Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim

 

06.12.2011, Mühlacker Tagblatt

Mit sprühender Musizierfreude

Konzertreihe „Mühlacker Concerto“: Ausgelassen aufspielendes Orchester begleitet jungen Klarinettenakrobaten. Schillernde Klangfarben erfreuten die Besucher der beiden Konzerte der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim sowohl in der Historischen Kelter von Ötisheim als auch am Sonntagnachmittag im Bietigheimer Kronensaal.

Bietigheim-Bissingen/Ötisheim. Unter dem Titel „à la française“ wählte Orchesterleiter Peter Wallinger für die Fortsetzung der Reihe „Mühlacker Concerto“ Werke französischer Komponisten des 20. Jahrhunderts aus. So fröhlich und locker hörte man die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim noch nie musizieren. Schon mit „Valses nobles et sentimentales“, einem der köstlichsten Werke von Maurice Ravel, wurde dieser Eindruck vom ersten Takt an bestätigt. Acht in den Stimmungen sehr unterschiedliche Stücke im Dreivierteltakt hatte der Komponist 1911 zunächst für das Klavier geschrieben, die 1914 in der Orchesterfassung uraufgeführt wurden. Seither zählen sie neben dem „Bolero“ zu den besonders beliebten Kompositionen Ravels. Auf einen furiosen Auftakt mit einem keineswegs gemütlichen Walzer folgen Walzerepisoden, die wie ein kurzes, hell flackernd aufleuchtendes Blitzlicht durch den Raum zucken. Sie sind mal, wie der Titel besagt, „nobel“, dann wieder vital beschwingt, aber auch überaus empfindungsreich oder sehnsuchtsvoll. Peter Wallinger hielt, entgegen sonst weitläufig verbreitetem Brauch, zwischen den einzelnen Sätzen kurze Pausen ein. Aber damit erreichte er eine wundervolle Transparenz der Komposition, die von der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim mit enormem Schwung nuanciert und leichthin fließend ausgeführt wurde.
Das Konzert für Klarinette und Orchester von Jean Français erschien wie für den hinreißend musizierenden Solisten des Abends, den 25-jährigen Klarinetten-Virtuosen Sebastian Manz aus Hannover, „auf den Leib geschrieben“. Im Jahr 1967 wurde das technisch unfassbar anspruchsvolle Werk uraufgeführt. In der Tat verlangt die Ausführung des Soloparts geradezu akrobatisches Können, und eben dies vermochte der Ausnahmemusiker auf faszinierende Weise hörbar zu machen. Facettenreich sind die Stimmungen darin, denn auf ein keckes Allegro, in dem Manz seine überragende Virtuosität, unter anderem auch in einer brillanten Kadenz, erstmals glanzvoll ausbreiten konnte, folgte ein rhythmisch pointiertes Scherzando, in das Jean Français allen erdenklichen musikalischen Witz verpackte. Verträumte Melodik prägte das Andantino, in dem auch der Solist mit zart intoniertem Spiel im Duett mit der Flöte empfindsame Lyrik verbreitete. Sprudelnde Klangkaskaden rissen im Allegrissimo auch den ohnehin mit pantomimischem Körpereinsatz musizierenden Sebastian Manz offensichtlich mit, so dass er ein bunt glitzerndes Brillantfeuerwerk auf der Klarinette mit unübertrefflicher Bravour ausführte. Das riss die Konzertbesucher förmlich von ihren Sitzen, wie der jubelnde Beifall bewies, für den sich der sympathische Musiker noch mit einem nicht minder virtuos dargebotenen Solostück von Igor Strawinsky bedankte. Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim begleitete den Klangzauberer auf seinem Instrument mit akzentreichem, außerordentlich unbeschwert dahinströmendem Spiel.
Um die Heiterkeit, den musikalischen Humor regelrecht auf die Spitze zu treiben, entlockte Peter Wallinger seinen Musikerinnen und Musikern emotionale und lodernde Musizierfreude bei der Aufführung einer sehr selten zu hörenden Komposition von Darius Milhaud mit dem Titel „Le Boeuf sur le Toit“ (Der Ochse auf dem Dach), Opus 58. Das nur etwa 20 Minuten dauernde, scherzoähnliche Stück basiert auf einem brasilianischen Volkslied, das zunächst als Klavierkomposition im Jahr 1919 geschrieben wurde. Südamerikanische Folklore und Rhythmik bestimmen das Werk, das die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim rasant, temperamentvoll und regelrecht übermütig ausführte. Darius Milhaud ließ es in seiner glutvollen Komposition manchmal auch reichlich schräg klingen, aber genau das machte deren spezifischen Reiz für die Ohren der Zuhörer aus. Eine Tango-Passsage aus dem Ochsen auf dem Dach erklang als Zugabe.

Rudolf Wesner

05.12.2011, Pforzheimer Zeitung

Musikfest der Extraklasse

Kompositionen “à la française“ in Ötisheim beim „MühlackerConcerto“. Solist Sebastian Manz verströmt pulsierende Tonkaskaden. Ötisheim. Vordergründige Effekthascherei ist seine Sache nicht. Die akrobatische Virtuosität, die der junge Meisterklarinettist Sebastian Manz an den Tag legt, bleibt in jedem Moment zwar lustvolle, aber hauptsächlich dem musikalischen Werk dienende Gestaltungsarbeit. So jedenfalls präsentierte sich der diesjährige „ECHO-Klassik“-Preisträger beim Konzert der „sueddeutschen kammersinfonie“ in der historischen Kelter Ötisheim.

Ötisheim. Vordergründige Effekthascherei ist seine Sache nicht. Die akrobatische Virtuosität, die der junge Meisterklarinettist Sebastian Manz an den Tag legt, bleibt in jedem Moment zwar lustvolle, aber hauptsächlich dem musikalischen Werk dienende Gestaltungsarbeit. So jedenfalls präsentierte sich der diesjährige „ECHO-Klassik“-Preisträger beim Konzert der „sueddeutschen kammersinfonie“ in der historischen Kelter Ötisheim. Das von Peter Wallinger mit Verve geleitet, vielfach verstärkte Bietigheimer Ensemble und Manz interpretierten das Klarinettenkonzert des 1997 verstorbenen Komponisten Jean Françaix als eine in reichen instrumentalen Farben leuchtende Klangfantasie. Rasante Tempi und tänzerische Rhythmik (in den Allegro-Ecksätzen), aber auch ausgelassene Heiterkeit und Ironie (im Scherzando) oder von melancholischer Zartheit geprägte Passagen (im Andantino) bestimmten die Wiedergabe. Vor allem der Solist verströmte mit pulsierenden Tonkaskaden, Schwüngen und Schlenkern, überraschenden Akzenten und abenteuerlich über den Orchesterklangwellen hüpfenden Akkorden spielerische Freude. Dabei zeichnete sich Sebastian Manz durch unerhörte Klarheit, spielerisch lockere, aber kernig fokussierte Tongebung aus, wie man sie selbst bei renommierten Klarinettisten selten erlebt. Überhaupt erfreute der unter das Motto „à la française“ gestellte Konzertabend mit unkonventionell moderner Musik aus Frankreich, die mehrfach in ein unterhaltsam-kultiviertes Crossover oder, um es in der Sprache ihrer Autoren zu formulieren, in eine „Musique sérieuse sans gravité“ einmündete. Mit Harfen-Clustern einerseits und jazzig schrillen Einwürfen der Bläser auf der anderen Seite schäumten die von den Streichern in mitreißendem Walzertakt angefachten „Valses nobles et sentimentales“ von Maurice Ravel. Und nach der Konzertpause gelang es Wallinger und seinem Orchester, das bereits verwöhnte Publikum mit Darius Milhauds bizarrer, in vielerlei Hinsicht lustig verquerer Ballet-Suite „Le Boeuf sur le toit“ (op.58) zu begeistern. Das muss man sich vorstellen: Die Musiker ließen nicht nur die Puppen“, sondern einen „Ochsen auf dem Dach“ in südamerikanisch hitzigen Tango-Rhythmen tanzen. Ein komödiantisch befeuertes, in scheinbar „falschen“ Tönen lärmendes Musik-Fest der Extraklasse.

Eckehard Uhlig

06.12.2011, Bietigheimer Zeitung

Ein französischer Abend

"Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim" zu Gast im Kronenzentrum. Schillernde Klangfarben erfreuten die Besucher des Konzerts der "Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim" am Sonntagnachmittag im nur halbvollen Kronensaal. Der Titel lautete "à la francaise".

So fröhlich und locker hörte man die "Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim" noch nie musizieren. Schon mit "Valses nobles et sentimentales" wurde dieser Eindruck vom ersten Takt an bestätigt. Acht in den Stimmungen unterschiedliche Stücke im Dreivierteltakt hatte der Komponist 1911 geschrieben. Auf einen furiosen Auftakt mit einem keineswegs gemütlichen Walzer folgten Episoden, die wie ein kurzes, hell flackernd aufleuchtendes Blitzlicht durch den Raum zuckten. Sie waren mal, wie der Titel besagt "nobel", dann wieder vital beschwingt, aber auch überaus empfindungsreich oder sehnsuchtsvoll. Orchesterleiter Peter Wallinger hielt, entgegen sonst weitläufig verbreitetem Brauch, zwischen den Sätzen kurze Pausen ein. Damit erreichte er eine wundervolle Transparenz der Komposition, welche die "Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim" mit enormem Schwung nuanciert und leichthin fließend ausführte.
Das Konzert für Klarinette und Orchester von Jean Francais erschien für den hinreißend musizierenden Solisten des Abends, den 25-jährigen Klarinetten-Virtuosen Sebastian Manz, wie auf den Leib geschrieben.
Im Jahr 1967 war das technisch sehr anspruchsvolle Werk uraufgeführt worden. In der Tat verlangte die Ausführung des Soloparts geradezu akrobatisches Können, und eben dies vermochte der junge Ausnahmemusiker auf faszinierende Weise hörbar zu machen. Auf ein keckes, burleskes Allegro, in welchem Sebastian Manz seine überragende Virtuosität erstmals glanzvoll ausbreiten konnte, folgte ein rhythmisch pointiertes Scherzando, in das Jean Francais allen erdenklichen musikalischen Witz verpackte. Verträumte Melodik prägte das Andantino, in dem auch der Solist mit zart intoniertem Spiel im Duett mit der Flöte empfindsame Lyrik verbreitete. Sprudelnde Klangkaskaden rissen im Allegrissimo den ohnehin mit pantomimischem Körpereinsatz musizierenden Sebastian Manz offensichtlich mit, so dass er ein bunt glitzerndes Brillantfeuerwerk auf der Klarinette mit unübertrefflicher Bravour ausführte. Das riss die Konzertbesucher förmlich von ihren Sitzen, wie der jubelnde Beifall bewies, für den sich der sympathische Musiker mit einem nicht minder virtuos dargebotenen Solostück für Klarinette von Igor Strawinsky bedankte.
Um den musikalischen Humor auf die Spitze zu treiben, entlockte Peter Wallinger seinen Musikern emotionale und lodernde Musizierfreude bei der Aufführung einer Komposition von Darius Milhaud mit dem Titel "Le Boeuf sur le Toit" (Der Ochse auf dem Dach), Opus 58. Das nur etwa 20 Minuten dauernde, 1919 geschriebene, scherzoähnliche Stück basiert auf einem brasilianischen Volkslied. Südamerikanische Folklore und Rhythmik bestimmten das Werk, das die "Süddeutsche Kammersinfonie" rasant, temperamentvoll und regelrecht übermütig ausführte. Darius Milhaud ließ es in seiner glutvollen Komposition manchmal auch reichlich schräg klingen, aber genau dies machte deren spezifischen Reiz für die Ohren der Zuhörer aus. Eine Tango-Passage aus dem Ochsen auf dem Dach erklang noch als Zugabe.

RUDOLF WESNER

Bietigheimer Zeitung

Geträumte Reise in echter Kutsche

Musiktheaterstück "Felix und Fanny auf Reisen" wurde sechs Mal in der Kelter gespielt. Leben und Werke von bedeutenden Komponisten Kindern im Grundschulalter näher bringen, wollen das Kulturamt der Stadt und die Süddeutsche Kammersinfonie mit dem Musiktheaterstück "Felix und Fanny auf Reisen". Von Montag bis gestern wurde das quicklebendig inszenierte Stück in der Bietigheimer Kelter gespielt. Zu jeder Vorstellung mit 200 Plätzen kamen Grundschulklassen aus dem gesamten Stadtgebiet.

Die Jungen und Mädchen verfolgten stets beachtlich konzentriert die Handlung, in der es um eine geträumte Reise des Komponisten Felix Mendelssohn-Bartholdy (1809 bis 1847) und seiner ebenfalls inzwischen als Komponistin anerkannten Schwester Fanny (1805 bis 1847) ging. In Wirklichkeit waren die beiden niemals gemeinsam verreist. Ein Streichquartett, bestehend aus Mitgliedern der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim - Sachiko Kobayashi und Matthias Neundorf (Violinen), Tomoko Yamasaki (Viola) und Chihiro Saito (Violoncello) - musizierte klangprächtig die von Orchesterleiter Peter Wallinger sorgsam ausgewählten Werke von Mendelssohn-Bartholdy. Auch Lieder von Fanny Mendelssohn-Hensel waren zu hören, mit hellem, geschmeidigen Sopran von Jeanette Wernecke gesungen. In dem Stück "Felix und Fanny auf Reisen", dessen Texte weitestgehend aus Briefen des Komponisten entnommen waren, wurde erzählt, dass der von seiner Tagesarbeit als Dirigent und Programmchef der Sonntagskonzerte in Leipzig völlig überlastete Felix Mendelssohn-Bartholdy beschloss, einfach zu verreisen, weil er zu Hause weder Ideen noch Zeit für das Komponieren fand. Dazu stand eine richtige Reisekutsche, von einem Kölner Bühnenbauer nach Originalvorlagen gebaut und für den Transport zu den verschiedenen Spielstätten auch vollständig zerlegbar konstruiert, auf der Bühne in der Kelter. Die Kinder sahen sich dieses historische Gefährt mit großem Erstaunen an und zwei von ihnen, Myriam und Alessandro, durften in einer Szene sogar darin einsteigen. Doch im Moment der Abreise erschienen noch die Quartettmitglieder und Schwester Fanny. Sie wurden kurz entschlossen mitgenommen. Reiseziel sollte eigentlich Konstantinopel in der Türkei sein, doch in Wirklichkeit führte die Kutschfahrt durch die Schweiz, durch Venedig und Paris, über London bis nach Schottland. Die ausgewählten Musikbeispiele illustrierten die Handlung eindrucksvoll, denn bei allen seinen Reisen nahm der Romantiker Felix Mendelsohn-Bartholdy vielfarbige Eindrücke auf, die sich in seinen Kompositionen wiederspiegeln. Die Kinder erfuhren beispielsweise etwas von dem "Schweizer Lied", das in einer Sinfonie anklingt, oder von der geheimnisvollen Landschaft Schottlands. Auch Stücke aus der Musik zu Shakespeares "Sommernachtstraum" wurden gespielt und von Schauspieler Jörg Schade, der mit viel Temperament und auch ausgesprochen komödiantisch den Komponisten verkörperte, für die Kinder klar verständlich erklärt. Sehr geschickt bezog er sie mit ein, indem er ihnen Fragen stellte, und dabei bewiesen die Sechs- bis Zehnjährigen erstaunlich gute geografische Kenntnisse. Die Entstehung des berühmten Liedes "Leise zieht durch mein Gemüt" nach dem Gedicht von Heinrich Heine konnten die kleinen Zuschauer miterleben und gemeinsam die Melodie mitsingen. Dabei zeigte sich allerdings, dass die meisten Grundschulkinder das gemeinsame Singen offenbar kaum noch gewohnt sind, denn, so meinte jedenfalls Peter Wallinger, selbst viele Jahre lang als Musikerzieher am Ellental-Gymnasium tätig gewesen, in einigen Vorstellungen klang der Gesang eher dünn. Neben Jörg Schade war es die fantasievoll im Stil des frühen 19. Jahrhunderts gekleidete Schauspielerin und Sängerin Jeanette Wernecke, die ihre Rolle als Fanny fröhlich und immer auch ein wenig kapriziös gestaltete. Das Duo bot den Kindern und den begleitenden Erwachsenen eine spannungsreiche, unterhaltsame, selbstverständlich auch lehrreiche Handlung, mit der es gelang, die beiden historischen Figuren aus der Musikwelt sehr anschaulich vorzustellen.

Rudolf Wesner

15.11.2011, Ludwigsburger Kreiszeitung

Mit Felix und Fanny auf Reisen

Musiktheater für Schüler über den Komponisten Mendelssohn Bartholdy Auf eine musikalische Reise begeben sich bis Mittwoch, täglich zweimal, die Grundschüler der Stadt. In sechs Aufführungen erleben sie „Felix und Fanny auf Reisen“, ein Musiktheater über den Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy.

Gespannte Aufmerksamkeit in der Kelter: Aufgeweckte Jungen und Mädchen, die voll dabei sind und die auf Fragen prompt antworten. Gestern fanden die ersten beiden von sechs Aufführungen des Musiktheaters „Felix und Fanny auf Reisen“ statt. Das städtische Kulturamt hat in Zusammenarbeit mit der Süddeutschen Kammersinfonie von Peter Wallinger, das Stück auf die Bühne der Kelter geholt.

Musik für Grundschüler
Zum wiederholten Male erleben die Grundschüler der Stadt so ein Musiktheater, bei dem sie mitwirken können. Jörg Schade, der das Stück zusammen mit Franz-Georg Stähling geschrieben hat, ist als Felix auf der Bühne zu sehen. Jeanette Wernecke spielt und singt als Fanny zur Musik des Lotus String Quartetts. Ulas Aktas hat das Gastspiel in Bietigheim, wie in den vergangenen Jahren organisiert. In dem einstündigen Stück begibt sich Felix Mendelssohn Bartholdy zusammen mit seiner Schwester Fanny auf eine abenteuerliche Reise zu seinen wichtigsten Lebensorten. Unterwegs gibt es viel Musik, denn überall, wo die beiden vorbeikommen, erinnert sich Felix an seine Kompositionen. Und dazu singt seine Schwester Fanny ganz bezaubernd. Das Stück gibt einen gekonnten Einblick in Leben und Werk des Komponisten und entführt die Kinder dabei in die Welt der klassischen Musik. Nur das Ziel dieser Reise ist zunächst nicht klar. Afrika, da wollte Felix schon immer einmal hin! Aber wo liegt das? Fahren sie überhaupt in die richtige Richtung? Ein alter Reiseführer vom Flohmarkt scheint da auch keine große Hilfe zu sein.

Reise durch Europa
Felix und Fanny und die Musiker erleben dennoch eine Reise durch die Schweiz, Italien, England und Schottland, bis sie schließlich wieder in Leipzig ankommen. Auf einfühlsame Weise wollen Musiker und Schauspieler das junge Publikum in die Welt der klassischen Musik entführen und die Kinder in die Handlung der Aufführung mit einbeziehen. Musik wird erlebt. Peter Wallinger hat das junge Publikum beobachtet und ist zufrieden.

Alfred Drossel

29.10.2011, Ludwigsburger Kreiszeitung

Alte Bekannte spielen "Die Jahreszeiten"

Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim im Louis-Bührer-Saal. Nicht weit von Ludwigsburg entfernt, in Bietigheim, hat die Geschichte Ihren Anfang genommen. Seit 27 Jahren wird sie erzählt, oder besser, erzählt sich immer wieder selber, in der Sprache der Musik. Die Rede ist von der Entstehung des inzwischen weit über die Grenzen der Region hinaus bekannten Orchesters Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim, das ihr Dirigent Peter Wallinger 1984 gründete und bis heute künstlerisch leitet.

Das tat er auch gestern Abend, im voll besetzten Louis-Bührer-Saal der Ludwigsburger Kreissparkasse. Beim betörenden Klassik-Konzert, "Die Jahreszeiten", das Kompositionen aus vier Jahrhunderten zu Gehör brachte. "Wir sind heute Abend privilegiert", begrüßte Dr. Heinz-Werner Schulte die 350 Zuhörer, "denn für uns spielt ein außergewöhnliches Orchester, unter der Leitung eines außergewöhnlichen Dirigenten, in Begleitung der nicht minder außergewöhnlichen und in Ludwigsburg geborenen Geigenvirtuosin Ursula Schoch." Er freue sich, so der Vorstandsvorsitzende, selber sehr auf das Konzert. "Wir werden uns von herausragenden Musikern durch die Jahreszeiten führen lassen." In seiner Begrüßung erzählte Schulte kurz die Entstehungsgeschichte der "alten Bekannten", die sich alle einst am Bietigheimer Ellental-Gymnasium kennengelernt hatten. Dort arbeitete Pater Wallinger als Mathe- und Musiklehrer. Aus Wallingers Brotberuf wurde die berühmte Berufung und er Initiator und Dirigent der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim. Viele seiner ehemaligen Schüler sind Berufsmusiker geworden. Wollten aber weiterhin mit dem Maestro aus gemeinsamen Schultagen musizieren. Genau das taten sie auch, tun es noch, erfolgreich, hoch anerkannt. Viele Einspielungen dokumentieren das beeindruckend. Orchester, Dirigent und die international renommierte Geigen-Virtuosin Ursula Schoch haben zusammen schon zahlreiche Werke auf CD aufgenommen, sind im wahrsten Sinne gut aufeinander eingespielt. Die "alten Bekannten" aus Bietigheimer Tagen faszinieren ihr Publikum mit Konzerten voller Hingabe. Und erspielen Interpretationen, die in vermeintlich gut bekannten Kompositionen dem Zuhörer das Neue entdecken. Das gelang auch gestern Abend. Zur Aufführung kamen Werke von Antonio Vivaldi, Edvard Grieg, Arvo Pärt und Peter Iljitsch Tschaikowsky. Vorgetragen mit hoher Werk-Empathie und der Fähigkeit, neue Akzente zu setzen. In der Tat, sie waren privilegiert, die vielen Klassikfreunde. Nicht nur wegen der Zugabe.

31.10.2011, Bietigheimer Zeitung

Violinistin und Streichorchester entfalten Klangzauber

Ursula Schoch musizierte im Louis-Bührer-Saal der Kreissparkasse mit der "sueddeutschen kammersinfonie bietigheim". Einen musikalischen Streifzug durch die Jahreszeiten boten die "sueddeutsche kammersintonie bietigheim" unter Leitung von Peter Wallinger und Geigerin Ursula Schoch bei einem Konzert im Louis-Bührer-Saal. In seiner Begrüßung bezeichnete der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Ludwigsburg, Heinz-Werner Schulte, die beeindruckende Entwicklung der "sueddeutschen kammersinfonie bietigheim" seit ihrer Gründung vor jetzt mehr als 25 Jahren bis in die Gegenwart als "eine Erfolgsgeschichte ohnegleichen". Auch die seit ihrer Zeit als Schülerin am Ellental-Gymnasium in Bietigheim-Bissingen bestehende enge künstlerische Verbindung der Sollstin des Abends, Ursula Schoch, mit ihrem einstigen Musikerzieher und Gründer des Orchesters Peter Wallinger sei einzigartig, meinte der Bankchef. Heute ist die in Ludwigsburg geborene und in Sachsenheim aufgewachsene Musikerin als Konzertmeisterin beim weltweit anerkannten Concertgebouw Orkestra Amsterdam tätig.

Aus dem Zyklus "Die vier Jahreszeiten" von Antonio Vivaldi gestalteten das Kammerorchester und Ursula Schoch zu Beginn und am Ende des Programms die Konzerte "Der Herbst" und "Der Winter". Von Anfang an bestach die Violinvirtuosin mit ihrem leichten, fließenden Bogenstrich, mit dem sie glitzernde Klangkaskaden hören ließ. Dabei wurde sie vom Orchester in wohliger Wärme begleitet. Doch auch die freudige Grundstimmung in den beiden Allegro-Sätzen des Konzerts "Der Herbst" breitete sie mit Elan aus. Im Kontrast dazu stand das Adagio, dessen Soli von Ursula Schoch sensibel und beseelt ausgeführt wurden. Ähnlich bravourös und überaus delikat interpretierte sie auch ihren Solopart. Im Konzert "Der Winter", welcher der Künstlerin in noch weitaus ausgedehnterem Maße Gelegenheit gab, den Farbenreichtum des Werks auszuloten. Eine anrührende nordische Sphärenmusik ist die Komposition "Vären" (letzter Frühling), wie diese von Edvard Grieg geschrieben wurde und in seinem Zyklus "Elegische Melodien", Opus 34, enthalten ist. Hier verzauberte das Streichorchester die Zuhörer mit silbrig hellem Klang und empfindungsreicher Gestaltung. Von dem zeitgenössischen Komponisten aus Estland, Arvo Pärt, den Peter Wallinger ganz besonders schätzt, führten Kammersinfonie und Ursula Schoch ein Werk mit dem Titel "Fratres" auf. Das ist eine weltentrückt und verinnerlicht wirkende Komposition, in der die Solistin in besonderer Weise anspruchsvolles virtuoses Spiel darbieten konnte. Der Ausdruck des Stücks nahm stetig an Intensität zu, führte zu einem eindringlich gestalteten Höhepunkt und versank wieder in meditativer Stille. Das Orchester begeisterte in seiner Begleitung erneut mit seidigem Klangzauber. Auch Peter Iljitsch Tschaikowsky schrieb einen Zyklus "Die Jahreszeiten", Opus 37 a, aus welchem die Kammersinfonie drei Sätze, welche die Monate April, Juni und Dezember charakterisierten, ausführte. Der Walzer erklang in elegant dahinschwebender Beschwingthelt, die Sätze "Schneeglücken" oder "Barkarole" wurden als kleine musikalische Köstlichkelten mit feinstimmiger Klangfülle gespielt. Für den anhaltenden Applaus bedankten sich Ursula Schoch und Peter Wallinger mit seinem Orchester mit einem Auszug aus dem Largo des Vivaldi-Konzerts "Der Winter" als Zugabe.

Rudolf Wesner

31.10.2011, Pforzheimer Zeitung

Zum Start ein Klassiker

„Mühlacker Concerto“ eröffnet die Saison herbstlich. Vivaldis „Herbst“ und „Winter“ erklingen in der Historischen Kelter. Ötisheim. Erfrischendes Musizieren ist man von Peter Wallinger und seiner „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ gewohnt. Und auch die Solo-Auftritte der exzellenten Geigerin Ursula Schoch, Konzertmeisterin beim Amsterdamer Concertgebouw-Orchester, gehören zu seinen Musikprogrammen. Diesmal eröffnete die „Mühlacker Concerto“-Reihe in der ausverkauften Historischen Kelter Ötisheim mit einem barocken Klassiker-Hit, der schon mehrere Geiger(innen) berühmt gemacht hat: Antonio Vivaldis „Der Herbst“ und „Der Winter“ (aus „Die Vier Jahreszeiten“ op.8) umrahmte (auch titelgebend) das kurzweilige Konzert. Unter Wallingers motivierender Leitung wählten das Ensemble und Ursula Schoch für ihre Interpretation eine sinnfällige Mischung aus ruhiger Gelassenheit und expressivem Temperament. Wenig war zu sehen und zu hören von den gravitätischen Allüren, wie man sie etwa von Anne-Sophie Mutter kennt. Auch die Rabiatheiten eines Nigel Kennedy oder gar die vibratolos-rauhe Klangsprache der „Originalisten“ – Fehlanzeige. Herbst und Winter ereigneten sich in der einladend restaurierten Kelter als erzählende Bilder mit fein differenzierten musikalischen Farben und Formen.

Stimmungsvolle Poesie Faszinierend dabei der glanzvoll durchgearbeitete, entweder konturscharf klare oder sinnlich weich gleitende Ton der Solistin: technisch virtuos, aber jederzeit kontrolliert die Tempo-Läufe der „Allegro“-Sätze; getragen von stimmungsvoller Poesie die betörend schön ausgesungenen Kantilenen im „Largo“ des Winters. Weniger hitverdächtig ein dafür umso originelleres Stück: die Wiedergabe der „Fratres“ für Solo-Violine, Streichorchester und Schlagzeug von Arvo Pärt fügte sich zu einem Klanggemälde der starken Kontraste. Da gab es zarte Violin-Cluster und in unglaubliche Flageolett-Höhen entfliehende Töne. Oder kraftvoll-rasante Doppelgriffpassagen über Streicher-Teppichen, dazu Bordun-Bässe und dumpfe Schlagwerkakzente. Schließlich sorgte Edvard Griegs Komposition „Varen – Letzter Frühling“ (aus op. 34), die vom Orchester mit Spielfreude zelebriert wurde, für romantisch-elegische Melodien. Auch luden die Bietigheimer mit Peter Iljitsch Tschaikowsky zu Walzertakt und allerlei jahreszeitlichen Reigen ein („Dezember“, „Schneeglöckchen“ und „Barkarole“ aus „Die Jahreszeiten“, op.37a).

Eckehard Uhlig

05.11.2011, Vaihinger Tageszeitung

Mit fließendem Bogenstrich einen Klangzauber entfaltet

Ursula Schoch musizierte im Louis-Bührer-Saal Ludwigsburg und in Ötisheim mit der "sueddeutschen kammersinfonie". Auf einem musikalischen Streifzug durch die Jahreszeiten begleiteten die "sueddeutsche kammersinfonie bietigheim" unter der Leitung von Peter Wallinger und die Geigerin Ursula Schoch die Besucher des Konzerts "Forum Musik" der Kreissparkasse im Louis-Bührer-Saal. Dasselbe Programm war auch in der Alten Kelter in Ötisheim zu hören.

In seiner Begrüßung bezeichnete der Vorstandsvorsitzende der Kreissparkasse Ludwigsburg, Heinz-Werner Schulte, die beeindruckende Entwicklung der "sueddeutschen kammersinfonie bietigheim" seit ihrer Gründung vor jetzt mehr als 25 Jahren bis in die Gegenwart als "eine Erfolgsgeschichte ohnegleichen". Auch die seit der Zeit als Schülerin am Ellental-Gymnasium in Bietigheim-Bissingen bestehende enge künstlerische Verbindung der Solistin des Abends, Ursula Schoch, mit ihrem einstigen Musikerzieher und Gründer des Orchesters Peter Wallinger, sei einzigartig, meinte der Bankchef. Heute ist die in Sachsenheim aufgewachsene Musikerin als Konzertmeisterin beim weltweit anerkannten Concertgebouw Orkestra Amsterdam tätig. Aus dem Zyklus "Die vier Jahreszeiten" von Antonio Vivaldi gestalteten die "sueddeutsche kammersinfonie bietigheim" und Ursula Schoch zu Beginn und am Ende des Programms die Konzerte "Der Herbst" und "Der Winter". Von Anfang an bestach die Violinvirtuosin mit ihrem leichten, fließenden Bogenstrich, mit dem sie glitzernde Klangkaskaden hören ließ. Dabei wurde sie vom Orchester in wohliger Wärme begleitetet. Doch auch die freudige Grundstimmung in den beiden Allegro-Sätzen des Konzerts "Der Herbst" breiteten die Musikerinnen und Musiker mit Elan aus. Im Kontrast dazu stand das Adagio, dessen Soli von Ursula Schoch sensibel und beseelt ausgeführt wurden. Ähnlich bravourös und überaus delikat interpretierte sie auch ihren Solopart im Konzert "Der Winter", welcher der Künstlerin in noch weitaus ausgedehnterem Maße Gelegenheit gab, mit hoher Virtuosität den Farbenreichtum des Werks auszuloten. Die "sueddeutsche kammersinfonie bietigheim" trug mit schillernder Streicherpracht und energiegeladenem Spiel dazu nachhaltig bei, dass das Konzert im Louis-Bührer-Saal mit einem höchst genussvollen Finale ausklang. Eine anrührende nordische Sphärenmusik ist die Komposition "Vären" (Letzter Frühling), wie diese von Edvard Grieg geschrieben wurde und in seinem Zyklus "Elegische Melodien", Opus 34, enthalten ist. Hier verzauberte das Streichorchester die Zuhörer mit silbrig hellem Klang und empfindungsreicher Gestaltung. Von dem zeitgenössischen Komponisten aus Estland, Arvo Pärt, den Peter Wallinger ganz besonders schätzt, führten die "sueddeutsche kammersinfonie bietigheim" und Ursula Schoch ein Werk mit dem Titel "Fratres" auf. Das ist eine weltentrückt und verinnerlicht wirkende Komposition, in der die Solistin in besonderer Weise anspruchsvolles virtuoses Spiel darbieten konnte. Der Ausdruck des Stücks nahm stetig an Intensität zu, führte zu einem eindringlich gestalteten Höhepunkt und versank wieder in meditativer Stille. Das Orchester begeisterte mit seidigem Klangzauber. Auch Peter lljitsch Tschaikowsky schrieb einen Zyklus "Die Jahreszeiten", Opus 37 a, aus welchem die "sueddeutsche kammersinfonie bietigheim" drei Sätze, welche die Monate April, Juni und Dezember charakterisierten, ausführte. Den Walzer erklang in elegant dahinschwebender Beschwingtheit, die Sätze "Schneeglücken" oder "Barkarole" wurden als kleine musikalische Köstlichkeiten mit feinstimmiger Klangfülle gespielt. Für den anhaltenden Applaus bedankten sich Ursula Schoch und das Orchester in Ludwigsburg mit einem Auszug aus dem Largo des Vivaldi-Konzerts "Der Winter" als Zugabe.

Rudolf Wesner

02.11.2011, Mühlacker Tagblatt

Musikalische Reise durch den Kalender

Reihe „Mühlacker Concerto“ ist mit einem Programm zum Thema Jahreszeiten zu Gast in der Ötisheimer Kelter. Es dauert noch ein knappes Vierteljahr, ehe wieder im Uhlandbau die Mühlacker Concerti erklingen können. Bis dahin hat die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter ihrem Dirigenten Peter Wallinger in der historischen Kelter in Ötisheim eine Spielstätte gefunden, wo das Publikum ein anspruchsvolles Programm serviert bekam.

Ötisheim. Moderne Architektur mit historischen Wurzeln auf einen stimmigen Nenner gebracht – so ließe sich in etwa auch das Programm des Abends umreißen. Die Solovioline spielte die Konzertmeisterin des Königlichen Concertgebouw-Orchesters Amsterdam Ursula Schoch, die in der Region bestens bekannt und geschätzt ist und sich großer Beliebtheit erfreut. Welchem Klassikfan sind sie nicht vertraut, die „Vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi? Mit vier Violinkonzerten mit den Titeln Frühling, Sommer, Herbst und Winter durchwandert der Barockkomponist das Jahr in stimmungsvollen Wechseln, indem er lautmalerisch in Tongemälden den sprießenden Frühling, den heiteren Sommer, einen segensreichen Herbst und den eisigen Winter nachzeichnet. Passend zum derzeitig sonnigen Oktober eröffnete der „Tanz der Landleute“ aus dem Herbstkonzert den Abend. Orchester und Solistin gewannen an harmonischem Zusammenspiel, ehe sie mit dem Andante aus den Elegischen Melodien opus 34 von Edvard Grieg die andächtig lauschenden Zuhörer auf einer breiten Woge musikalischen Wohlklangs in Thors Reich davontrugen. „Varen – letzter Frühling“ hatte der norwegische Komponist diesen Satz genannt. Zeichnet man die Konzertfolge als zeitliche Kurve nach, so beginnt diese im Barockzeitalter, steigt mit Grieg ins 19. Jahrhundert an, erreicht mit einem Violin-Solokonzert des noch lebenden estnischen Komponisten Arvo Pärt den Gipfel, kehrt mit dem Walzer „Dezember“ und dem „Schneeglöckchen“ im April und einer Juni-Barcarole von Tschaikowsky ins 19. Jahrhundert zurück und endete mit einer nun souverän aufspielenden Ursula Schoch wiederum im Barock mit Vivaldis „Der Winter“. In allen Zeitläufen hat der Gang des Jahres Komponisten bewegt. Wie unterschiedlich sie sich in Stil und Ausdruck damit auseinandersetzten, erlebten die Zuhörer an diesem Abend durch überzeugende und gelungene Interpretationen von Orchester und Solistin. Nicht in den Jahresablauf hineinzupassen schien das Konzert von Arvo Pärt für Solovioline, Orchester und Schlagzeug. Einen Moment der Stille im Zentrum des Programms zu gestalten, hatte sich Dirigent Peter Wallinger vorgenommen. Pärt, einer der meistgespielten zeitgenössischen Komponisten, wurde vielfach ausgezeichnet. In der Begründung für die Verleihung des Internationalen Brückepreises heißt es unter anderem: „Sein Werk macht das menschliche Grundbedürfnis nach einer Verbindung von Ästhetik, Ethik und Spiritualität, die in unserer überwiegend säkularisierten Gesellschaft so oft der Politik und der Ökonomie untergeordnet werden, deutlich und erlebbar.“ Pärt selbst erklärt seine Musik so: „Ich habe entdeckt, dass es genügt, wenn ein einziger Ton schön gespielt wird. Dieser Ton, die Stille oder das Schweigen beruhigen mich.“ Er strebt in seiner fast ausschließlich religiös motivierten Musik nach einem Ideal der Einfachheit. Einfache Harmonien, meist Dreiklänge und überlagernde Tonleitern bestimmen seine rhythmisch bewusst einfach gehaltenen Kompositionen (Quelle: Wikipedia). Nun, einfach klang es in den Ohren der Zuhörer nicht, als die „Fratres“ ein sehr genaues Hinhören forderten. Das Werk bringe die Menschen zurück zu ihren Ursprüngen, heißt es. Eingebettet zwischen Griegs Andante und dem Tschaikowsky-Walzer mahnten die Interpreten eine Auseinandersetzung mit dem „einfachen Klang“ an, der durchaus mit Dissonanzen aufschreckt und wachrüttelt. „Ist das jetzt meine Musik“, lautete so manche Frage. „Die Kammersinfonie lässt immer wieder mit interessanten und anregenden Programmkonzeptionen aufhorchen“, ist eine der Prämissen für Wallingers intensive Orchesterarbeit der letzten 27 Jahre. Ohne Zugabe durften die Musiker und die Solistin ihre Instrumente nicht einpacken. Großer Applaus begleitete Schoch und Wallinger, als die Begeisterung der 200 Zuhörer – das Konzert war ausverkauft – sie wiederholt aufs Podium führte. Beim nächsten Mühlacker Concerto am 3. Dezember, nochmals in der Ötisheimer Kelter, heißt es „à la francaise“ – ein Programm, das nur so sprüht von Originalität, verspricht Peter Wallinger schon jetzt.

Eva Filitz

12.07.2011, Mühlacker Tagblatt

Helle Streicherpracht

Ihren edlen, stets ausgewogenen Streicherklang breitete am Sonntagvormittag in der Frauenkirche von Lienzingen die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger aus. Damit wurde die Reihe „Musikalischer Sommer“ sehr klangvoll und qualitätsreich fortgeführt.

Der erste Teil stand unter dem Titel „Freundschaft mit Japan“, der an diesem Wochenende eine besonders aktuelle Bedeutung hatte. Zwei japanische Cellisten interpretierten meisterhaft die Solopartien in Werken von Antonio Vivaldi und Georg Friedrich Händel. Die Cellistin Chihiro Saito und ihr Landsmann Gen Yokosaka entfalteten in Vivaldis Konzert g-moll für zwei Violoncelli und Orchester vom ersten Takt an kraftvolles Spiel und verströmten auf ihren Instrumenten warmen Wohlklang. Im Allegro boten sie dynamische Steigerungen der Intensität in ihrer interpretatorischen Gestaltung, beglückten mit delikater Ausführung der melodiösen Passagen des Largos und ließen ein spannungsreiches Allegro hören, das sie mit von Energie angetriebenem Tempo spielten. Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim begleitete in anmutiger Klangfrische. Als Zwischenspiel führte das Orchester ein sakral wirkendes Werk von Arvo Pärt auf. Sehr besinnlich und voller Andacht dargeboten, konnte es als musikalisches Gebet empfunden werden.

Das Konzert g-moll für zwei Violoncelli und Orchester von Georg Friedrich Händel erlebte durch die beiden Cellisten aus Japan eine farbenreiche Ausführung. Dank des verhaltenen Tempos konnte das einleitende Grave seine meditative Wirkung ausbreiten. Im lebhaften Kontrast dazu musizierten Chihiro Saito und Gen Yokosaka, von der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim in heller Streicherpracht begleitet, das Allegro voller barocker Opulenz, wobei sie mit ihrer hochrangigen Virtuosität beeindruckten. Der Schlusssatz, eine Fuge, wurde von Solisten und Orchester transparent und klar gegliedert als brillantes Finale aufgeführt.

Von Wolfgang Amadeus Mozart stand mit Adagio und Fuge, KV 546, eine Komposition auf dem Programm, die in der Darbietung durch die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim von erhabenem Ausdruck in der langsamen Introduktion zu einem dichten Klanggeflecht emporwuchs. Die populäre Serenade in C-Dur, Opus 48, von Peter Iljitsch Tschaikowsky war jedoch der vollendete Höhepunkt des Konzerts, denn hier bewies Peter Wallinger, dass er im Lauf der Jahre seine Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim im Klangvolumen und in der Dichte ihrer Gestaltungskraft auf eine vergleichbare Ebene mit anderen in unserem Land hohes Ansehen genießenden Kammerorchestern emporheben konnte. Die vier Sätze erklangen voller Farbe, in wechselnden Stimmungen und doch immer wieder angereichert mit emotionaler Musizierfreude. Ganz besonders glutvoll und bravourös erklang dabei das Finale mit dem russischen Tanzthema.

Rudolf Wesner

11.07.2011, Bietigheimer Zeitung

Kraftvoll, dann wieder delikat

Edlen Streicherklang breitete am Samstag im Kulturhaus die Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim aus. Der erste Teil stand unter dem Titel "Freundschaft mit Japan", der an diesem Abend eine besondere Bedeutung hatte. Zwei japanische Cellisten interpretierten meisterhaft die Solopartien zunächst in einem Werk von Antonio Vivaldi, danach von Georg Friedrich Händel. Die Cellistin Chihiro Saito und ihr Landsmann Gen Yokosaka entfalteten im Konzert g-moll für zwei Violoncelli und Orchester von Antonio Vivaldi vom ersten Takt kraftvolles Spiel und verströmten auf ihren Instrumenten warmen Wohlklang. Im Allegro boten sie dynamische Steigerungen der Intensität in ihrer interpretatorischen Gestaltung, beglückten mit delikater Ausführung der kantablen Passagen des Largos und ließen ein spannungsreiches Allegro hören.

Als Zwischenspiel führte das Orchester unter der Leitung von Peter Wallinger ein sakral wirkendes Werk von Arvo Pärt mit dem Titel "Silouans Song" auf. Sehr besinnlich dargeboten konnte es als ein mit Streicherfülle ausgeführtes musikalisches Gebet empfunden werden.

Das Konzert g-moll für zwei Violoncelli und Orchester von Georg Friedrich Händel erlebte durch die beiden hochkarätigen Cellisten aus Japan eine überaus farbenreiche Ausführung. Das einleitende Grave konnte dank des zutreffend gewählten verhaltenen Tempos seine meditative Wirkung ausbreiten. Im lebhaften Kontrast dazu musizierten Chihiro Saito und Gen Yokosaka, von der Sueddeutschen Kammersinfonie in heller Streicherpracht begleitet, das Allegro voller barocker Opulenz, wobei sie mit ihrer hochrangigen Virtuosität einmal mehr beeindruckten. Der Schlusssatz, eine Fuge, wurde von Solisten und Orchester transparent und klar gegliedert als brillantes Finale aufgeführt

Von Wolfgang Amadeus Mozart stand mit Adagio und Fuge KV 546 eine Komposition auf dem Programm, die in der Darbietung zu einem dichten Klanggeflecht emporwuchs.

Die Serenade in C-Dur Opus 48 von Peter Iljitsch Tschaikowsky war jedoch der Höhepunkt des Abends, denn hier bewies Peter Wallinger, dass er im Lauf der Jahre seine Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim im Klangvolumen und in der Dichte ihrer Gestaltungskraft auf eine vergleichbare Ebene mit anderen in unserem Land hohes Ansehen genießenden Kammerorchestern entwickeln konnte. Die vier Sätze erklangen voller Farbe, in wechselnden Stimmungen und doch immer wieder angereichert mit emotionaler Musizierfreude. Ganz besonders glutvoll und bravourös erklang dabei das Finale mit dem russischen Tanzthema.

Rudolf Wesner

04.04.2011, Pforzheimer Zeitung

„Tête-à-tête“ zweier Hochkaräter

„Leider finden sich im Konzertleben viel zu selten zwei gleichrangige, hochkarätige Solisten für dieses einzigartige Kabinettstück“, schreibt ein Konzertführer, doch Peter Wallinger und seine „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ präsentierten diese Rarität: Wolfgang Amadeus Mozarts Sinfonia Concertante Es-Dur (KV 364) für Violine, Viola und Orchester. Das Werk war als Haupt- und Mittelstück des Saison-Abschlusses der Konzertreihe „MühlackerConcerto“ am vergangenen Samstag in der Pauluskirche der Senderstadt zu hören – zusammen mit der Geigerin und Konzertmeisterin des Amsterdamer Concertgebouw-Orchesters, Ursula Schoch, und dem Viola-Spieler Michael Gieler, der als Solobratschist ebenfalls Mitglied des Concertgebouw ist.

Ein eingespieltes „Tête-à-tête“ zweier Hochkaräter also, die in minutiöser gegenseitiger Feinabstimmung das Doppelkonzert als typischen Mozart ausgestalteten – heiter und fröhlich im Grundcharakter, mit eingeblendeten düsteren, abgründig dunklen Seiten.

In die prächtige, von Hörner- und Oboen-Klängen angereicherte Orchester-Einleitung mit den temperamentvollen Steigerungspassagen fügten sich die Solo-Streicher fast unmerklich ein und entfalteten, aus hoher Lage in ihre ersten Einzeleinsätze absteigend, ein farbenreich brillantes, sich einander ständig imitierendes Spiel. Bis dieser erste Satz („Allegro maestoso“) in eine technisch anspruchsvolle Solisten-Kadenz einmündete, die Mozart für beide Instrumente auskomponiert hat. Das folgende „Andante“ brachte tiefsinnig schwermütige Moll-Stimmungen in den zunächst vorherrschenden Optimismus ein, wobei die Solisten über einem durchdringenden Hörner-Halteton mit melodischer Intensität eine geradezu schmerzhafte Dissonanz ausformulierten. Das Finale bot die vergnüglich und virtuos musizierte, lebhafte „Presto“-Erlösung.

Eingerahmt wurde die bravouröse Mozart-Wiedergabe von Joseph Haydns Sinfonie Nr.6 D-Dur, genannt „Le Matin“, und von Igor Strawinskys „Pulcinella“-Suite für Orchester. Unter Wallingers motivierender Stabführung zeichnete Inspiration und Frische beide Interpretationen aus, so dass sich beim begeisterten Publikum konzertantes Vergnügen einstellte. Bei Haydn trumpfte das Ensemble insbesondere im Einleitungssatz mit munteren Bläser-Einwürfen auf und ließ den programmatischen morgendlichen Sonnenaufgang klangmalerisch nachempfinden, um im zweiten Satz der exzellenten Konzertmeisterin Sachiko Kobayashi solistische Gelegenheiten für fein ausgearbeitete, getragene Melodiebögen zu bieten. In der lustigen Strawinsky-Komposition „Pulcinella“, die der zu allerhand Scherzen aufgelegten venezianischen Commedia dell’Arte-Figur alle Ehre macht, brillierten vor allem die ausgezeichneten Bläsergruppen und der Kontrabass des Bietigheimer Orchesters mit pfiffigen Brechungen, rhythmischen Sprüngen, burlesken Tänzen und brachial lärmenden Akzenten.

Eckehard Uhlig

05.04.2011, Mühlacker Tagblatt

Unbeschwerter Ohrenschmaus

Ein "Konzertantes Vergnügen" kündigte die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim in der Pauluskirche an - und dieses Versprechen löste das Orchester unter der Leitung von Peter Wallinger ohne Einschränkung ein. Dazu trugen auch die Solisten Ursula Schoch und Michael Gieler bei.

Ein eingespieltes „Tête-à-tête“ zweier Hochkaräter also, die in minutiöser gegenseitiger Feinabstimmung das Doppelkonzert als typischen Mozart ausgestalteten – heiter und fröhlich im Grundcharakter, mit eingeblendeten düsteren, abgründig dunklen Seiten.

Mit der Sinfonie Nummer sechs in D-Dur und dem Beinamen "Le Matin" von Joseph Haydn eröffnete die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim vor zahlreichen Zuhörern das Programm mit heiterem, unbeschwertem, in den Dialogen zwischen Streichern und Bläsern ungemein lebendigem und farbenfreudigem Musizieren. Das im Jahr 1761 entstandene viersätzige Werk beschreibt voller Lyrik einen Sonnenaufgang und wirkt insgesamt wie eine musikalische Huldigung der Natur. Doch auch heiter-ländliche, mithin tänzerische Motive klingen darin an, und immer wieder erhalten außer der Ersten Violine auch einzelne weitere Instrumente wie Flöte, Fagott oder Violincello reizvolle solistische Aufgaben. Unter der Leitung von Peter Wallinger entstand damit eine hell leuchtende, facettenreich und transparent gestaltete Aufführung der Komposition.

Den beiden exzellenten Solisten des Abends Ursula Schoch an der Violine und ihrem Kollegen aus dem Concertgebouw Orchestra Amsterdam Michael Gieler an der Viola zuzuhören, war ein weiteres konzertantes Vergnügen. Zusammen mit der glanzvoll und nuancenreich begleitenden Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim gestalteten sie die Sinfonia Concertante Es-Dur, KV 364, von Wolfgang Amadeus Mozart zu einem delikaten Ohrenschmaus. Das Orchester brillierte in dem markanten Auftakt des ersten Satzes, indem es eine dynamische Steigerung des Ausdrucks vollzog. Einmal mehr beglückte Ursula Schoch mit ihrem seidig-schimmernden Geigenspiel und ließ damit eine weitere künstlerische Reifung unüberhörbar erkennen. Ihr zur Seite entfaltete Michael Gieler auf der Viola warmen, wohl ausgewogenen Klang.

Das Solistenpaar bestach mit einem vital ausgeführten Dialog ihrer Instrumente. Das Andante breiteten Ursula Schoch und Michael Gieler beseelt aus und hoben einen stimmungsmäßigen Kontrast im Schlusssatz, einem Presto, hervor, indem sie sich bei straffen, keineswegs jedoch überzogenen Tempi kurze, prägnante Motive übermütig zuwarfen. In den Kadenzen des ersten und zweiten Satzes breiteten die Solisten darüber hinaus ihre überragende Virtuosität aus. Für den lebhaften, mit Bravorufen vermischten Applaus spielten sie noch voller Elan eine Paraphrase für Violine und Viola über die Arie der Königin der Nacht aus Mozarts "Zauberflöte".

Von kammermusikalischen Delikatessen wird Igor Strawinskys Suite für Orchester "Pulcinella" geprägt. Für die Musikerinnen und Musiker der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim unter Peter Wallingers stets die feinen Details einer Komposition auslotenden Leitung war die Aufführung des 1920 uraufgeführten Werks ganz offensichtlich ein künstlerisches Vergnügen. In den neun Sätzen, von denen einige auf den nächsten ohne Pause übergingen und die zum Teil auf Kompositionen des italienischen Barockmeisters Giovanni Battista Pergolesi basieren, konnte das Orchester seine glitzernde Klangpracht entwickeln. Lebhafte Kontraste aus kammermusikalischen Elementen und großem Orchesterunisono sowie rhythmisch akzentuierte Passagen ließen bunt schillernde Farbwirkungen wachsen.

Besonders vergnüglich war die Aufführung des von kompositorischem Witz getragenen Satzes "Vivo", in welchem sich Posaune und Kontrabass zu einem unbeschwerten Duett miteinander verbanden. Dieser Satz wurde als Zugabe noch einmal wiederholt.

Rudolf Wesner

04.04.2011, Ludwigsburger Kreiszeitung

Burlesker Spaß mit Mozart und Pulcinella

Großer Orchesterklang gepaart mit glanzvollen Instrumental- soli von Ursula Schoch und Mi- chael Gieler prägten das Kon- zert der Süddeutschen Kam- mersinfonie Bietigheim. Das Publikum im Kronenzentrum war hingerissen von der mit eleganter Finesse interpretier- ten Sinfonia Concertante in Es-Dur von Mozart und ande- ren Werken.

Die zum Soundtrack des legendären Mozart-Filmes „Amadeus“ gehörende Sinfonia Concertante ist ein Werk mit vielen Facetten. Das von Peter Wallinger dirigierte Orchester erfüllte den Konzertsaal zunächst mit spannungsreichen, raumgreifenden Klängen, bevor die beiden Solisten eine intensiv-melancholische Note hinzufügten. Die in Ludwigsburg geborene und in Sachsenheim aufgewachsene Violinistin Ursula Schoch, die nach dem Abitur am Ellentalgymnasium in Köln Musik studierte und heute international gefragt ist, hatte an diesem Abend ein Heimspiel. Den Erwartungsdruck des Publikums erfüllte sie mühelos in einem hingebungsvollen Duett mit dem Österreicher Michael Gieler an der Viola. Den Mittelteil des berühmten Mozart- Werkes prägten die beiden Solisten mit Seelentiefe und treibender Virtuosität, bevor das Orchester mit einem übermütigen und rasanten Presto schloss.

Die Mozart-Komposition war aber nicht das einzige musikalische Erlebnis, das die renommierte Kammersinfonie unter dem Titel „Konzertantes Vergnügen“ kredenzte. Passend zu diesem sonnigen Wochenende beschrieb das Orchester in der Haydn-Sinfonie „Le Matin“ Morgenstimmung in vollendeter Schönheit. Getragen von den Streichern trillerten Flöten, Holzbläser und Hörner erwachten, die Natur präsentierte sich schließlich in ihrer ganzen Pracht. Besonders gefiel der fast schon intime Dialog von Fagott, Cello und Viola im Mittelteil.

Die Süddeutsche Kammersinfonie ist bekannt dafür, dass sie auch neue, ungewohnte Musik einem breiten Publikum näherbringt. Das gelang mit der Suite „Pulcinella“ von Igor Strawinsky, dessen eigenwillige Kompositionen in den 20er Jahren für Skandale sorgten. Die Suite begann mit kurzen Sequenzen von barocker Klarheit, entwickelte sich aber im weiteren Verlauf zu einem burlesken, theatralischen Geschehen. Kein Wunder, denn Pulcinella ist eine Figur aus der Commedia dell’Arte und so wurde die Suite immer mehr zum heiteren Spaß, der in einem komischen Dialog von Posaune und Kontrabass gipfelte. Die von Verfremdungen und Dissonanzen geprägte Suite setzte die Kammersinfonie der- art souverän und amüsant um, so dass deren Komplexität fast schon in den Hintergrund geriet.

Angelika Baumeister

05.04.2011, Bietigheimer Zeitung

Konzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim mit zwei Solisten

Ein "konzertantes Vergnügen" versprach die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim ihren Zuhörern am Freitag im nur zur Hälfte besetzten Kronensaal und dies hielt das Orchester ohne Einschränkung ein.

Mit der Sinfonie Nummer sechs in D-Dur, die den Beinamen "Le Matin" trägt, von Joseph Haydn eröffnete die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim das Programm mit heiterem, unbeschwertem, in den Dialogen zwischen Streichern und Bläsern ungemein lebendigem und farbenfreudigem Musizieren.

Das im Jahr 1761 entstandene viersätzige Werk beschreibt voller Lyrik einen Sonnenaufgang und wirkt insgesamt wie eine musikalische Huldigung der Natur. Doch auch heiter-ländliche, mithin tänzerische Motive klingen darin an und immer wieder erhalten außer der ersten Violine auch einzelne weitere Instrumente, wie Flöte, Fagott oder Violincello reizvolle solistische Aufgaben. Unter der Leitung von Peter Wallinger entstand damit eine hell leuchtende, fassettenreich und transparent gestaltete Aufführung der Komposition.

Den beiden exzellenten Solisten des Abends, Ursula Schoch an der Violine und ihrem Kollegen aus dem Concertgebouw Orkestra Amsterdam Michael Gieler an der Viola, zuzuhören, war ein weiteres konzertantes Vergnügen. Zusammen mit der glanzvoll und nuancenreich begleitenden Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim gestalteten sie die Sinfonia Concertante Es-Dur, KV 364 von Wolfgang Amadeus Mozart zu einem delikaten Ohrenschmaus. Einmal mehr beglückte Ursula Schoch mit ihrem Spiel. Ihr zur Seite entfaltete Michael Gieler auf der Viola warmen, wohl ausgewogenen Klang. Das Solistenpaar bestach ein ums andere Mal mit einem vital ausgeführten Dialog ihrer Instrumente. Beim Andante hoben Ursula Schoch und Michael Gieler einen stimmungsmäßigen Kontrast im Schlusssatz, einem Presto, hervor, indem sie sich bei straffen, keineswegs jedoch überzogenen Tempi kurze, prägnante Motive übermütig zuwarfen. Für den lebhaften Applaus spielten sie noch eine Paraphrase für Violine und Viola über die Arie der Königin der Nacht aus Mozarts "Zauberflöte". Von kammermusikalischen Delikatessen wird Igor Strawinskys Suite für Orchester "Pulcinella" geprägt. Für die Musiker der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim war die Aufführung des 1920 uraufgeführten Werks ganz offensichtlich ein künstlerisches Vergnügen. In den neun Sätzen, die zum Teil auf Kompositionen des italienischen Barockmeisters Giovanni Battista Pergolesi basieren, konnte das Orchester seine Klangpracht entwickeln. Kontraste aus kammermusikalischen Elementen und Orchesterunisono sowie rhythmisch akzentuierte Passagen schillerten bunt. Besonders vergnüglich war die Aufführung des von kompositorischem Witz getragenen Satzes "Vivo", in welchem sich Posaune und Kontrabass zu einem unbeschwertem Duett miteinander verbanden.

Rudolf Wesner

17.01.2011, Pforzheimer Zeitung

Munter zwitschert die Blockflöte

Kein aufwendiges Ritual, wie es sonst bei solchen Gelegenheiten gern zelebriert wird. Stattdessen fröhliche Leichtigkeit. Passend zum Vorfrühlings-Sonnenschein und zum lichtdurchfluteten Ambiente bereitete das Neujahrskonzert in Ötisheim eine helle Freude. Das lag vor allem an flink zwitschernden Töne-Kaskaden, zart ausgezogenen Klangbögen und virtuos sprühenden Cluster-Girlanden. Damit verzauberte Blockflötist Daniel Koschitzki die Zuhörer in der bis auf den letzten Winkel besetzten, erst kürzlich restaurierten und zum Konzertsaal umfunktionierten Historischen Kelter. Der alle Erwartungen übertreffende Erfolg war natürlich auch ein Verdienst der von Peter Wallinger geleiteten „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“, die dem Bläsersolisten einfühlsame Streicher-Grundierungen und mancherlei musikantische Impulse offerierte.


Foto: Fotomoment

In zwei Konzertstücken demonstrierte der preisgekrönte und von der Bundesregierung zum „Kultur- und Kreativpiloten Deutschlands“ berufene Blockflöten-Virtuose seine glanzvolle Kunstfertigkeit. Das mit furioser Rasanz musizierte Allegro aus einem F-Dur-Concerto für Sopranblockflöte und Orchester des in Mailand geborenen und in London bei Händels Oratorienaufführungen mitwirkenden Oboisten Giuseppe Sammartini war eine Wucht: Glitzernde Trillerketten, hüpfende Arpeggien und brillant ausgeformte Akzente bestimmten die Komposition.

Frappierend Koschitzkis schwebende Behändigkeit bei lupenreiner Intonation – blockflötenübliche Unsauberkeiten Fehlanzeige! Dasselbe Bild bei noch gesteigerter Virtuosität mit der kleinsten aller Blockflöten zeigte sich in Antonio Vivaldis dreisätzigem Concerto C-Dur für Sopranino und Streichorchester (RV 443). In spieltechnisch unglaubliche Höhen aufsteigende, atemberaubend endlose Tempoläufe zeichneten das orchestral abgefederte Einleitungs-Allegro aus. Largo-Schönheiten mit weichen Melodiebögen über kraftvollem Streichersound lösten im zweiten Satz Sehnsuchts-Stimmungen aus, wie man sie dem Flöten- und Hirtengott Pan zuschreibt. Nicht nur hier reagierte die zerbrechliche Miniaturblockföte empfindsam noch auf die feinsten Atemschübe. Schlackenfrei klar und temperamentvoll das abschließende Allegro molto, das der fulminanten Interpretation die Krone aufsetzte. Publikumsjubel und Bravorufe sowie eine Zugabe (Allegro molto für Blockflöte solo von Benoit Tranquille Berbignies) waren die Folge.

Das von Wallinger ausgelassen zupackend dirigierte, munter aufspielende Streicherensemble punktete freilich auch ohne Solisten. Mit barocker Klangpracht in Vivaldis Concerto G-Dur „Alla Rustica“ (op.51, Nr.4), heiter mit einer A-Dur-Streichersonate von Rossini oder romantisch schwelgend mit Puccinis Bravourstück „Chrysanthemen“ für Streicher. Überhaupt lebte das bunte, von Edgar Wipf kompetent moderierte und unter den Titel „Venedig-Prag“ gestellte Nummernprogramm vom atmosphärischen Kontrast der historischen Aufführungsorte und Epochen. Die böhmische Musik war mit Walzern von Dvorák, einer selten zu hörenden Streicher-„Idylle“ von Leos Janácek und einem arios galanten, für Orchester gefassten Quintetto in Es-Dur von Josef Myslivecek vertreten. Walzer-Takt und der süße Schmelzklang der Geigen werden als Nachhall bleiben. Aber das gehört zu einem richtigen Neujahrskonzert einfach dazu.

Eckehard Uhlig

17.01.2011, Ludwigsburger Kreiszeitung

Ein Feuerwerk nach Noten

Auf eine musikalische Reise nach Venedig und Prag nahm die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim die Besucher ihrer Neujahrskonzerte im Murrer Bürgersaal und in der Bietigheimer Kelter mit. Unter der Leitung von Peter Wallinger musizierte das Orchester in fülliger und hell leuchtender Klangpracht.

Der Leiter des Kulturamtes von Murr, Matthias Bader, begrüßte am Samstagabend die Besucher, deren Zahl sich auch in diesem Jahr erfreulicherweise weiter erhöht hat, mit Glückwünschen zum neuen Jahr und verband diese mit nachdenklichen Worten. Außerdem versprach er ein Programm, in welchem musikalische Funken versprüht würden.

Das bewahrheitete sich schon mit den ersten Takten eines Concertos in G-Dur, Opus 51, Nummer vier, von Antonio Vivaldi, das den Zusatz „alle rustica“ trägt. Die drei Sätze des Werkes gestaltete die Süddeutsche Kammersinfonie voller Schwung in wohl dosierten Tempi. Zugleich bestach das Orchester unter Peter Wallingers Leitung einmal mehr mit seinem erlesenen Streicherklang.
Auch zwei Sätze der Streichersonate Nummer zwei in A-Dur, einem genialen Jugendwerk von Gioacchino Rossini, und schließlich das Konzertstück für Streicher mit dem Titel „Chrysanthemen“ von Giacomo Puccini wurden als musikalische Kostbarkeiten gestaltet.

Den Programmteil „Venedig“ bereicherte Daniel Koschitzki als exzellenter Virtuose auf der Sopranblockflöte. Dieser junge Könner interpretierte ein Concertino in F-Dur von Giuseppe Sammartini, einem jüngeren Zeitgenossen Vivaldis, mit virtuoser Bravour. Die kompliziertesten, geradezu verwegen angelegten schnellen Passagen dieses Werks und erst recht die des Concertos in C-Dur für Pikkoloflöte und Streicher von Vivaldi führte Daniel Koschitzki in rasantem Tempo und in unvergleichlich präziser Intonation, dazu überaus nuanciert im Ausdruck aus. Er musizierte förmlich mit dem ganzen Körper, und zuweilen schien es, als wolle er sein Spiel noch mit tänzerisch anmutenden Bewegungen ergänzen. Für den frenetischen Beifall nach dem Vivaldi-Concerto bedankte sich Daniel Koschitzki noch mit einer brillant dargebotenen Zugabe.

In ähnlicher Weise waren auch die Besucher des Neujahrskonzerts am Sonntagnachmittag in Bietigheim-Bissingen von diesem temperamentvollen und energiegeladenen Feuerwerk nach Noten begeistert.

Im zweiten Programmteil waren Kompositionen der tschechischen Komponisten Josef Mysliveček, der im 18. Jahrhundert lebte, sowie von Antonin Dvorák und Leoš Janáček zu hören. Ein Quintetto in Es-Dur von Mysliveček ließ die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger sehr elegant und in der Melodik feinstimmig erklingen. Der Komponist lebte hauptsächlich in Italien, weshalb seine Kompositionen vom dortigen farbenreichen Stil geprägt sind. Zwei Walzer aus Opus 54 von Antonin Dvorák erlebten schwebend leichte und delikate Wiedergaben, und auch drei Sätze des Zyklus „Idylle“ von Leoš Janáček waren in der Ausführung durch das in zart schimmernden Klangfarben musizierende Streichorchester ein Genuss. Nach anhaltendem, freudigem Schlussapplaus spielte die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim noch eine kurze Zugabe.

Rudolf Wesner

18.01.2011, Marbacher Zeitung

Die Herzen der Zuhörer im Sturm erobert

Das Orchester der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim hat beim Neujahrskonzert überzeugt.

Wir wollen mit unseren Möglichkeiten dazu beitragen, den Jahresanfang freudig und fröhlich zu gestalten." Mit diesen Worten begrüßte der Kulturreferent der Gemeinde Murr, Matthias Bader, die zahlreich erschienenen Gäste des Neujahrskonzertes mit dem Orchester der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim im Bürgersaal des Murrer Rathauses. Für viele Besucher ist es mittlerweile ein angenehmes und liebgewordenes Muss, zu Beginn des Jahres die musikalische Begegnung mit den so eifrig und hochklassig spielenden Mitgliedern des Orchesters zu suchen. "Seit über 15 Jahren ist es schon gute Tradition geworden, die Musiker zu uns einzuladen und wir sind froh darüber, dass uns dies gelingt", erklärte Matthias Bader, der immer wieder davon angetan ist, dass die Streicher unter der Leitung ihres Dirigenten Peter Wallinger das Repertoire nicht nur pflichtgemäß abspulen. "Ihnen ist anzusehen, dass sie es mit einer großen Leidenschaft tun."

Dies machte auch der wunderbare Einstieg ins abendliche Programm "Venedig-Prag", das ausschließlich italienische und tschechische Komponisten in den Fokus bringt, deutlich: Spritzig und leichtfüßig kam das Concerto G-Dur von Antonio Vivaldi daher und integrierte in beglückender Weise den feinen Klang des Cemballos in die nuancenreich herausgearbeitete Darbietung. Mit dem darauf folgenden Stück von Giuseppe Sammartini, dem Concerto F-Dur für Sopranblockflöte und Orchester wurde dem Publikum ein wahrer Ausnahmemusiker präsentiert: Daniel Koschitzki, dem 32-jährigen Blockflötisten gelang es im Sturm, die Herzen seiner Zuhörer zu erobern. Mit unfassbarer Intensität von Spielkunst und Körpersprache, die an die - von purer Lebenslust gekennzeichneten - Auftritte des Sängers und Geigers Angelo Branduardi erinnern, zeigte der Instrumentalist mit zwei Stücken einen virtuosen und beinahe atemlosen Hochgeschwindigkeitsritt auf der Flöte. Der völlig authentische und eigenwillig-virtuose Vortragsstil als auch die bezwingende Fähigkeit, sich in die Kompositionen geradezu körperlich hineinzudenken, setzten beim Betrachter und Zuhörer in Sekundenschnelle einen Superlativ-Katalog an Attributen frei, die helfen mögen, das Gehörte einzuordnen. Schließlich blieb dem Publikum lediglich übrig, sich von Ehrfurcht und Staunen gefangen nehmen zu lassen und sich mit viel Beifall von der faszinierenden Starre, die ihn eingefangen hatte, zu lösen. Daniel Koschitzki, der sich für die Begeisterung seiner Zuhörer mit einem dritten, unbegleiteten Stück als Zugabe bedankte, ist nicht umsonst einer der weltweit führenden Blockflötisten seiner Generation. Sein Allegro von Benoit Tranquille Berbiguier holte aus dem dritten Modell, einer ebenholzschwarzen Flöte, noch einmal alles heraus.

"Warum nach Stuttgart oder sonst wohin fahren, wenn wir hier in Murr ein so hochkarätiges Konzert bekommen?", fragte sich beglückt einer der Besucher, der sich mit dem Gesamtverlauf des Konzertabends am Samstag im Murrer Bürgersaal mehr als zufrieden zeigte. Mit den Komponisten Dvorák, Janácek und Myslivecek wurde die beachtliche konzertante Aufführung nach der Pause fortgesetzt, welche zwar weniger lebhaft und pulsierend, dafür aber von getragener Harmonie und einer besonderen Klangtiefe der äußerst differenzierten Interpretationsweise der Streicher geprägt war und ebenfalls einen viel verdienten Applaus erhielt.

Cornelia Ohst

18.01.2011, Bietigheimer Zeitung

Ein musikalisches Feuerwerk

Beschwingt begrüßte die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim das neue Jahr. Unter der Leitung von Peter Wallinger lud sie zum Konzert in der Kelter, für die Mitglieder des Fördervereins kostenlos.

Ihr Gründer Peter Wallinger lud die Zuhörer in der voll besetzten Kelter zu einer musikalischen Reise nach Venedig und Prag. Und wie es sich für eine sorgfältig geplante und lang ersehnte Reise gehört, mangelte es auch nicht an der nötigen Aufbruchstimmung. Frisch und voller Musizierfreude schwangen die Musiker den Bogen zu diesem Konzert, mit dem sie das noch junge Jahr begrüßten.

Mit ins Boot hatte sich der Klangkörper den Blockflötisten Daniel Koschitzki geholt, der mit leidenschaftlichem Impetus und sinnlich-filigranem Spiel zum Steuermann des musikalischen Unternehmens wurde. Nur wenige Wochen ist es her, dass Raketenzauber unseren mitternächtlichen Himmel erleuchtete, da brennt der junge Virtuose ein wahres Feuerwerk musikalischer Art ab.

Es lag in der Natur der Sache, dass man sich um der Blockflöte willen im Repertoire auf Musik des Barock beschränkte - obwohl die Kammersinfonie laut Satzung nicht nur Vertrautes neu erlebbar, sondern auch gerne mal Neues vertrauter macht. Schade also, dass nicht auch eine zeitgenössische Blockflötenkomposition zu Gehör gebracht wurde. Doch Vivaldi und Sammartini erklingen in der Klanggebung des jungen Virtuosen hinreißend frisch und gar nicht angestaubt. Tonangebend führt er ein subtiles Zwiegespräch mit dem Orchester, während Peter Wallinger gewährend zurücktritt. Der Solist mit der Löwenmähne beweist nicht nur eine unerhörte Fingerfertigkeit, sondern auch langen Atem in den raffiniert gestalteten Kadenzen. Schlusstöne werden wohltuend mit sanftem Vibrato belebt. An Phrasenenden nimmt sich der gebürtige Güglinger die Freiheit, den Bewegungsfluss kurz zu stauen. Ein Mikrokosmos an Klangspektren tut sich damit auf und zwingt zu unbedingtem Zuhören.

Seinen dichten und doch schwebend-leichtfüßigen Vortrag beschließt der junge Mann, dessen gold funkelndes Shirt an barocken Brokat erinnern, mit einer Zugabe des Franzosen Benoit Tranquille Berbiguier - und kassiert dafür verdienten frenetischen Beifall.

Nachdem im ersten Teil venezianischen Komponisten nachgespürt wurde, führte die Reise im zweiten Part wie versprochen nach Prag. Die fein austarierte Dynamik, die Peter Wallinger seinem Orchester zu entlocken vermag, kam in den Werken der böhmischen Komponisten des 19. Jahrhunderts voll zum Ausdruck. Ein musikalischer Atem einte die Musiker in der "Idylle" von Leo Janácek, deren Charakterstücke zu einem amüsanten Dialog zwischen Bassgruppe und hellen Violinen geriet, während Dvoráks Prager Walzer das Publikum wiegend und wogend in das neue Jahr trugen.

Clarissa Soder

18.01.2011, Mühlacker Tagblatt

Funkensprühender Genuss nach Noten

Blockflötist Daniel Koschitzki und die Süddeutsche Kammersinfonie überzeugen das Publikum beim Gastspiel in Ötisheim

Auf eine musikalische Reise nach Venedig und Prag hat die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim die Besucher des Neujahrskonzerts mitgenommen, das zum ersten Mal in der großzügig restaurierten Kelter in Ötisheim stattfand.


Foto: Fotomoment

Unter der Leitung von Peter Wallinger musizierte das Orchester in fülliger, hell leuchtender Klangpracht. Es versprühte regelrecht und in hohem Maß musikalische Funken. Durch das Programm führte sachkundig Edgar Wipf. Die Matinee am Sonntagvormittag stieß bei Musikfreunden aus nah und fern auf enormes Interesse, sodass noch in letzter Minute zusätzliche Stühle aufgestellt werden mussten.

Der große Raum im Erdgeschoss der Ötisheimer Kelter weist, wie schon von den ersten Takten des Konzerts erkennbar war, eine warme Akustik auf, die insbesondere einem Konzert mit erlesenem Streicherklang außerordentlich gut tut. Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim gestaltete zur Einleitung ein Concerto in G-Dur, Opus 51, Nummer vier von Antonio Vivaldi, das den Zusatz "alle rustica" trägt voller Schwung in wohl dosierten Tempi. Auch zwei Sätze der Streichersonate Nummer zwei in A-Dur, einem genialen Jugendwerk von Gioacchino Rossini, und schließlich das Konzertstück für Streicher mit dem Titel "Chrysanthemen" von Giacomo Puccini wurden als musikalische Kostbarkeiten von den Musikern unter Peter Wallingers Leitung dargeboten.

Den Programmteil "Venedig" bereicherte mit der Aufführung von Kompositionen von Giuseppe Sammartini und Antonio Vivaldi der exzellente Virtuose auf der Sopranblockflöte Daniel Koschitzki. Dieser junge Könner auf seinem Instrument interpretierte ein Concertino in F-Dur von Sammartini, einem jüngeren Zeitgenossen von Vivaldi, mit virtuoser Bravour. Die kompliziertesten, geradezu verwegen angelegten schnellen Passagen sowohl dieses Werks als auch im weiteren Verlauf des Neujahrskonzerts in Ötisheim erst recht des Concertos in C-Dur für Flöte und Streicher von Vivaldi führte Daniel Koschitzki in rasantem Tempo und in unvergleichlich präziser Intonation, dazu auch überaus nuanciert im Ausdruck aus. Er musizierte förmlich mit dem ganzen Körper und zuweilen schien es so, als wollte der sein Spiel noch mit tänzerisch anmutenden Bewegungen ergänzen. Für den frenetischen Beifall nach dem Vivaldi-Concerto bedankte sich Daniel Koschitzki noch mit einer brillant ausgeführten Zugabe. In ähnlicher Weise waren auch die Besucher des Neujahrskonzerts, das am Sonntagnachmittag noch einmal in der Kelter in Bietigheim-Bissingen zu hören war, von diesem temperamentvollen und energiegeladenen Feuerwerk nach Noten begeistert.

Im zweiten Programmteil waren Kompositionen der tschechischen Komponisten Josef Myslivecek, der im 18. Jahrhundert lebte, sowie Antonin Dvorák und Leo_ Janácek zu hören. Ein Quintetto in Es-Dur von Myslivecek ließ die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger sehr elegant und in der Melodik feinstimmig erklingen. Der Komponist lebte hauptsächlich in Italien, weshalb seine Kompositionen vom dortigen farbenreichen Stil geprägt sind. Zwei Walzer aus Opus 54 von Antonin Dvorák erlebten schwebend leichte und delikate Wiedergaben und auch drei Sätze des Zyklus "Idylle" von Janácek waren in der Ausführung durch das in zart schimmernden Klangfarben musizierende Streichorchester ein Genuss. Nach anhaltendem, freudigen Schlussapplaus spielte die Süddeutsche Kammersinfonie noch eine kurze Zugabe. Nach dem Konzert meinte Peter Wallinger im Gespräch mit unserer Zeitung, er sei von dem Ambiente und der Akustik der Kelter so angetan, dass er beabsichtige, auch in Zukunft hier mit der Kammersinfonie aufzutreten.

Rudolf Wesner