Seit 25 Jahren präsentiert die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim anspruchsvolle klassische Musik unter Leitung von Peter Wallinger

In „dreierlei Hinsicht“, so Peter Wallinger (58), hätte es 1984 eine „günstige Konstellation“ zur Gründung eines sinfonischen Orchesters gegeben: Der Musiklehrer, der neben Schulmusik auch Mathematik und Musikwissenschaft studiert hat sowie die Ausbildung zum Kapellmeister absolvierte, traf im Ellental-Gymnasium auf viele junge, hochbegabte Musiker.

Im von ihm geleiteten Schulorchester spielten Musiker wie Lukas Friederich oder Ursula Schoch, die heute eine Karriere beim SWR-Sinfonieorchester oder im Amsterdamer Concertgebouw-Orchester verzeichnen können. „Als die jungen Leute aus der Schule entlassen wurden, wollten sie unbedingt in Bietigheim weiterspielen nach der tollen Erfahrung im Schulorchester“, erzählt der inzwischen auf eigenen Wunsch aus dem Schuldienst beurlaubte Wallinger. „Extrem viele Hochbegabungen gab es 1984 im Städtle, das war ein Glücksfall“, so der Kapellmeister. Der zweite Glücksfall war die Zusammenarbeit mit der Stadt Bietigheim-Bissingen.

Der damalige Oberbürgermeister Manfred List und sein Kulturamtsleiter Heinz Steidle waren der Gründung eines Orchesters im Namen der Stadt nicht abgeneigt. „Es war schon ein großes Wagnis, das Kammerorchester zu gründen“, erinnert sich Manfred List an die Zeit vor 25 Jahren. „Ob daraus eine Erfolgsgeschichte wurde, das kann ich mit einem klaren Ja beantworten“, so der OB im Ruhestand.

Die Stadt unterstützt bis heute das Orchester, indem sie zwei Konzerte bezahlt. Ansonsten ist die Kammersinfonie finanziell unabhängig, finanziert sich aus Mitgliedsbeiträgen ihres Fördervereins und Konzerten. Sponsoren wie die Stiftung Kultur der Kreissparkasse Ludwigsburg, die Bietigheimer Industrievereinigung, die Firma Hofmeister, die Stadtwerke oder andere Firmen unterstützen bei Konzerten. Durch die Kreissparkasse wurde es auch möglich, dass es eine kostenlose Jubiläumsbroschüre geben wird.

„In Bietigheim ist man sehr musikbegeistert und ließ sich immer wieder auf unsere Programme ein, die auch oft unbekannte Literatur beinhalteten“, sagt Wallinger. Die Resonanz in der Bevölkerung ist so groß, dass viele Konzerte im Kronenzentrum oder der Kelter schnell ausverkauft sind. Auch die Nachfrage für die Schülerkonzerte einmal pro Jahr für die Erst- bis Fünftklässler ist „bombastisch“, so Wallinger. „Die Kammersinfonie ist zweifelsohne zu einem kulturellen Markenzeichen für unsere Stadt geworden“, resümiert Manfred List.

Peter Wallinger sieht sein Orchester als Botschafter der Stadt, wobei er sich wünscht, dass diese Funktion in Form von mehr Konzerten außerhalb der Stadt noch gesteigert werden könnte. „Wir könnten den guten Ruf unserer Stadt mit Musik in die Welt hinaustragen“, sagt der Leiter der Kammersinfonie. Doch die dafür notwendige Organisation wächst ihm über den Kopf. Damit in Zusammenhang steht auch sein Wunsch für die Zukunft des Orchesters. „Ich wünsche mir die Unterstützung der Stadt in Form von einer Anstellung eines Orchester-Managers“, so Wallinger. Bisher bewältigte der Dirigent mit Hilfe der Vorsitzenden des Fördervereins, Hannelore Burgmann, sowohl die künstlerische als auch die organisatorische Leitung. Vor allem im Aquirieren von Konzerten sieht er ein verbesserungsfähiges Defizit. Dies bescheinigte ihm auch eine Studie des Instituts für Kulturmanagement der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. Im musikalischen Bereich könne das Orchester mit seinen 40 Musikern aber nicht besser und professioneller arbeiten, ist Wallingers Einschätzung.

Gabriele Szczegulski

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