierte die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim ihr 25-jähriges Bestehen mit einem außergewöhnlichen und umjubelten Konzertprogramm.

Werke von Mozart, Schumann und Hans Georg Pflüger erklangen mit einer solchen Frische und musikalischem Können, dass erneut deutlich wurde, welch hervorragender Klangkörper in der Stadt beheimatet ist.

Unter dem obligatorischen Applaus betraten die Musiker der Süddeutschen Kammersinfonie die Bühne. Es folgte das ebenso bekannte Einstimmen, seltsam war nur, dass Dirigent Peter Wallinger dabei bereits seinen Taktstock schwenkte. Das sorgte für manch einen irritierten Blick ins Programmheft. Dort stand als erste Komposition des Abends Hans Georg Pflügers "Strahlende Pforte" aus dem Jahre 1989. Anlässlich des zehnten Todestages des Künstlers, der in Bietigheim gelebt hat, erklang sein serielles Werk – und dieses beginnt tatsächlich bereits mit dem Einstimmvorgang.

Nahtlos setzte anschließend eine Geige nach der anderen ein, Töne wurden aufeinander gelagert, bis schließlich alle zwölf Halbtöne gleichzeitig erklangen. Frei atonal ist das Stück komponiert, Dissonanzen bestimmen es, der Instrumentenklang ist teils verfremdet. Das pathetische Hauptmotiv, an Filmmusik erinnernd, erscheint durch seine Wiederholung als verbindendes Element. Und der Titel "Strahlende Pforte" ist laut Pflüger weder programmatisch noch apokalyptisch zu verstehen, sondern verweist auf die strahlenden Blechbläserklänge, die sich immer wieder über minimalistische Streicherrepetitionen erheben.

Nach diesem faszinierenden, klanggewaltigen Werk wurde es lieblich: Mozarts Violinkonzert Nummer 4 in D-Dur stand auf dem Programmzettel. Den Solopart hatte Ursula Schoch übernommen, eine Schülerin Peter Wallingers, die quase mit dem Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim aufgewachsen ist. Inzwischen spielt sie in Amsterdam im berühmten Concertgebouw-Orchester. Hingebungsvoll entlockte sie ihrer Geige die zauberhafte Mozartsche Leichtigkeit, die das Orchester gekonnt aufgriff. Beide sind langjährig vertraut und traten in einen fließenden Dialog. Bei ihren Solostellen ging Ursula Schoch recht energisch zur Sache, ohne an Virtuosität einzubüßen.

Nach der Pause präsentierte die Süddeutsche Kammersinfonie einen besonders frischen und temporeichen Schumann. Seine Sinfonie Nummer 4 in d-Moll ist eigentlich ein Jugendwerk. Schumann hat es später überarbeitet und geglättet, so Peter Wallinger, der die Urfassung mit ihren schnelleren Tempi genauestens studiert hat. Herausgekommen ist ein stürmischer, wilder, klangintensiver Schumann, eine entfesselte Musik von tiefem Ausdruck. Bekanntes immer wieder aufregend neu zu machen, lautet das Credo des Orchesters. Und das ist der Kammersinfonie mit ihrem Festkonzert erneut aufs Vortrefflichste gelungen.

Helga Spannhake

06.04.2009, Pforzheimer Zeitung

Sinfonisches Glück in vollen Zügen Peter Wallinger dirigierte das Festkonzert "25 Jahre Kammersinfonie" in Mühlacker

Auf ausgetretenen Pfaden wandelt Peter Wallingers "sueddeutsche kammersinfonie bietigheim", die mit einem Festkonzert im Mühlacker Uhlandbau ihr 25-jähriges Bestehen feiern konnte, gewiss nicht. Das Eröffnungsstück des Bietigheimer Komponisten Hans Georg Pflüger (1944-1999) ist selten zu hören, bildete nicht nur wegen seines Titels "Strahlende Pforte" einen sinnfälligen Konzert-Eingang und konfrontierte das überraschte Publikum mit freier Atonalität. Unmittelbar aus dem Stimmvorgang des Orchesters entwickelte sich über dissonant schrillen Streicherflächen assoziativ und aufwendig gestalteter Bläserklang. Trompeten-Akzente oder lärmende Tutti mündeten in ein mitreißendes Finale ein.

Dann erlebten die Zuhörer als ausgleichenden, wohltuenden Ohrenschmaus Wolfgang Amadeus Mozarts D-Dur-Konzert (KV 218) für Violine und Orchester. Und zwar mit einer hochkonzentriert aufspielenden Sologeigerin Ursula Schoch, die 1990 am Beginn ihrer Karriere als Debütantin bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen schon einmal mit diesem Werk des Salzburger Musikgiganten reüssierte. Seinerzeit überhäuften die Kritiker "die junge Nachwuchskünstlerin" mit überschwänglichem Lob und attestierten "eine großartige, im Dienst der Musikalität stehende Technik und hohes Gestaltungsvermögen". Dem ist auch heute wenig hinzuzufügen. Der Dialog mit dem Orchester im "Allegro" zeichnete sich durch geschmeidige Flexibilität aus. Mit samtig voller Klangpracht strömte im Mittelsatz ("Andante cantabile") die innige Melodie wie sinnlich weicher Gesang. Die tänzerisch temperamentvollen Abschnitte im "Rondeau"-Finale wirkten ungemein frisch. Bemerkenswert fein ausgearbeitete Kadenzen und Spieleleganz kamen hinzu. In der Zugabe erfreute Schoch mit einem melancholisch-wehmütigen, zart ausgeführten Satz von Johann Sebastian Bach ("Adagio" aus der g-Moll-Violinsonate BWV 1001).

Nach der Pause kam die Stunde des (sowohl im Bläser- als auch im Streicherbereich deutlich verstärkten) Orchesters. Robert Schumanns Sinfonie Nr.4 (in d-Moll, op.120) stand auf dem Programm und wurde mit Klangschönheit und Verve gemeistert. Wobei ergänzt werden muss, dass der schwerflüssige Eindruck, der Zuweilen bei Wiedergaben von Schumanns Orchestermusik mit großen Philharmonien entsteht, in der Mühlacker Interpretation völlig vermieden wurde. Wallingers Deutung beeindruckte durch musikalische Geschlossenheit, durch Binnenspannung und hoch-fliegenden Schwung, war erfüllt von drängender, wogender Heftigkeit.

R. Uhlig

07.04.2009, Mühlacker Tagblatt

Gigantische Herausforderung gemeistert Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim feiert ihr 25-jähriges Bestehen mit einem glanzvollen Konzert im Uhlandbau

Ein Festkonzert aus Anlass des 25-jährigen Bestehens der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim wurde am Samstagabend im Uhlandbau von den sehr zahlreich erschienenen Besuchern mit großer Begeisterung aufgenommen. Drei Kompositionen aus unterschiedlichen Musikepochen von der Wiener Klassik bis zur Moderne standen auf dem Programm des von Orchestergründer Peter Wallinger geleiteten Konzerts, an dem auch die beliebte Violinvirtuosin Ursula Schoch mitwirkte.

Zur Aufführung der Komposition "Strahlende Pforte" des vor zehn Jahren verstorbenen Komponisten Hans Georg Pflüger, der in Bietigheim-Bissingen lebte, war eine umfangreiche Besetzung vor allem in den Bläserstimmen erforderlich. Im Jahr 1989 entstand das Werk, das schon in seinem Anfang von erfrischender Originalität geprägt ist, denn eigentlich hörte sich alles an, als würden die Orchestermitglieder noch kurz vor dem ersten Einsatz ihre Instrumente stimmen. Tatsächlich aber war das bereits der Beginn der Komposition, die sich sehr schnell zu wuchtigen Klangkaskaden steigerte und verdichtete. Ein bekannt anmutendes Motiv trat hervor, das jedoch im weiteren Verlauf nachdrücklich verzerrt und regelrecht zerfasert wurde. Das Werk war ungemein farbenreich und wies eine Fülle schnell aufblitzender und wieder untergehender Klangfiguren auf. Für die unter der temperamentvollen und mitreißenden Leitung von Peter Wallinger bravourös und glutvoll musizierende Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim stellte die Komposition eine Herausforderung gigantischen Ausmaßes dar, die jedoch höchst beeindruckend gemeistert wurde. Pflügers "Strahlende Pforte" konfrontierte die Konzertbesucher zwar mit einem hohen Maß an ungewohnten, gelegentlich auch machtvoll lauten Klangelementen, aber der lang anhaltende Applaus bewies deutlich, dass die Komposition noch dazu in dieser herausragenden Ausführung ansprach und faszinierte.

Große Faszination ging auch wieder vom Spiel der Violinvirtuosin Ursula Schoch aus. Die Künstlerin führte das Violinkonzert Nummer vier, D-Dur, KV 218, von Wolfgang Amadeus Mozart auf. Schwerelos schwebend gestaltete sie elegant und beglückend nuancenreich den Solopart in den drei Sätzen. Im Allegro entstand auf diese Weise ein lebendiger Dialog mit dem glitzernd hell und transparent begleitenden Orchester, und doch breitete Ursula Schoch schon hier ihre vollendete Virtuosität aus. Die seelenvolle Melodik des Andante cantabile entfaltete die Solistin mit silbrig heller Klangzartheit.

Graziös und doch auch keck in der temporeichen Ausführung ihres Solos leitete Ursula Schoch den Schlusssatz ein, um sich vom tänzerischen Charakter der Komposition zu einer furiosen Ausführung förmlich mitreißen zu lassen. Mit einem Satz aus einer Sonate für Violine solo von Johann Sebastian Bach als Zugabe dankte die Musikerin für den freudigen Beifall.

Ähnlich wie am Freitagabend während des Konzerts der Süddeutschen Kammersinfonie im Kronenzentrum in Bietigheim-Bissingen, wo Oberbürgermeister Jürgen Kessing im Namen der Stadt seine Gratulation zum 25-Jahr-Jubiläum des Orchesters überbrachte, sprach auch im Uhlandbau in Mühlacker als hochrangige Vertreterin der Stadt Mühlacker die stellvertretende Bürgermeisterin Erika Gerlach Glückwünsche zu diesem Anlass aus.

Die Aufführung der vierten Sinfonie von Robert Schumann am Samstagabend im Uhlandbau ließ die lodernde Leuchtkraft dieses viersätzigen Werks erkennen. Mit eindringlicher Intensität steigerte sich der Ausdruck des Eingangssatzes von träumerischer Stimmung zu impulsiver Dichte. Peter Wallinger lotete die kontrastreichen Elemente der weiteren Sätze vital aus, ließ emotionale Aufbrüche machtvoll sich ausbreiten und achtete generell auf eine feurige, immer wieder auch auf eine von drängenden Tempi beherrschte Gestalung. Vor allem das freudige Hauptthema des Schlusssatzes trat hell strahlend und höchst beschwingt hervor.

Das stürmische Finale war einfach unübertrefflich. Als Zugabe hörten die begeisterten Besucher noch einmal den recht kurzen zweiten Satz mit der lieblich klingenden Romanze.

Rudolf Wesner

14.07.2009, Bietigheimer Zeitung

Feenzauber und Affensprünge Glanzvolles Konzert der Süddeutschen Kammersinfonie im Sachsenheimer Kulturhaus

Nach der Musikschulveranstaltung musste am vergangenen Samstag auch die jährliche Sommerserenade der Süddeutschen Kammersinfonie aus dem Schlosshof ins Kulturhaus verlegt werden.

Die Verlegung erwies sich nachträglich jedoch als Glücksfall. Das 17-köpfige Kammer-Streichorchester spielte nämlich ein so delikates Programm aus Werken vom Frühbarock bis zur Moderne, dass sich die Saiten der Instrumente in der feucht-warmen Abendluft wohl zu rasch verstimmt hätten. Besonders die beiden Hauptsolisten, der japanische Kontrabassist Michinori Bunya und die ebenfalls aus Japan stammende Konzertmeisterin Sachiko Kobayashi mit ihrer kostbaren Violine, hätten ihre Vorträge nicht so lupenrein und virtuos meistern können, wie dies in nahezu phänomenaler Weise geschah.

Auch das technisch und musikalisch überzeugende, hervorragende Spiel des Orchesters auf Violinen, Bratschen, Celli und Kontrabass hätte in freier Lust wohl kaum so homogen und zugleich differenziert wirken können. Entsprechend positiv beeindruckte das Konzert unter Peter Wallingers präzisem und temperamentvollem Dirigat im Ausweichort, dem Großsachsenheimer Kulturhaus. Es war ein Hochgenuss, die melodiös, virtuos und stilgerecht dargebotenen Werke der vier gespielten Komponisten zu genießen und dabei zu verinnerlichen.

Die fünf wichtigsten Sätze aus der Musik des englischen Barockmeisters Henry Purcell zu Shakespeares "Sommernachtstraum" eröffneten das Konzert. Straff-dynamisch gestrichen, erklang das Prelude, im beschwingten Dreivierteltakt folgte das Rondeau und dann erfreuten drei Charaktertänze die Zuhörer: Flirrend huschten die Feen musikalisch vorüber, Affensprünge wurden punktiert nachgeahmt und im Stil einer Chaconne wurden Chinesen als damals beliebte Exoten angedeutet. Bereits der Vortrag dieser Musik zeigte die Korrektheit und zugleich Schönheit des Kammersinfonie-Spiels.

Danach strich, griff und zupfte als "Knüller" des Abends Michinori Bunya seinen Kontrabass als Solist und Partner des Orchesterklangs. Tempo und Virtuosität der linken und rechten Hand, grandiose Dynamik, natürliche und künstliche Flageoletts bis zur Höhe des Klanges von Violinsaiten, Glissandi und vieles mehr erlebte man in zwei Werken des Italieners Giovanni Bottesini, der als Super-Kontrabassist wirkte und neue Techniken für dieses große Instrument erfand. Tosender, kaum endender Beifall regte den Solisten in Sachsenheim zu einer kontrastierenden Zugabe an.

Die elegische Melodie "Herzwunden" des Norwegers Edvard Grieg war das orchestrale Gegenstück zum Bottesini-Wirbel und ließ alle Streichergruppen elegant erklingen. Auch Puccinis "Chrysanthemen"-Gesang mit Anklängen an dessen Opernstil blieb trotz vieler Besonderheiten des Spiels überwiegend zart.

So blieb es Konzertmeisterin Kobayashi vorbehalten, die südamerikanische Variante der "Vier Jahreszeiten" von Vivaldi, die der argentinische Bandoneon-Virtuose Astor Piazzolla (1921-1992) mit folkloristischem Anklang komponierte, rasant in den Sätzen "Sommer in Buenos Aires" und "Herbst" explosionsartig und trotzdem edel als Solistin zu markieren. Das Orchester folgte ihr in allen Nuancen der Interpretation und ließ sich von Peter Wallinger zum glanzvollen Konzertfinale führen.

Helmut Müller

14.07.2009, Mühlacker Tagblatt

Leidenschaftlich umarmt Ohrenschmaus in der Frauenkirche - Kontrabassist begeistert

Der Sommerzeit angepasst, präsentierten Peter Wallinger und seine Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim am Sonntagvormittag im Rahmen des "Musikalischen Sommers" in der Lienzinger Frauenkirche ein Programm mit farbenfrohen musikalischen Nuancen vom Barock bis ins 20. Jahrhundert, von Britannien bis Argentinien.

Von Henry Purcell, dem englischen Barockmeister, führte das bestechend rein und hell klingende Streichorchester, vor dem sich Orchesterleiter Peter Wallinger einmal mehr als sensibler Klangzauberer erwies, fünf Teile aus der Musik zu "The Fairy Queen" (Die Feenkönigin) nach Shakespeares "Sommernachtstraum" auf. Schwebend leichte, wohlige Streicherbrillanz breitete sich in der Frauenkirche aus, wobei die tänzerisch leichten, auch mal burlesken Elemente ebenso feinstimmig herausgehoben wurden wie die lyrischen. Auch für dieses Konzert war es Peter Wallinger gelungen, einen herausragenden Solisten zu gewinnen. An seinem Kontrabass, den er während seines Spiels geradezu leidenschaftlich zu umarmen schien, entfaltete Michinori Bunya träumerische, seelenvolle und warme Klangfülle. Damit dokumentierte der heute als Professor an der Staatlichen Hochschule für Musik in Würzburg tätige gebürtige Japaner, dass dieses Instrument alles andere als nur ein sonor brummendes Streichinstrument ist.


Foto: Fotomoment

Michinori Bunya ließ bei der Gestaltung der Melodie Nummer eins in e-moll von Giovanni Bottessini, einem italienischen Komponisten des 19. Jahrhunderts, seinen Kontrabass förmlich singen. Auch im "Allegro di Concerto alla Mendelssohn" von demselben Komponisten bestach der Solist mit samtweichem Bogenstrich. Die Kammersinfonie begleitete Michinori Bunya mit impulsivem und glutvollem Spiel.

Zum Abschluss des ersten Teils des Konzerts in der Frauenkirche erklang noch "Herzwunden" aus den "Elegischen Melodien", Opus 34, von Edvard Grieg, überaus zart und verklärt als eine wahre Delikatesse für die Ohren.

Von empfindungsreicher Melodik war auch die Komposition "Chrysanthemen" für Streicher von Giacomo Puccini geprägt. Dieses eindrucksvolle Werk erlebte durch das hoch qualifizierte Streichorchester unter der Leitung von Peter Wallinger eine Aufführung in romantischer Stimmung.

Der argentinische Komponist Astor Piazzolla fügte in seinem Zyklus "Vier Jahreszeiten" gelegentlich Zitate aus dem gleichnamigen Werk von Antonio Vivaldi ein, verwandelte aber derartige Motive nachdrücklich, indem er sie mit dem Klangkolorit seiner lateinamerikanischen Heimat vermengte. Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim führte daraus zwei Sätze auf. Dabei übernahm die Konzertmeisterin des Orchesters, Sachiko Kobayashi, den Solopart auf der Violine. Zunächst symbolisierte die quirlige Bewegtheit der Komposition die Lebensfreude in der sommerlichen Metropole. Dagegen traten im folgenden Satz "Herbst" meditative Klänge auf, die eine eher gedämpfte Stimmung widerspiegelten. Doch stets war vibrierender Rhythmus das treibende Element, mit dem ein expressiver Ausdruck entstand. Die Solistin an der Violine, Sachiko Kobayashi, die auch Mitglied des erst kürzlich in Lienzingen aufgetretenen Lotos-Streichquartetts ist, führte ihre Soli mit Temperament und eindrucksvoller Virtuosität aus und wurde dabei vom Orchester unter der Leitung von Peter Wallinger bravourös begleitet.

Rudolf Wesner

17.11.2009, Bietigheimer Zeitung

Mit Mozarts "Zaubertröte" auf Safari Abenteuerliches Schülerkonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim

"Tarza(h)n hat Zahnweh – oder: Im Dschungel herrscht Musikverbot!" Das Musiktheaterstück von Jörg Schade und Franz-Georg Stähling begeisterte in der Kelter Grundschüler aus dem Landkreis.

Wahrscheinlich interessieren sich Kinder heute nicht weniger für klassische Musik als früher. Nur sind heute wohl die Möglichkeiten gegrenzter, auch aufgrund eines nicht immer befriedigenden kulturellen Bildungshintergrunds, Kinder an Kultur heranzuführen. Diesem Umstand begegnen Jörg Schade sowie Peter Wallinger und seine Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim schon seit längerem erfolgreich mit ihren alljährlich im November stattfindenden Schülerkonzerten. Dass sie auf große Offenheit stoßen, zeigen schon die Anmeldungen zu diesen Konzerten, die bereits ein dreiviertel Jahr im Voraus eingehen. Dieses Mal stand etwas sehr Abendteuerliches auf dem Programm.

Taridius Zahn, der im Gegensatz zu seinem berühmten Bruder Tarzan so herrlich hilflose Biologe, ist in großer Not. Mitten im Urwald soll der Musikliebhaber Pflanzen für sein Museum sammeln, hat aber Angst vor Tieren, dazu auch noch entsetzliche Zahnschmerzen. Und so schmettert Jörg Schade in der Rolle des Taridius Zahn alias Tarza(h)n, bemitleidenswert seine Schmerzensarie "Dolor di denti" ("Schon seit gestern hab ich Zahnweh") auf die Musik von Amilcare Ponchielli in der voll besetzten Alten Kelter. Und dann wäre da noch der fiese Mr. Blum (Dietmar Beese).

Musik ist für ihn nichts als Lärm, der seine Erholung suchenden Hotelgäste nur stört. Also verbietet er Musik und sammelt von sämtlichen Tieren deren Musikinstrumente ein. Ganz klar, nicht nur gegen das Zahnweh, sondern auch gegen Mr. Blum und die zu erwartenden lästigen Touristenströme muss etwas unternommen werden. Unerwartete Hilfe erhält Tarza(h)n von drei drolligen Urwaldmusikanten, dargestellt von Mitgliedern der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim: Corni (Gunilla Kühn, Horn), Trombi (Michael Peuser, Posaune) und Tröti (Daniel Szepesi, Trompete). Und von der nach Schokolade verrückten Dschungelfee Palmina (Judith Guntermann). Natürlich ist Tarza(h)n bald seinen kariösen Zahn los. Mit neu erwachten Kräften, List und Erfindungsreichtum gelingt es ihm un seinen zu allerlei Späßen aufgelegten Freunden schließlich, Mr. Blum zu übertölpeln, die Instrumente wiederzubeschaffen, den Dschungel mit neuem musikalischen Leben zu füllen und sogar Mr. Blum zur Musik zu bekehren.

Dass ein derartiges Stück funktioniert, hängt natürlich auch von der Aufmerksamkeit des Publikums ab. Mit enormem Spaß waren die Kinder dabei, halfen Taridius Zahn, wo sie nur konnten, imitierten Tiergeräusche, spendeten nach jedem Musikstück von Mozart, Rossini, Verdi, Grieg oder Joplin begeisterten Zwischenapplaus, waren auch auf dem kleinen Streifzug durch die Musikgeschichte und Instrumentenkunde ganz bei der Sache und stimmten am Ende – noch vor Verdis Triumphmarsch aus "Aida" – nur allzu gerne in das Dschungellied mit ein: "Hier im Dschungel ist das Leben noch voller Glück. Hier im Dschungel verbindet alle die Musik." Fazit: Nach den Projekten der Vorjahre, "Papa Haydn" und "Ritter Glück" gelang es Jörg Schade, Peter Wallinger und den Mitgliedern der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim erneut, Kinder nicht nur in den Bann einer vergnüglichen Geschichte zu ziehen, sondern ebenso auf humorvolle, kindgerechte, bisweilen aber auch leicht kindische Weise – Mozarts "Zaubertröte" musste nicht wirklich sein – in den Bann klassischer Musik.

Christof Jetschka

07.12.2009, Pforzheimer Zeitung

Mit jugendlich-frischem Elan Peter Wallinger dirigierte in Mühlacker mit der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim „Nordische Impressionen“

Mit einem ebenso anspruchsvollen wie anregenden Programm unter dem Motto „Nordische Impressionen“ schlug Peter Wallinger mit seiner aus zumeist jungen Musikern bestehenden „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ im Uhlandbau in Mühlacker den Bogen von Bekanntem wie „Finlandia“ von Jean Sibelius und der „Hebriden“-Ouvertüre von Felix Mendelssohn Bartholdy über Populäres (Edvard Griegs erster „Peer Gynt“-Suite) zu einer Rarität, dem zweiten Klavierkonzert des schwedischen Pianisten, Dirigenten und Komponisten Wilhelm Stenhammar. Stenhammar (1871 bis 1927), der als Vaterfigur der schwedischen Musik gilt, genießt außerhalb seiner Heimat längst nicht jenes Ansehen, das ihm ob seiner musikalischen Leistungen gebühren würde. Neben der „Excelsior“-Ouvertüre tauchen seine weiteren sinfonischen Werke außerhalb Schwedens nur sehr selten in den Konzertprogrammen auf.


Foto: Fotomoment

Mit seinem zweiten, das ebenso wie das erste Klavierkonzert viersätzig, mit einem Sherzo als zweitem Satz angelegt ist, hat Stenhammar ein für den Solisten höchst anspruchsvolles, ohne dabei oberflächliche Virtuosität bedienendes Konzert geschrieben. Vom unbegleiteten Solobeginn des Pianisten an erhält das komplexe Werk seinen Reiz durch Verunklarung der „offiziellen“ Haupttonart d-Moll zwischen Solist und Orchester, die die ersten beiden Sätze an- hält. Im Uhlandbau konnte sich Gerhard Vielhaber als ein manuell ansprechender, dem dichten Klaviersatz manch anregendes Detail abgewinnender Interpret profilieren, der sich für den herzlichen Publikumsbeifall auf dem etwas sehr metallisch klingenden Flügel mit einem Intermezzo von Robert Schumann bedankte. Dass manche Passagen des d-Moll-Konzertes noch nicht konsequent genug ausgeformt erschienen, ist bei der ersten öffentlichen Interpretation eines ebenso schwierigen wie unbekannten Werkes verständlich. Nicht nur bei Stenhammar überzeugte die sueddeutsche kammersinfonie Bietigheim mit ihrer Spielfreude und dem bedingungslosen Engagement,das manche Probleme im Zusammenspiel, manches noch nicht überzeugende Detail in den Hintergrund treten ließ.

„Finlandia“ die heimliche Hymne Finnlands, die zur Zeit der russischen Okkupation das erwachsende Nationalgefühl widerspiegelte, wurde von Wallinger mit machtvollen, den Bläserapparat gegenüber den ausgedünnt klingenden hohen Strei- chern etwas zu sehr in den Vordergrund rückendem Pathos musiziert. Geschmeidig, mit ausgewogem Verhältnis des mit schönen Soli aufwartenden Holzbläserapparats und nuancierten Streichern erklang die „Hebriden“-Ouvertüre Mendelssohn-Bartholdys, ein würdiger Beitrag zum Mendelssohn-Jahr, der den Elan und das klangliche Vermögen des Ensembles ins beste Licht rückte. Mit fein ausgehörten Details präsentiere Wallinger auch die erste „Peer Gynt“-Suite Griegs, Musik, die etwas im Ruch von „Wunschkonzert“-Seligkeit steht.

Im Uhlandbau erklang die „Morgenstimmung“ fein austariert, „Ases Tod“ in lichte Streicherklänge ohne Sentimentalität getaucht, „Anitras Tanz“ rhythmisch entsprechend packend musiziert, um mit „In der Halle des Berglöwen“ einen ansprechend gesteigerten Abschluss zu finden.

Thomas Weiss

08.12.2009, Bietigheimer Zeitung

Sinfonische Klangpracht Gerhard Vielhaber war Solist im Konzert der Süddeutschen Kammersinfonie

Das Jubiläumsjahr aus Anlass ihres 25-jährigen Bestehens beschloss die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim-Bissingen am Sonntag mit einem Konzert im Kronensaal mit dem Titel "Nordische Impressionen".

Bekanntes und Beliebtes stand auf dem Programm, doch auch eine Komposition, die vermutlich ihre deutsche Erstaufführung erlebte.

Als ein sinfonisches Gedicht bezeichnete der finnische Komponist Jean Sibelius seine Komposition "Finlandia", die vor 110 Jahren entstand. Sie gilt in dem nordischen Land als die geheime Nationalhymne. Mit diesem populären Stück begann das recht gut besuchte Konzert.

Breit legte Orchesterleiter Peter Wallinger, der auch der Gründer dieses Klangkörpers ist, die wuchtigen Einleitungsakkorde an. Aus einer zunächst ruhevoll fließenden Gestaltung des Werks erhob sich nach und nach jene dramatische Steigerung des Ausdrucks, der in dem machtvollen, stets tief berührenden großen Hymnus mündet, der den sehnsuchtsvollen und doch auch feierlichen Charakter von "Finlandia" einzigartig prägt. Wieder einmal bestach mit dieser aufrüttelnden Aufführung die Süddeutsche Kammersinfonie mit ihrer großartigen Gestaltungsdichte.

Mit Spannung wurde der Auftritt des jungen Pianisten Gerhard Vielhaber erwartet. Obwohl noch jung an Jahren nahm er schon zahlreiche nationale und internationale Preise und Auszeichnungen entgegen und gilt als einer der hoffnungsvollsten Virtuosen der jungen Generation. Gerhard Vielhaber setzte sich mit einem hier zu Lande weithin unbekannten Werk des schwedischen Komponisten Wilhelm Stenhammar auseinander, dessen Name in Deutschland ebenfalls kaum in einem Konzertprogramm erscheint. Nach Peter Wallingers Ansicht dürfte das Klavierkonzert Nummer zwei in d-Moll, Opus 23, das zwischen 1904 und 1907 entstand, seine deutsche Erstaufführung erlebt haben.

Es ist eine zerklüftete Komposition, die trotz der darin auftretenden kraftvollen Kontraste eher spröde und herb wirkt. Die vier Sätze ließ der Komponist ineinander übergehen. Daraus wuchsen scharfe Gegensätze des Ausdrucks, die als expressiv stürmisch und gelegentlich als leicht lyrisch verbrämt wahrgenommen werden konnten. Für Gerhard Vielhaber ergaben sich daraus allerdings musikalisch herausfordernde Möglichkeiten, seinen Solopart mit differenziert eingesetzten Emotionen, auch mit nuancenreicher Auslotung der inneren Spannungen des Werks und überhaupt mit vollendeter Virtuosität energiegeladen und temperamentvoll auszuführen. Auch die Kammersinfonie Bietigheim-Bissingen trug mit Brillanz in der Auslotung der sinfonischen Pracht des Werks dazu bei, dass aus dem Wechselspiel zwischen ihm und dem Solisten eine vitale Wiedergabe zu hören war. Der Solist des Abends wurde dafür mit lang anhaltendem Beifall gefeiert, wofür sich Gerhard Vielhaber mit einen Intermezzo von Robert Schumann als Zugabe bedankte.

Im zweiten Teil des Konzerts im Kronensaal standen mit der "Hebriden-Ouvertüre" von Felix Mendelssohn-Bartholdy und der "Peer-Gynt-Suite", Nummer eins, von Edvard Grieg zwei außerordentlich beliebte Kompositionen auf dem Programm. Als ein farbenprächtiges, überaus lebendig und nuanciert gestaltetes Klanggemälde führte das Orchester die "Hebriden-Ouvertüre" aus. In der Aufführung der vier Sätze aus der Musik zu Henrik Ibsens Dichtung "Peer Gynt" entfaltete die Musiker unter der von lebhaftem Gestus geprägten Leitung von Peter Wallinger vielfältige Stimmungen.

Die Lyrik und Verträumtheit der "Morgenstimmung", der betörende warme Streicherklang in "Ases Tod", die schwebend leichte Anmut von "Anitras Tanz" und die ekstatische Wucht des Finales "In der Halle des Bergkönigs" konnten mitreißender, klangfrischer und kontrastreicher nicht dargeboten werden. Das waren wieder einmal Glanzstücke dieses auf hohem musikalische Niveau wirkenden Klangkörpers.

Rudolf Wesner

08.12.2009, Mühlacker Tagblatt

Nordisches in sinfonischer Klangfülle Reihe Mühlacker Concerto fortgesetzt – Gerhard Vielhaber trat als Solist mit der Süddeutschen Kammersinfonie auf

Das Jubiläumsjahr aus Anlass ihres 25-jährigen Bestehens hat die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim am Samstag mit einem gut besuchten Konzert im Uhllandbau mit dem Titel "Nordische Impressionen" beschlossen. Bekanntes und Beliebtes stand auf dem Programm, doch auch eine Komposition, die vermutlich ihre Erstaufführung erlebte.

Als ein sinfonisches Gedicht bezeichnete der finnische Komponist Jean Sibelius seine Komposition "Finlandia", die vor 110 Jahren entstand. Sie gilt in dem nordischen Land als die geheime Nationalhymne. Mit diesem populären Stück begann das recht gut besuchte Konzert. Breit legte Orchesterleiter Peter Wallinger, der auch der Gründer dieses Klangkörpers ist, die wuchtigen Einleitungsakkorde an. Aus einer zunächst ruhevoll fließenden Gestaltung des Werks erhob sich nach und nach jene dramatische Steigerung des Ausdrucks, der in dem machtvollen, stets tief berührenden großen Hymnus mündet, der den sehnsuchtsvollen und doch auch feierlichen Charakter von "Finlandia" einzigartig prägt. Wieder einmal bestach mit dieser aufrüttelnden Aufführung die Süddeutsche Kammersinfonie mit ihrer großartigen Gestaltungsdichte.

Mit Spannung wurde der Auftritt des jungen Pianisten Gerhard Vielhaber erwartet. Obwohl noch jung an Jahren nahm er schon zahlreiche nationale und internationale Preise und Auszeichnungen entgegen und gilt als einer der hoffnungsvollsten Virtuosen der jungen Generation. Gerhard Vielhaber setzte sich mit einem hier zu Lande weithin unbekannten Werk des schwedischen Komponisten Wilhelm Stenhammar auseinander, dessen Name in Deutschland ebenfalls kaum in einem Konzertprogramm erscheint. Nach Peter Wallingers Ansicht dürfte das Klavierkonzert Nummer zwei in d-Moll, Opus 23, das zwischen 1904 und 1907 entstand, seine deutsche Erstaufführung erlebt haben. Es ist eine zerklüftete Komposition, die trotz der darin auftretenden kraftvollen Kontraste eher spröde und herb wirkt. Die vier Sätze ließ der Komponist ineinander übergehen. Daraus wuchsen scharfe Gegensätze des Ausdrucks, die als expressiv stürmisch und gelegentlich als leicht lyrisch verbrämt wahrgenommen werden konnten.

Für Gerhard Vielhaber ergaben sich daraus allerdings musikalisch herausfordernde Möglichkeiten, seinen Solopart mit differenziert eingesetzten Emotionen, auch mit nuancenreicher Auslotung der inneren Spannungen des Werks und überhaupt mit vollendeter Virtuosität energiegeladen und temperamentvoll auszuführen. Auch die Kammersinfonie Bietigheim-Bissingen trug mit Brillanz in der Auslotung der sinfonischen Pracht des Werks dazu bei, dass aus dem Wechselspiel zwischen ihm und dem Solisten eine vitale Wiedergabe zu hören war. Der Solist des Abends wurde dafür mit lang anhaltendem Beifall gefeiert, wofür sich Gerhard Vielhaber mit einen Intermezzo von Robert Schumann als Zugabe bedankte.

Im zweiten Teil des Konzerts im Kronensaal standen mit der "Hebriden-Ouvertüre" von Felix Mendelssohn-Bartholdy und der "Peer-Gynt-Suite", Nummer eins, von Edvard Grieg zwei außerordentlich beliebte Kompositionen auf dem Programm.

Als ein farbenprächtiges, überaus lebendig und nuanciert gestaltetes Klanggemälde führte das Orchester die "Hebriden-Ouvertüre" aus. In der Aufführung der vier Sätze aus der Musik zu Henrik Ibsens Dichtung "Peer Gynt" entfaltete die Musiker unter der von lebhaftem Gestus geprägten Leitung von Peter Wallinger vielfältige Stimmungen. Die Lyrik und Verträumtheit der "Morgenstimmung", der betörende warme Streicherklang in "Ases Tod", die schwebend leichte Anmut von "Anitras Tanz" und die ekstatische Wucht des Finales "In der Halle des Bergkönigs" konnten mitreißender, klangfrischer und kontrastreicher nicht dargeboten werden.

Das waren wieder einmal Glanzstücke dieses auf hohem musikalische Niveau wirkenden Klangkörpers. Als Zugabe für den freudigen Schlussapplaus erklang noch einmal "Anitras Tanz".

Rudolf Wesner