Mit seinen Neujahrskonzerten hat das Kulturprisma Murr eine erfolgreiche Tradition geschaffen. Dies hat sich einmal mehr bei der 16. Veranstaltung mit der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim bestätigt, die am Samstag vor vollem Haus einmal mehr ihren Ruf als Erfolgsgarant bekräftigen konnte. Von Tradition „ohne Routine oder Langeweile“ sprach Kulturamtsleiter Matthias Bader, der dem Ensemble und seinem Leiter Peter Wallinger herzlichen Dank übermittelte.

Mit seinen vitalen Interpretationen hat sich das Bietigheimer Orchester unter seinem Gründer und Dirigenten Peter Wallinger in den 25 Jahren seines Bestehens einen außergewöhnlichen Ruf verschafft. Das Ensemble musiziert auf professionellem Niveau, begeistert durch Frische und Spielfreude und überrascht immer wieder mit Klangerlebnissen der besonderen Art.

Foto: Marbacher Zeitung

Beim diesjährigen Neujahrskonzert führte Peter Wallinger sein Publikum in diesem Jahr auf eine unterhaltsame Reise in die Salons von Wien, wo Johann Strauss und Josef Lanner um den Titel des Walzerkönigs wetteiferten, und nach Paris, wo Jacques Offenbach mit seinem berühmten „Cancan“ von sich reden machte. Aber es wären nicht Peter Wallinger und seine Süddeutsche Kammersinfonie, wenn er nicht etwas andere Akzente gesetzt hätte. Nicht Johann Strauss repräsentierte Wien und nicht der „Cancan“ Paris. Mit diversen Schmankerln klassischer Salonmusik wurden Wien und sein böhmisch geprägtes Hinterland musikalisch lebendig.

Josef Lanner wurde nicht als Walzerkönig präsentiert, sondern mit einem Neuen Ländler vorgestellt, während Antonín Dvorák mit einem Walzer brillierte und Franz Schubert mit drei Deutschen Tänzen auf seine Weise Wiener Schmäh vermittelte. „Der alte Brummbär“ – ein polkaähnliches Stück von Julius Fucik für Salonorchester und Solofagott – wurde zum äußerst unterhaltsamen Höhepunkt des Abends. Das Publikum genoss den pfiffigen Dialog zwischen dem Fagott in der Rolle des brummigen Bären, der sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt, und dem ebenso kapriziös agierenden Orchester.

Frank Lehmann, erster Solofagottist der Stuttgarter Philharmoniker, ließ den alten Brummbär galant geschwätzig musikalisch zu Wort kommen. Mit einer Ballettmusik von Christoph Willibald Gluck, einer Streicherserenade von Jacques Offenbach und einer Barkarole von Peter Iljitsch Tschaikowsky wurde Pariser Salonmusik mit viel Pizzicato pfiffig und galant serviert. Bei der „Sicilienne op. 78“ und der ausdrucksstarken „Suite de trois morceaux“ von Benjamin Godard konnte sich Verena Guthy-Homolka als Solistin (Querflöte) bravourös entfalten und den vielfältigen Stimmungen gerecht werden, die vom fantastisch musizierenden Ensemble ebenso mitgetragen wurden.

Neue Musik vertrauter und vertraute Musik neu erlebbar zu machen, hat sich Peter Wallinger zum Ziel gesetzt, als er 1984 die Süddeutsche Kammersinfonie gegründet hat. Dieser Zielsetzung ist das Ensemble auch beim jüngsten Auftritt treu geblieben, den es mit einer Romanze als Zugabe ausklingen ließ, bei der die beiden Solisten noch einmal großartig aufeinander abgestimmt virtuos gemeinsam musizierten.

Herzlicher Beifall dankte dem Ensemble und seinem Dirigenten – dankbare Kommentare der Besucher galten dem Veranstalter der Neujahrskonzerte im Murrer Bürgersaal, wo Jahr für Jahr – wie sich in der Zwischenzeit herumgesprochen und jetzt erneut bestätigt hat – so gute und großartig interpretierte Musik geboten wird.

Helmut Schwarz

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