Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim

 

05.12.2016, Pforzheimer Zeitung

Magdalena Müllerperth und die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim begeistern in Mühlacker

Einfühlsamer Beethoven, virtuoser Liszt. Magdalena Müllerperth spielt mit der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger. Foto: fotomoment

Peter Wallinger hatte sein hauptsächlich Ludwig van Beethoven gewidmetes Orchesterkonzert am Samstag im Mühlacker Uhlandbau programmatisch mit einem Vers des Romantikers Eichendorff überschrieben: „ … und die Welt hebt an zu singen.“

Neben der damit angesprochenen lyrischen Klangpoesie gab es aber auch Musik mit Wucht und dramatischer Glut zu hören, die in vibrierenden Brennpunkten kulminierte.

Die Wiedergabe von Beethovens Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur (op. 73) präsentierte das Musterbeispiel einer imponierend gelungenen Interpretation, die beide Elemente des musikalischen Ausdrucks wie zwei sich anziehende Pole mit großer Intensität zusammenführte. Dabei bewältigte die Pianistin Magdalena Müllerperth ihren Part mit klanglicher Frische, kraftvoll und virtuos – bruchlos eingebettet in die kompakt und einfühlsam agierenden Orchesterstimmen, die Wallinger am Dirigentenpult seiner sueddeutschen kammersinfonie bietigheim zu großer Eindringlichkeit motivierte.

Spielfreude und Charme

Fantastisch gleich zu Beginn des Allegro-Einleitungssatzes die durch mächtige Tutti-Akkorde aufgerufenen, frei kadenzierenden Klavier-Solopassagen mit locker über das Manual gewirbelten, perlenden Skalen. Eine prächtige Klangentfaltung des Orchesters schloss sich an, in die sich bald das Soloinstrument in führender Rolle mit facettenreichen Spielfiguren einfügte. Im zweiten Satz dann weich strömender, von Innigkeit getragener Adagio-Gesang, den Müllerperth romantisch verträumt und feinfühlig in zart gleitenden Melodielinien entfaltete. Der Finalsatz zeichnete sich durch ungestümen Vorwärtsdrang aus, die mitgerissenen Zuhörer erlebten noch einmal die Hochspannung des Musizierens. Die Solistin begeisterte zudem mit ihrer Spielfreude und ihrem Charme. In Pforzheim geboren, erfreute die Pianistin in Mühlacker gewissermaßen mit einem Heimspiel. Ihre Zugabe, ein hochvirtuoses Bravourstück von Franz Liszt, löste jedenfalls lautstarken, anhaltenden Jubel aus.

Nach der Konzertpause widmete sich die Kammersinfonie zunächst der spätromantisch „singenden Welt“. Das Adagietto aus Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 5 wurde von den Orchester-Streichern in weit ausholenden Melodiebögen mit klangsatter Sehnsuchts-Melancholie vorgetragen, fein umspielt von silbrigem Harfen-Gezirpe. Schlussendlich ging es mit Beethovens Sinfonie Nr. 4 B-Dur (op. 60) noch einmal lebhaft zur Sache. Wallinger und sein Orchester musizierten energiegeladen akzentuiert. Die Bläsersektion und eine schlag- und wirbelfreudige Pauke traten in den Fortissimi-Ausbrüchen des ersten und letzten Satzes plastisch hervor. Abgesehen vom geheimnisvoll wirkenden, von den Interpreten in extremer Breite ausgeführten zweiten Satz, herrschte eine muntere Grundstimmung vor. Wilde Tutti mündeten in ein effektvolles Finale.

Eckehard Uhlig

06.12.2016, Mühlacker Tagblatt

Kaskaden von Klavier-Oktaven

Die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ gastiert gemeinsam mit Magdalena Müllerperth im Uhlandbau

Klavier trifft Orchester: Magdalena Müllerperth und die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim gastieren im Uhlandbau. Foto: Fotomoment

„… und die Welt hebt an zu singen“. Unter diesem Motto gastierte die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ am Vorabend des zweiten Advents im Uhlandsaal in Mühlacker.

Mühlacker. Es wurde aber nicht gesungen, sondern musiziert und das auf höchstem Niveau, so dass sozusagen die Instrumente sangen. Zur Aufführung kamen in diesem Orchesterkonzert Werke von Ludwig van Beethoven und Gustav Mahler.

Zum Auftakt erklang das 1808/09 entstandene, dem Erzherzog Rudolph von Österreich gewidmete 5. Klavierkonzert Es-Dur op. 73. Bei der Uraufführung, die 1811 in Leipzig stattfand, hatte den Komponisten seine Taubheit daran gehindert, dieses letzte Klavierkonzert als Solist selbst zu spielen. In Mühlacker übernahm jetzt der Star des Abends, die erst 24-jährige Magdalena Müllerperth, aus Maulbronn-Schmie diesen Part.

Damit kehrte eine inzwischen international gefeierte Pianistin wieder einmal in die Heimat zurück. Im Alter von fünf Jahren erhielt sie ihren ersten Klavierunterricht. Mit acht Jahren begann sie ihr Studium als Schülerin bei Sontraud Speidel an der Hochschule für Musik in Karlsruhe, das sie später bei Alexander Braginsky an der Hamline University in Saint Paul im US-Bundesstaat Minnesota, bei Jerome Rose am Mannes College in New York und dann bei Klaus Hellwig an der Universität der Künste in Berlin fortsetzte.

Zum fünften Mal trat nun Magdalena Müllerperth in einem Konzert der „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ auf und setzte damit eine Zusammenarbeit fort, die vor zehn Jahren mit dem 2. Klavierkonzert B-Dur op. 19 von Ludwig van Beethoven begonnen hatte. Und jetzt also sein 5. Klavierkonzert, das komplementäre Gegenstück zum 4. Klavierkonzert G-Dur op. 58. Wie sein Vorgänger dreisätzig angelegt, wird bei ihm jede der drei Kadenzpassagen durch einen mächtigen Tutti-Akkord des Orchesters angekündigt.

In den rund 35 Minuten der Spieldauer ist das Klavier fast immer beschäftigt, vielfach in führender Rolle. Ein Höhepunkt ist ein Zusammentreffen des Orchesters mit dem Klavier, bei dem sich die Gewalt der Fortissimo-Blöcke in einer langen Kaskade von gehämmerten Klavier-Oktaven entlädt. Doch nicht nur da zeigte Magdalena Müllerperth mit hartem Anschlag und expressiver Wirkung ihr meisterhaftes Können.

Vielmehr interpretierte sie auch eher verhaltene, aber nicht minder intensiv-emphatische Passagen behutsam, mit viel Gefühl und ebenso ausdrucksstark. In einer Fünf-Minuten-Zugabe stellte sie dann noch ihre Virtuosität unter Beweis, indem sie die Etüde „La Campanella“, ursprünglich eine Komposition für Violine von Niccolò Paganini, in der Bearbeitung für Klavier von Franz Liszt, im eigentlichen Wortsinn zum Besten gab.

Zum Auftakt des zweiten Teils spielte die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ unter der umsichtigen Leitung ihres Gründers Peter Wallinger das Adagietto aus der 1901/03 entstandenen, 1904 im Kölner Gürzenich unter der Leitung des Komponisten uraufgeführten 5. Sinfonie von Gustav Mahler. Dieser von geradezu übersteigert romantisierender Klanglichkeit der Streicher und der Harfe getragene 4. Satz mit seltener Bezeichnung wurde nicht zuletzt als Musik zu Luchino Viscontis Verfilmung von Thomas Manns „Tod in Venedig“ 1970 einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.

Zu den heute eher selten gespielten Werken gehört die 1806 entstandene, dem Grafen Franz von Oppersdorff gewidmete, 1807 unter der Leitung des Komponisten im Palais des Fürsten Lobkowitz in Wien uraufgeführte 4. Sinfonie B-Dur op. 60 von Ludwig van Beethoven. Mit dieser freundlichen, hellen, idyllischen Sinfonie, die Robert Schumann als die „romantischste aller Sinfonien Beethovens“ bezeichnete, als „eine griechische schlanke Maid zwischen zwei Nordlandriesen“, wobei er die 3. als „Eroica“ und die 5. als „Schicksalssinfonie“ bezeichnete im Blick hatte, endete das Adventskonzert. Dieses Werk absoluter Musik – was wohl auch der Grund seiner geringen Popularität ist –, dessen Hauptcharakterzug „der des Suchens und Umkreisens, des Unbestimmten und Geheimnisvollen“ ist, und in dem der Klarinette eine herausragende Rolle zukommt, wurde unter der nuancenreichen musikalischen Leitung von Peter Wallinger von dem Orchester ebenso heiter und beschwingt wie tempogeladen und ausdrucksvoll wiedergegeben.

Dieter Schnabel

06.12.2016, Vaihinger Kreiszeitung

Mit ereignisreicher Eindringlichkeit

Magdalena Müllerperth und die Sueddeutsche Kammersinfonie musizieren im Uhlandbau

Magdalena Müllerperth mit viel Spielfreude im Mühlacker Uhlandbau. Foto: Fotomoment

MÜHLACKER. Peter Wallinger hatte sein hauptsächlich Ludwig van Beethoven gewidmetes Orchesterkonzert am Samstag im Mühlacker Uhlandbau programmatisch mit einem Vers des Romantikers Joseph von Eichendorff überschrieben: „Und die Welt hebt an zu singen. “ Neben der damit angesprochenen lyrischen Klangpoesie gab es aber auch Musik mit Wucht und dramatischer Glut zu hören, die in vibrierenden Brennpunkten kulminierte.

Die Wiedergabe von Beethovens Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur (op. 73) präsentierte das Musterbeispiel einer imponierend gelungenen Interpretation, die beide Elemente des musikalischen Ausdrucks wie zwei sich anziehende Pole mit großer Intensität zusammenführte. Dabei bewältigte die Pianistin Magdalena Müllerperth ihren Part mit klanglicher Frische, kraftvoll und virtuos - bruchlos eingebettet in die kompakt und einfühlsam agierenden Orchesterstimmmen, die Wallinger am Dirigentenpult seiner Sueddeutschen Kammersinfonie Bietigheim zu ereignisreicher Eindringlichkeit motivierte.

Fantastisch gleich zu Beginn des „Allegro“ -Einleitungssatzes die durch mächtige Tutti-Akkorde aufgerufenen, frei kadenzierenden Klavier-Solopassagen mit locker über das Manual gewirbelten, perlenden Skalen. Eine prächtige Klangentfaltung des Orchesters schloss sich an, in die sich bald das Soloinstrument in führender Rolle mit facettenreichen Spielfiguren einfügte. Im zweiten Satz dann weich strömender, von Innigkeit getragener „Adagio“-Gesang, den Müllerperth romantisch verträumt und feinfühlig in zart gleitenden Melodielinien entfaltete.

Der Finalsatz zeichnete sich durch klavieristische Attacke und ungestümen Vorwätsdrang aus, die mitgerissenen Zuhörer erlebten noch einmal die Hochspannung des Musizierens

Die Solistin begeisterte zudem mit ihrer Spielfreude und ihrem Charme. In Pforzheim geboren, erfreute die Pianistin in Mühlacker gewissermaßen mit einem Heimspiel. Bei zahlreichen Konzerten in ihrer Heimatregion hat das Publikum sie kennen und schätzen gelernt. Ihre Zugabe, ein hochvirtuoses Bravourstück von Franz Liszt, löste jedenfalls lautstarken, anhaltenden Jubel aus.

Nach der Konzertpause widmete sich die Kammersinfonie zunächst der spätromantisch „singenden Welt“. Das „Adagietto“ aus Gustav Mahlers Sinfonie Nr.5 wurde von den Orchester-Streichern in weit ausholenden Melodiebögen mit klangsatter Sehnsuchtsmelancholie vorgetragen, fein umspielt von silbrigem Harfengezirpe. Schlussendlich ging es mit Beethovens Sinfonie Nr.4 B-Dur (op. 60) noch einmal lebhaft zur Sache.

Wallinger und sein Orchester musizierten energiegeladen akzentuiert. Die Bläser-Sektion und eine schlag- und wirbelfreudlige Pauke traten in den Fortissimi-Ausbrüchen des ersten und letzten Satzes plastisch hervor. Abgesehen vom geheimnisvoll wirkenden, von den Interpreten in extremer Breite ausgeführten zweiten Satz, herrschte eine muntere Grundstimmung vor. Wilde Tutti mündeten in ein effektvolles Finale

Eckehard Uhlig

02.12.2016, Ludwigsburger Zeitung

Gipfelwerk in jungen Händen

Magdalena Müllerperth spielt mit der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim am Wochenende Beethovens fünftes Klavierkonzert

BIETIGHEIM-BISSINGEN. Jung an Jahren, aber reich an Erfahrungen ist die Konzertpianistin Magdalena Müllerperth. Als Solistin war sie unter anderem bereits mit Orchestern wie der Tschechischen Philharmonie, dem Staatsorchester Braunschweig und den Stuttgarter Philharmonikern zu hören. Mit der Südddeutschen Kammersinfonie Bietigheim (SKB) verbindet die in Maulbronn-Schmie aufgewachsene Künstlerin eine langjährige Zusammenarbeit, die 2006 mit der gemeinsamen Aufführung von Ludwig von Beethovens zweitem Klavierkonzert in B-Dur (op.19) ihren Anfang nahm, das eigentlich das erste Klavierkonzert des Komponisten ist. Insofern schließt sich ein Kreis, wenn Müllerperth am kommenden Wochenende mit den Musikern der SKB unter der Leitung von Peter Wallinger mit dem Klavierkonzert Nr. 5 in Es-Dur das letzte Werk dieser Gattung von Beethoven in Mühlacker und Bietigheim zu Gehör bringt.

„Dieses Beethoven-Konzert zu spielen, ist mir seit langem ein Anliegen“, erzählt Müllerperth. „Alle fünf sind wichtig, aber dieses fünfte ist eines der größten und wichtigsten Klavierkonzerte, die es gibt. Peter Wailinger, den sie vor zwei Jahren darauf angesprochen hat, habe sofort begeistert reagiert, ist das Werk in seiner sinfonischen Anlage doch eine Partitur, in der auch Dirigent und Orchester viel zu tun haben, eine lustvolle Herausforderung. „Alles darin rangiert auf einer epischen, sehr großen Skala“, fast Müllerperth ihre Sicht auf das dreisätzige Stück in Worte. „Das macht unfassbar viel Spaß zu spielen." Hört man sich Aufnahmen der 24 Jährigen an, die in einem musischen Elterhaus aufgewachsen ist, verblüfft neben der technischen Brillanz die Reife ihrer Darbietung. Seit August beschäftigt sich Müllerperth, die im Alter von fünf Jahren ersten Klavierunterricht erhielt und ihre professionelle Ausbildung in Karlsruhe und New York begann, bevor sie 2014 an die UdK Berlin zu Prof. Klaus Hellwig wechselte, intensiv mit dem Klavierkonzert Nr.5, diesem Gipfelwerk der Konzertliteratur, das im Mittelpunkt der kommenden Adventskonzerte steht.

Info:

Am Samstag, 3. Dezember, um 20 Uhr gastieren die SKB und Magdalena Müllerperth im Uhlandbau in Mühlacker, am Sonntag, 4. Dezember um 17 Uhr im Kronenzentrum in Bietigheim-Bissingen.

Harry Schmidt

22.11.2016, Mühlacker Tagblatt

Beflügelt am Flügel

Die Pianistin Magdalena Müllerperth ist Solistin beim Adventskonzert der Reihe MühlackerConcerto und freut sich auf ihr Heimspiel.

Magdalena Müllerperth. Foto: p

Beim Adventskonzert der Reihe MühlackerConcerto, das am Samstag, 3. Dezember, um 20 Uhr im Uhlandbau in Mühlacker stattfindet, ist als Solistin die Pianistin Magdalena Müllerperth aus Schmie zu hören. Im Interview verrät sie, was ein Heimspiel für sie bedeutet.

Ihnen steht am 3. Dezember ein weiteres Heimspiel in Mühlacker bevor. Was wird das Publikum von Ihnen hören?

Dieses Mal spielen wir das wunderbare 5. Klavierkonzert von Ludwig van Beethoven.

Was macht den Reiz des Stücks für Sie aus?

Die symphonische Art. Als Beethovens letztes Klavierkonzert zeigt es, wie weit er dieses Genre der Wiener Klassik entwickelt hat. Das Klavier ist hier nicht mehr unabhängiger Solist, der vom Orchester mehr oder weniger begleitet wird, sondern das Ganze ist ein Zusammenwirken aller Musiker wie bei einer großen Symphonie. Ziemlich passend wird es im englischsprachigen Raum auch „Emperor Concerto“ genannt – so majestätisch ist es komponiert, dass man manchmal einfach nur Gänsehaut bekommt.

Im Publikum werden vermutlich viele Menschen sitzen, die Sie persönlich kennen. Wirkt sich das auf das Nervenkostüm aus?

Ja, klar – immer sehr positiv. Wenn ich mich über Freunde im Publikum freue, spiele ich ganz für sie und bin umso mehr beschwingt und beflügelt.

Sie sind schon in vielen Konzertsälen aufgetreten. Wie schätzen Sie den Uhlandbau ein?

Was ich am Uhlandbau sehr schätze, ist die warme Atmosphäre im Saal. Ich fühle mich dort sehr wohl auf der Bühne. Das liegt bestimmt auch an der besonderen Akustik, die sehr vorteilhaft für das Klavier ist, vor allem in Zusammenarbeit mit einem Orchester.

Sie studieren derzeit in Berlin. Wie erleben Sie die dortige Kulturszene?

Berlin ist unglaublich kreativ. Es gibt hier ein riesiges Angebot an Kultur und klassischer Musik im Speziellen. Und im Vergleich zu New York, wo ich ja vorher war, geht man in Berlin viel weniger konservativ mit Musik um, und das ist sehr inspirierend. Da es hier extrem viele junge Musiker gibt, werden lauter neue Ensembles gegründet, alte Brauereien und Diskotheken in Konzertsäle umgewandelt, um dann ganz skurrile Musik zu machen. Diese Atmosphäre ist im Moment genau das Richtige für mich.

Wann steht Ihr Abschluss an, und was haben Sie danach vor?

Mein Masterabschluss in Berlin steht 2018 an, da habe ich also noch ein bisschen vor mir. Was danach kommen wird, kann ich noch nicht so recht sagen, ich werde natürlich weiterhin viel Musik machen.

Wo soll Ihr Lebensmittelpunkt einmal sein: Großstadt oder ländliche Region?

Oh, das ist eine gute Frage. Im Moment fühle ich mich sehr wohl in Städten, wo es viel kulturellen Input gibt. Aber manchmal fehlt mir das Leben auf dem Land, insbesondere die Weinberge, schon sehr. Das Schöne an unserer Region in Süddeutschland ist ja auch, dass man die ländliche Atmosphäre genießen kann, ohne ganz ab vom Schuss zu sein. Ich könnte mir also schon vorstellen, dort zu leben.

Sind Sie in nächster Zeit noch einmal in der näheren Umgebung zu hören?

Ja – und zwar am 4. Dezember in Bietigheim-Bissingen mit demselben Beethoven-Konzert und dann auch am 29. Januar 2017 in Bretten mit dem Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim.

Weitere Infos zu MühlackerConcerto gibt es unter www.muehlacker-klassik.de/konzerte/uhlandbau. Kartenbestellungen sind möglich per E-Mail an susanne@boekenheide.net und unter 07043/958393.

Das Adventskonzert ist überschrieben mit „…und die Welt hebt an zu singen“ und beinhaltet Werke von Beethoven und Mahler. Es spielt die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim. Dr. Christina Dollinger bietet um 19.15 Uhr eine Konzerteinführung an.

Carolin Becker

13.07.2016, Ludwigsburger Zeitung

Expressives Klangfeuerwerk im Kulturhaus

Musik aus zwei Jahrhunderten bot das Sommerkonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim unter Peter Wallinger mit ihrer Solistin Verena Guthy-Homolka im Großen saak des Kulturhauses.

Weil der Schlosshof derzeit umgebaut wird, musste die diesjährige Ausgabe der Sommerkonzerte auf den Großen Saal im Kulturhaus zurückgreifen. Damit wäre auch schon der einzige Wermutstropfen des Samstagabends in Sachsenheim benannt, denn das Wetter hätte ja perfekt mitgespielt. So musste man sich damit behelfen, vor der zweiten Hälfte die Türen zu öffnen, um den strahlenden Sommerabend nebst etwas Frischluft Einlass zu gewähren.

Aber auch drinnen genossen die rund 80 Besucher beim Gastspiel der Süddeutschen Kammersinfonie Beitigheim ein Programm, das deren Leiter Peter Wallinger eigens für diesen Anlass (sowie die tags darauf erfolgte Wiederholung in Lienzingen) zusammengestellt hatte und das wie angegossen passte: Musik aus zwei Jahrhunderten von Johann Sebastian Bach (1685-1750) und Igor Strawinsky (1882-1972), angereichert mit zwei Preziosen der amerikanischen der amerikanischen Komponisten Samuel Barber (1910-1981) und Charles T. Griffes (1884-1920), fügte sich zu einem Serenadenkonzert par excellence. Dass sich mit Verena Guthy-Homolka die Solo-Flötistin in Bachs Orchestersuite NR 2 h-Moll BWV 1067 azs deb eugebeb Reugeb rekrutierte, erwies sich als Glückfall. Selten erlebt man die für diese sieben Sätze erforderliche Feinabstimmung zwischen Esemble und Solist gelungener. Exakt treffen die 18 Musikerinnen und Musiker den höfisch-festlichen Gestusder Ouvertüre, in der sich französische und italienische Elemente mischen, mit jedem der folgenden TÄnze scheinen sie wärmer zu werden, steigern ihre Präsenz Satz um Satz und bereiten der wundervoll selbstverständlich geführten Traversflötenstimme von Guthy-Homolka eine maßgeschneiderte Unterlage. Fulminant ihre Dialogpassagen mit Konzertmeisterin Sachiko Kobayashi, die mit gestochen scharf kontinuierten Kantilenen eine Gesprächspartnerin auf Augenhöhe war, makellos ihre Intonation, virtuos bewältigt sie die in hohem Tempo dahinjagende, abschließende Badinerie.

Farbenreicher Ensembleklang

Mit mal kreisrunden, dann wieder minimalistisch reduzierten Schlagfiguren steht Wallinger vor seinem hervorragend eingestellten Ensemble. Vom ersten Moment an begeistert ihr hochkultivierter, so homogen wie farbreicher Ensembleklang, ihr dynamisches Differenzierungsvermögen und ihre rhytmische Akkuratesse. Manches klingt wie auf Zehenspitzen gespielt, gemessen mit lyrischen-pastoralem Einschalg die elegante Sarabande, munter eilend dagegen die Polonaise, Wallinger swingt jetzt fast auf seinem Podest, metrisch ungeheuer prägnant die schwungvoll agierende, um die Cembalistin Sofija Grgur erweiterte Continuo-Gruppe, nahezi ein Tango das Menuett.

Brillant auch das von Wallinger eigens für Flöte und Orchester arrangierte "Poem" von Charles T. Griffes, in dem neben Guthy-Homolka die erste Cellistin Chihiro Saito, die wie Konzertmeisterin Kobayashi und Mathias Neundorf, Stimmführer der Zweiten Violinen, auch Mitglied des renommierten Lotus String Qurtet ist, solistische Akzente setze. Einer sich öffnenden Knospe gleich entfaltet Guthy-Homolka das Thema, Landschaftsbilder steigen vor dem inneren Auge auf, Licht- und Schattenspiel in nebligen Flussauen, Schmetterlinge tanzen auf einer Lichtung Lichtung auf ausgesprochen hohem Niveau realisierten sie die von Dvorák erinnernde impressionistische Klangmalerei.

Als Verschnaufpause für Guthy-Homolka hatte man Barbers "Adagio for Strings" eingeschoben. Das einsätzige Intrumentalstück wurde untere anderem auf den Beerdigungen von John F. Kennedy, Grace Kelly und Albert Einstein gespielt und geriet zur Paradenummer für die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim. Eine wunderbare Gelegnheit, das exzellente Blending in ihrem Streicheschmelz zu zelebrieren.

Durchweg erwies sich das treffend benannte Orchester als Formation, die den ambitionierten Anspruch ihrer Programme sowohl spieltechnisch als auch in der gesalterischen Durchdringung fabelhaft einzulösen wusste.

Kontrastreiche Sätze

Mit einem wahren Klangfeuerwerk war der Höhe- und Schlusspunkt des Konzerts erreicht: Strawinskys "Concerto in Re" schloss an die motorische Bewegtheit von Bach an, entwickelt in drei kontrastreichen Sätzen aber eine bei weitem eindringlichere, expressive Gestalt: spannungsgeladen die Pizzicati der Celli zum Auftakt im Vivace, sanft wogend Arioso und Andantino, im Rondo stößt Bratscherin Laura Möhr ein nervöses Ostinato an, stechend antworten ide Violinen. Dankbarer Beifall auch für diesen oft turbulenten, fast akrobatischen und mutigsten Programmteil, dessen zweiter, langsamer Satz als ZUgabe eine Reprise erfuhr, womit das Konzert einen armonisch-versöhnlichen Ausklang fand.

Harry Schmidt

12.07.2016, Pforzheimer Zeitung

Musikalisch duftende Sommerblüten

Flötenkonzert in der Frauenkirche

Verena Guthy-Homolka zeigt die vielfältigen Facetten der Flöte. Foto: Fotomoment

Lienzingen. Bei der stimmungsvollen „Sommerlichen Matinée“ in der Lienzinger Frauenkirche passte alles. Sommerfrische und friedvolles Ambiente umrahmten das 3.Konzert des diesjährigen „Musikalischen Sommers“ und verliehen den Qualitäten der gastierenden sueddeutschen kammer-sinfonie bietigheim und dem Spiel der Flöten-Solistin Verena Guthy-Homolka zusätzlichen Glanz.

Unter Peter Wallingers Leitung punktete das Orchester mit sorgfältig ausgearbeiteten Phra-sierungen. Das Streicherensemble war eben nicht nur Begleiter, sondern maßgeblicher Gestalter des Konzertgeschehens. Besonders deutlich in der einleitend musizierten Orchestersuite Nr.2 in h-Moll von Johann Sebastian Bach: Die Kammersinfonie sorgte in den facettenreichen Suiten-Sätzen für prächtig barockes Klangvolumen, für federnd austarierte Lautstärke-Kontraste, für dynamische Tempo-Varianten und zum Abschluss (in der „Badinerie“) für rasante Akzente. Mittendrin der Flötenton – in silberhellen, tollkühnen Skalen, zuweilen sehr zart in der Höhe, manchmal auch dunkel verhangen.

Mit welch herausragender Technik und mit welch feinem Klangsinn Guthy-Homolka zu spielen vermag, zeigte sich in der Wiedergabe von Charles Griffes' impressionistischem „Poem“ für Flöte und Orchester. Über Flageolett-Geflirre der Geiger oder solistischen Linien von Cello und Bratsche schwebte der Flöten-Gesang und formte ein verzauberndes Klang-Gedicht.

Süße Melancholie bestimmte die Interpretation von Samuel Barbers „Adagio für Streichorchester“ und nach der Konzertpause die eher kantige Rhythmik das „Concerto in Re“ von Igor Strawinsky. Mit deutlichen Duftnoten fügte sich auch dieses Stück in den Strauß musikalischer Sommerblüten.

Eckehard Uhlig

12.07.2016, Mühlacker Tagblatt

Stilsicher von Bach bis Strawinsky

Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim bietet bei ihrer Matinee in der Frauenkirche ein anspruchsvolles Programm.

Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim mit Solistin Verena Guthy-Homolka. Foto: Filitz

Mühlacker-Lienzingen. Heiter und unbeschwert sollte diese Matinee werden, zu der die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim in die Lienzinger Frauenkirche eingeladen hatte. Und viele Zuhörer kamen, die eben dies erwarteten und angesichts eines Programms von Bach bis Strawinsky nicht enttäuscht wurden.

Als „Gipfelstürmer“, gemessen am Beifallssturm des Publikums, erwies sich bereits der Beginn mit der Orchestersuite Nummer 2 h-moll, BWV 1067, für Flöte, Streicher und Basso continuo von Johann Sebastian Bach. Die Sätze tragen die Titel Rondeau, Sarabande, Bourrée, Polonaise-Double, Menuet und Badinerie. Aus dem Französischen übersetzt bedeutet Letzteres so viel wie Spaß oder Neckerei und ist ein tanzähnliches Stück, oft gebracht in Suiten zu Bachs Zeit. Was mag den sonst so ernsten Kantor dazu gebracht haben, sich auf dieses Parkett zu wagen?

Nicht gescheut hat sich Verena Guthy-Homolka, mit ihrer Flöte auf diesem Parkett souverän zu tanzen. Die Soloflötistin ist mehrfache Preisträgerin internationaler Wettbewerbe, ist bei renommierten Orchestern gefragt, wirkt als Pädagogin, Jurorin und Dozentin. Seit langen Jahren konzertiert sie mit der Kammersinfonie. Dass da ein harmonisch aufeinander eingestimmtes Team miteinander musizierte, bewies diese Aufführung. Mitunter hätten vielleicht die taktweise doch recht dominant aufspielenden Streicher der Flöte ein wenig mehr den Vortritt lassen sollen. Doch so wunderbare Passagen mit Flöte, dem ersten Cello und dem Cembalo wie in der Badinerie machten auch die noch so kleinste Trübung wieder wett. Beifall ohne Ende animierte Guthy-Homolka zu einer Zugabe, was so mitten im Konzert auch nicht allzu häufig geschieht.

Mit einem verhaltenen Crescendo setzte das Adagio von Samuel Barber ein. Es ist das bekannteste Werk des amerikanischen Komponisten, der 1981 starb. Einen breitgefächerten Klangteppich breitete das Orchester unter der Leitung von Dirigent Peter Wallinger aus, auf dem unter anderem auch das Cello weite, singende Bögen zeichnete, konträr zu den gelegentlich dissonant klingenden Violinen in fast rauschhafter Höhe, ehe die Bässe führend übernahmen und das Stück in sanfter Harmonie, vielleicht auch in Melancholie endete.

Wie die Malerei so hat auch die Musik eine impressionistische Phase durchlaufen. Einer ihrer bekanntesten amerikanischen Vertreter ist Charles Griffes, der es in trauriger Weise großen europäischen Komponisten gleichtat, nämlich bereits 36-jährig 1920 verstorben ist. „Poem“ für Flöte und Orchester heißt das Stück, in dem die Solistin des Abends nochmals mit virtuos geblasenen Solotakten hervorstach. Lange Klangfolgen wechselten mit exaltierten Ausbrüchen, dominierend die Bässe, wie singend nahm das erste Cello ein Thema auf, reichte es an das zweite weiter. Lange Triller beflügelten, glitten hinein in ein Piano, in das tiefere Flötentöne einen wie gehauchten Schlusspunkt setzten.

Nach der Pause stand auf dem Programmzettel nur noch ein Werk, das überzeugend zu gestalten war: Igor Strawinskys „Concerto in Re“. Der russische Komponist gilt als Vertreter des Neoklassizismus in der Musik. Ihn zog es weg von der Süßlichkeit der Romantik, zurück zu barocken, klaren Formen. An die Bach’schen Brandenburgischen Konzerte gedachte der Russe anzuknüpfen. Ob ihm das mit dem Vivace, Andante und Allegro gelungen ist, mag der Zuhörer entscheiden. Der dem Neuen eher Zugewandte wird den Gesamtaufbau sehr interessant finden. Keinen Zweifel hinterließ die Kammersinfonie mit ihrer nahezu aufreizenden Wiedergabe, eine veritable Herausforderung, die Wallinger mit seinen Musikern meisterte. Hier ein transparentes, klar akzentuiertes, ausdrucksstarkes Spiel zu Gehör zu bringen, zeugte von Könnern an den Pulten.

Muss noch erwähnt werden, dass auch am Ende dieser morgendlichen Konzertstunde der Beifall nicht enden wollte? So gefeiert, konnten Solistin und Orchester gar nicht anders, als ihr begeistertes Publikum mit zwei Zugaben zu verwöhnen.

Eva Filitz

22.04.2016, Mühlacker Tagblatt

Kinder helfen „Papa Haydn“

Mühlacker. „Papa Haydns kleine Tierschau“ oder „Wie klingt eigentlich eine Giraffe?“. Intensiv haben rund 450 Schüler der Klassenstufen eins bis fünf die Aufführungen dieses Musiktheaterstücks im Uhlandbau mit verfolgt und den Komponisten bei der Fertigstellung einer neuen Sinfonie unterstützt.

Ohne Publikum läuft es nicht bei dem Komponieren. Foto: Rainer Appich

Joseph Haydn hat ein Problem: Im Auftrag der Kaiserin Maria Theresia soll er ein Musikstück über die Giraffe verfassen. Doch der von seinem Orchester liebevoll „Papa Haydn“ genannte Komponist kennt weder dieses Tier, noch will ihm etwas Vernünftiges dazu einfallen. Er hat zwar schon den Takt einer Uhr vertont, dem Jagen und auch verschiedenen Tieren, wie dem Bären, einer Lerche oder der Henne, klingende Denkmale gesetzt, aber an der Giraffe droht das musikalische Genie vom Schloss Esterhazy zu scheitern. Zu allem Übel huscht immer wieder eine freche Maus durch sein Studierzimmer und verspeist genüsslich seine beschriebenen Notenblätter. Da ist dringend die Hilfe der jungen Zuhörer gefragt. Sie warnen den Komponisten vor der gefräßigen Schlossmaus „Louise“. Der fleißigen Mitarbeit der Kinder hat es Haydn letztlich zu verdanken, dass er nun weiß, wo die Giraffe zu Hause ist, wie das Tier aussieht und welches Instrument mit seiner Klangfarbe den staksigen und langhalsigen Steppenbewohner musikalisch am besten abbildet.

Erfolgreiche Arbeit mit zwei Aufführungen fortgesetzt


Mit dieser spannenden Geschichte haben die von Peter Wallinger geleitete Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim und die Pyrmonter Theater Companie, vertreten durch Jörg Schade als „Papa Haydn“ und Christiane Schoon als „Schlossmaus Louise“, ihre seit Jahren bestehende erfolgreiche Arbeit im Bereich des Musiktheaters „Klassik für Kinder“ fortgesetzt. In Bietigheim gebe es solche Vorstellungen seit langem und in Mühlacker nun zum dritten Mal, erklärte Wallinger. „Es ist immer wieder interessant, wie die Kinder reagieren“, sagte der Orchesterleiter, aus dessen Ensemble Flötistin Verena Guthy-Homolka, Oboist Nikola Stolz, Klarinettistin Stefanie Faber, Hornistin Gunilla Kühn und Frank Lehmann mit dem Fagott mitwirkten. Die beiden Vorstellungen wurden am gestrigen Vormittag von Schülern aus Illingen, Ötisheim, Ölbronn, Bretten, Diefenbach, Großglattbach, von der Johann-Christoph-Blumhardt-Schule, der UvD- und der Heidenwäldleschule besucht.

Rainer Appich

20.04.2016, Ludwigsburger Zeitung

Am Rande des Nervenzusammenbruchs

Musiker der Süddeutschen Kammersinfonie führen Grundschüler in der Kelter in die wundersame Welt des Komponisten Joseph Haydn ein

Joseph Haydn (Jörg Schade) will einfach nur arbeiten, doch die Tierwelt kommt dem genialen Komponisten immer wieder in die Quere. Foto: Oliver Bürkle

Joseph Haydn hat's nicht leicht. Der geniale Komponist will sich einfach nur auf seine Arbeit konzentrieren, doch dabei kommt ihm immer wieder die Tierwelt in die Quere. Fliegen schwirren in seinem Arbeitszimmer umher und hinterlassen beim Schlag mit der Fliegenpatsche hässliche schwarze Flecken auf seinem Notenpapier, die vorlaute Maus Luise beißt Löcher in die Dokumente.

Zu allem Überfluss hat Maria Theresia, die Kaiserin von Österreich-Ungarn hochstselbst, eine Giraffe geschenkt bekommen. Nun fordert die Monarchin ein passendes Musikstück. Dabei weiß der im 18. Jahrhundert lebende Komponist noch nicht einmal, wie dieses exotische Tier aus dem fernen Afrika überhaupt aussieht - Haydn steht am Rande des Nervenzusammenbruchs.

Dies ist die Ausgangslage des Stucks "Papa Haydns kleine Tierscbau oder Wie klingt eine Giraffe", welches das Bläserquintett der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim noch bis zum heutigen Mittwoch bei insgesamt sechs Vorstellungen in Zusammenarbeit mit der Pyrmont Theater Companie vor Grundschülern in der Kelter aufführt. Auf Einladung des städtischen Kulturamts zeigt die Kammersinfonie alljährlich ein Musiktheaterprojekt, zu dem nicht nur Grundschüler aus Bietigheim-Bissingen, sondern auch Schulklassen aus Nachbarkommunen herbeistromen. "Die Vorstellungen sind immer ausverkauft", sagt Anne Himmelsbach vom Kulturamt.

Das ist am Dienstagmorgen nicht anders. Die Musiker treffen auf ein begeistertes Publikum und stellen ein Projekt vor, das sich ohne Einschränkung als pädagogisch hesonders wertvoll bezeichnen lässt. Jörg Schade von der Pyrmont Theater Companie, der das Stück gemeinsam mit seinem Kollegen Franz-Georg Stahling entwickelt hat, spielt einen ebenso zerstreuten wie liebenswürdigen Haydn, der sich fürsorglich um seine Musiker kümmert und diese auch mal auf deren ungebügelte Hosen oder Mundgeruch hinweist. Seiner Fürsorglichkeit brachte dem genialen Musiker einst auch seinen Spitznamen "Papa" ein.

Gemeinsam begeben sich Hauptdarsteller, Grundschühler und Bläserquintett auf die Suche nach der perfekten Musik für das ungewöhnliche Geschenk. Dabei lernen die Kinder verschiedene Instrumente und die Musik von Hadyn kennen, der ein gewaltiges Werk von fast 100 Symphonien erschuf.

Die Musik steht im Mittelpunkt, doch die Handlung lässt Spielraum für manch slapstickartige Einlage. Etwa wenn sich Hadyn, bewaffnet mit einem Besenstil, auf Mäusejagd begibt. Solche Einlagen sind ganz nach dem Geschmack der Kinder. Vor allem aber geht es natürlich darum, die Lust auf klassische Musik zu wecken. "Bleibt der klassischen Musik treu", empfiehlt Haydn zum Abschied. "Es lohnt sich."

Frank Klein

23.03.2016, Pforzheimer Zeitung

Bebend vor Ausdruckswillen

Béla Bartóks 3.Klavierkonzert mit Markus Bellheim im Mühlacker Uhlandbau

Mühlacker. Für ihr „Impressionen aus Ost“ betiteltes Orchesterkonzert wählten Peter Wallinger und seine sueddeutsche kammersinfonie bietigheim mit zwei „Slawischen Tänzen“ von Antonín Dvorák (aus op. 46 und op. 72) eine sinnfällige Eröffnung. Die explodierenden Akzente der mitreißenden „Furiant“ und die schwelgerischen Folklore-Farben des „Starodávný“ stimmten im Mühlacker Uhlandbau auf das Hauptereignis des Abends ein – Béla Bartóks Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 mit dem renommierten Pianisten und Münchner Musikhochschulprofessor Markus Bellheim.

Rhythmische Finessen
Nach wie vor spiegelt Bartóks Musik eine eigene Welt, die beim Hören einem kurzweiligen Abenteuer gleicht und wegen rhythmischer Finessen, eigenwilliger Farben und komplexer Spieltechniken eine Herausforderung für die Interpreten darstellt, die in Mühlacker bravourös gemeistert wurde. Mit Triller-Wirbeln, glasklar gehämmerten Oktavgängen und konturscharfen Skalen präsentierte Bellheim den ersten Satz („Allegretto“), bebend vor Ausdruckswillen, kühn und entschlossen. Einfühlsames Orchester-Geflirre füllte die Oktav-Abstände des zupackend vorgetragenen Klavier-Themas aus.

Das innere Zentrum der Bartók-Wiedergabe bildete der langsame Mittelsatz („Adagio“) mit dem Zusatz „religioso“ – von Wallinger am Pult, dem Pianisten und dem Orchester einer Andacht gleich zelebriert. Fließenden Streicherpassagen antwortete das Klavier mit Fragmenten einer Choralmelodie. In Einschüben verstärkten vor allem von Blasinstrumenten lautmalerisch nachempfundene Vogelrufe die ergreifende Klangmagie. Energisch und spannungsgeladen folgte der dritte Satz („Allegro vivace“) als ein lebensprühendes Finale.

„Die Moldau“ zum Abschluss
Zum Konzertabschluss erfreuten Wallinger und sein Ensemble mit abwechslungsreichen musikalischen Bilder-Folgen. Alexander Borodins „Steppenskizze aus Mittelasien“ und Friedrich Smetanas Tondichtung „Die Moldau“ entfalteten mit feiner Einfühlung die romantisch-lyrischen Liedschönheiten des slawischen Genres und wurden vom Publikum begeistert aufgenommen.

Eckehard Uhlig

22.03.2016, Mühlacker Tagblatt

Markus Bellheim brilliert am Flügel

Glanzstücke im Uhlandbau

Mühlacker. Vier bekannte Komponisten des Ostens hatte Peter Wallinger bei seinem Frühjahrskonzert mit der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ auf dem Programm versammelt. Wer mitreißende Melodien auf dem Weg zum Konzert im Ohr hatte, wurde im Verlauf des Samstagabends im Uhlandbau bestätigt. Furios gestaltete Wallinger auch den Programmauftakt, in dem er im ersten der beiden Slawischen Tänze op. 46, Nr. 8 Presto (Furiant) von Antonin Dvorák ein furioses Tempo vorlegte. Der zweite Tanz op. 72, Nr. 2 geriet gemäßigter, dennoch wollte Wallinger auch hier nicht zu schwärmerisch werden.

Glanzstück des Abends war der Auftritt des Pianisten Markus Bellheim. Bereits die ersten Töne des dritten Klavierkonzerts von Béla Bartók ließen aufhorchen. Mit größter Selbstverständlichkeit verwandelte Bellheim die Gedanken des Komponisten in Klang, mit schwebender Leichtigkeit glitten seine Finger über die Tastatur. Immer wieder suchte er dabei den Kontakt zu den Orchestermitgliedern: Motive und Gedanken wurden beantwortet und weitergetragen, so dass ein plastisch schönes Tongemälde entstand, in dem es viele Farben und Stimmungen zu entdecken gab. Der Wunsch, mehr vom Pianisten zu hören, wurde dem Publikum erfüllt. Noch einmal trat er an den Flügel und faszinierte die Zuhörer mit einem schmissigen Ragtime von Edward Elzear „Zez“ Confrey.

Der zweite Teil des Abends war der Programmmusik gewidmet. Alexander Borodins Auftragswerk zum 25. Thronjubiläum des Zaren Alexander entführte in die Steppe Mittelasiens. Bedrich Smetanas Vertonung der „Moldau“ schloss den Abend ab. Quirlig sprudelten die beiden Querflöten als frisch entsprungene Bächlein, bald erschienen vor den Augen die bekannten Szenen entlang des Flusses. Hier konnten die elegischen Streicher, das warme Holz und die strahlenden Blechbläser noch einmal in voller Schönheit glänzen. Mit warmem Applaus dankte das Publikum den Musikern für einen ohrenöffnenden Abend.

Irene Schallhorn

19.01.2016, Pforzheimer Zeitung

Von Bratschen-Soli gekrönt: Stimmungsvolle Neujahrs-Matinee

mit Gedichten und virtuos gespielter Musik

Herausragend: Hiyoli Togawa Foto: Henkel

Mühlacker. Peter Wallinger und seine Mitstreiter sind originell. Die Neujahrs-Matinee der von ihm geleiteten sueddeutschen kammersinfonie führte nicht in das Reich der Walzer, Polkas und Operetten, vielmehr wurde im Mühlacker Uhlandbau für das begeisterte Publikum ein Poesie-Strauß aus stimmungsvollen Gedichten und musikantischen Orchester-Stücken gebunden.

Jahreszeitlich passend dem Winter gewidmet, wobei auch im übertragenen Sinn frühlingshafte Sonnenstrahlen die Kälte aufmischten. Elegant musizierte das Streichorchester und stattete nicht nur die „Deutschen Tänze“ von Franz Schubert (aus D 90) und dessen Menuett Nr. 3 d-Moll (aus D 89) mit spielfreudig herausgearbeiteten Akzenten aus. Kunstvoll rezitierte das Schauspieler-Duo Nathalie Cellier und Peter Steiner vom deutsch-französischen Xenia-Theater dazu Winter-Lyrik von Matthias Claudius, Friedrich Hölderlin, Gottfried Keller, Georg Trakl, Hilde Domin, Droste-Hülshoff und Hermann Hesse – auch mimisch-gestisch begleitet und von zauberhaften Überleitungen zu den Musiknummern ergänzt. Zudem hatte Simon Wallinger vier Lieder aus Schuberts Zyklus „Die Winterreise“ sinnfällig für Soloviola und Streicher bearbeitet, die nun mit faszinierendem Bratschen-Gesang Wirkung erzielten.

Ohnehin war Solistin Hiyoli Togawa mit ihrer Viola das Ereignis der Konzert-Matinee. Nachdem die beiden Vortragskünstler mit Erich Kästners karnevaleskem „Februar“-Gedicht für heitere Pointen gesorgt hatten, interpretierte die exzellente Bratschistin zusammen mit der Kammersinfonie unter Peter Wallingers Leitung Schuberts „Arpeggione“-Sonate (D 821). Die schwebende Klarheit des Orchesters und der sangliche, samtweich-dunkle Ton der Viola erzeugten einen Klang wie aus einem Guss, der auch in rasanten Passagen von virtuosen Bratschen-Soli gekrönt wurde.

Eckehard Uhlig

19.01.2016, Bietigheimer Zeitung

Mit dem Orchester auf Winterreise

Konzert der "sueddeutschen kammersinfonie bietigheim" in der Kelter

Dirigent Peter Wallinger und die Solistin Togawa an der Viola. Foto: Martin Kalb

Bietigheim-Bissingen. Originell zusammengestellte musikalische und literarische Köstlichkeiten verpsrach das Neujahrskonzert der "sueddeutschen kammersinfonie bietigheim", das am Sonntag in der Bietigheimer Kelter aufgeführt wurde.

Unte der Leitung von Peter Wallinger begaben sich alle auf "Eine Winterreise" mit Musik von Franz Schubert und Leos Janáek. Im Mittelpunkt standen die vier Lieder "Wetterfahne", "Gefrorene Tränen", "Frühlingstraum" und "Der Leiermann" aus Schuberts "Winterreise" in einer eigens für das Konzert verfassten Bearbeitung für Solo-Viola und Streichorchester. Den Solopart spielte die preisgekrönte Bratschistin Hiyoli Togawa, deren Solodebüt bei der Mühlacker Gartenschau und in der Frauenkirche Lienzingen im September vergangenen Jahres mit großer Begeisterung aufgenommen wurde. Auch in Schuberts beliebter "Arpeggione"Sonate agierte sie gekonnt als Solistin.

Eine interessante Variation stellten die einzelnen Sätze aus Janáeks Suite für Streichorchester und verschiedene Tänze von Schubert dar. Passend zur Musik wurden Gedichte zum Thema "Winter" von Friedrich Hölderlin über Ulla HAhn und Hermann Hesse bis erich Kästner vorgetragen von Nathalie Cellier und Peter Steiner vom Xenia-Theater Karlsruhe.

18.01.2016, Ludwigsburger Zeitung

Neujahrskonzert erstmals ausverkauft

Knapp 200 Zuhörer bei der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim unter Leitung von Peter Wallinger

Neujahrskonzert in Murr, mit der Kammersinfonie. Foto: Holm Wolschendorf

Passend zum ersten Schnee des Winters, stand das Neujahrskonzert unter dem Motto "Eine Winterreise". Für Schubert-Fans eine Gelegenheit in Romantik zuschweigen.

Kulturamtsleiter Matthias Bader freute sich riesig. Erstmals in über 20 Jahren war das Konzert der SÜddeutschen Kammersinfonie Bietigheim uasverkauft. Unter den knapp 200 Zuhörern im Bürgersaal seien rund 8 Prozent Stammgäste, die sich schon lange vor dem Auftritt die Karten sicherten, schätzt er. Traditionell spielt sich das Ensemble unter der Leitung von Peter Wallinger hier in Murr für die Auftritte in der Heimatstadt und in Mühlacker warm.

Auf dem Programm stand hauptsächlich Franz Schubert mit den deutschen Tänzen Nummer eins und drei. Die Lieder "Wetterfahne", "Gefrome Tränen", "Frühlingstraum" und "Der Leiermann" aus dem Zyklus Winterreise. Das Menuett NR. drei in d-Moll und die "Arpeggio"-Sonate. Dazu wurden drei Sätze aus der Suite für Streichorchester des tschechischen Komponisten Leos Janacek aufgeführt.

Herausragend, mit welcher Leichtigkeit und sensibler Raffinesse die Musiker die Stücke interpretierten. Hervorzuheben ist dabei unbedingt die Konzertmeisterin Sachiko Kobayashi, die musikalische Zwiesprache mit der Solistin Hiyoli Togawa an der Viola hielt. Mit viel Gefühl waren die beiden die Reiseleiterinnen durch eine verschneite Winterlandschaft, die aber außerordentliche und stimmungsvolle Wärme verbreiteten.

Der Gründer und Leiter der Bietigheimer Kammersinfonie setzt Akzente und er führt die Musiker zu empathischem Ausdruck. Gemälde von Landschaften entstehen beim zuhören in den Köpfen, bei den Tänzen kribbelt es in den Beinen.

Musik wird so mit allen Sinnen erlebbar. Auch weil etwa die Texte der Lieder aus der Winterreise dem Programm zum Mitlesen beigelegt waren.

Auch so war der musikalische Abend mit literarischen Noten gewürzt. Nathalie Cellieiir und Peter Steiner vom Xenia-Theater Karlsruhe lasen Gedichte und Texte namhafter Schriftsteller. Erheiterndes wie Claudius' "Ein Lied hinterm Ofen zu singen", dem Schiller'schen "Punschlied" oder Kästners Beschreibung des Februar. Hönderlin wurde zitiert, Keller, Trakl und Domin soie Ulla Hahn, Annette von Droste-Hülshoff und Hermann Hesse. Auch Sprache wird so zur Melodie. Insbesondere wenn Cellier das Gedicht "Toile d'Hiver" auf Französisch sprach. Das Publikum ist wie in einen Bann gezogen, immer bevor sich begeisterter Applaus seinen Bann bricht, herrscte eine beinahe andachtsvolle Stille, in der man Stecknadel fallen hören könnte. Die Künstler bescherten dem Publikum einen grandiosen, sehr stimmungsvollen Abend. Ein leicht verspätetes Weihnachtsgeschenk, auf das es sich absolut zu Warten lohnte.

Thomas Faulhaber

19.01.2016, Mühlacker Tagblatt

Musiker laden Zuhörer zu Winterreise ein

Süddeutsche Kammersinfonie und eine herausragende Bratschistin begeistern das Publikum

Die Bratschistin Hiyoli Togawa begeistert mit ihrem ausdrucksstarken Spiel beim Neujahrskonzert der Süddeutschen Kammersinfonie. Foto: Appich

Ein erfrischender Klangkörper, eine herausragende Bratschistin und zwei sprachgewandte Vortragskünstler haben am Sonntag mit mehr als 150 Gästen eine musikalisch-literarische „Winterreise“ unternommen.

Mühlacker. Die Süddeutsche Kammersinfonie unter der Leitung von Peter Wallinger hatte im Rahmen der Konzertreihe „MühlackerConcerto“ zu einer Matinee mit Musik von Franz Schubert und Leos Janáček geladen, und zum winterlichen Melodienreigen passten sowohl die Gedichte, die Nathalie Cellier und Peter Steiner vortrugen, als auch die Schneeflocken, die draußen leise rieselten.

Mit erfrischenden, beschwingten Tanzliedern eröffnete das Streichorchester das vormittägliche Klangerlebnis, und die beiden Schauspieler des Karlsruher Xenia-Theaters rezitierten deutsche und französische Texte von Matthias Claudius, Friedrich Hölderlin und Elodie Santos und betrachteten Winternacht und Winterabend in Worten von Gottfried Keller und Georg Trakl. In einer eigens für diese Matinee verfassten Bearbeitung von vier Liedern aus Schuberts Zyklus „Die Winterreise“ verzückte die mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnete Solobratschistin Hiyoli Togawa das Mühlacker Publikum. Sie verstand es, den Konzertbesuchern den besonderen Charakter des lyrischen „Ichs“ im Stück „Wetterfahne“ nahezubringen und die stakkatohaft symbolisierten „Gefrorenen Tränen“ zu versinnbildlichen, das tempogeladene Erwachen des Frühlings musikalisch darzustellen und ein ergreifendes Abbild des schlichten, wunderlichen „Leiermanns“ mit Tönen zu malen. Ihr zweiter Auftritt nach drei von der Kammersinfonie in Perfektion vorgetragenen Sätzen der Suite für Streichorchester von Leos Janáček erinnerte die Solistin musikalisch an ein Kuriosum des Instrumentenbaus, dem Franz Schubert mit der „Arpeggione-Sonate“ ein bleibendes Andenken schuf, und Togawa spielte dessen Part in der Fassung für Viola und Streichorchester mit einem melodisch-warmen Ton.

Das nächste Konzert der Süddeutschen Kammersinfonie im Uhlandbau findet am 19. März statt und steht im Zeichen von „Impressionen aus Ost“.

Rainer Appich