Blockflötist Daniel Koschitzki und die Süddeutsche Kammersinfonie überzeugen das Publikum beim Gastspiel in Ötisheim

Auf eine musikalische Reise nach Venedig und Prag hat die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim die Besucher des Neujahrskonzerts mitgenommen, das zum ersten Mal in der großzügig restaurierten Kelter in Ötisheim stattfand.

Foto: Fotomoment

Unter der Leitung von Peter Wallinger musizierte das Orchester in fülliger, hell leuchtender Klangpracht. Es versprühte regelrecht und in hohem Maß musikalische Funken. Durch das Programm führte sachkundig Edgar Wipf. Die Matinee am Sonntagvormittag stieß bei Musikfreunden aus nah und fern auf enormes Interesse, sodass noch in letzter Minute zusätzliche Stühle aufgestellt werden mussten.

Der große Raum im Erdgeschoss der Ötisheimer Kelter weist, wie schon von den ersten Takten des Konzerts erkennbar war, eine warme Akustik auf, die insbesondere einem Konzert mit erlesenem Streicherklang außerordentlich gut tut. Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim gestaltete zur Einleitung ein Concerto in G-Dur, Opus 51, Nummer vier von Antonio Vivaldi, das den Zusatz „alle rustica“ trägt voller Schwung in wohl dosierten Tempi. Auch zwei Sätze der Streichersonate Nummer zwei in A-Dur, einem genialen Jugendwerk von Gioacchino Rossini, und schließlich das Konzertstück für Streicher mit dem Titel „Chrysanthemen“ von Giacomo Puccini wurden als musikalische Kostbarkeiten von den Musikern unter Peter Wallingers Leitung dargeboten.

Den Programmteil „Venedig“ bereicherte mit der Aufführung von Kompositionen von Giuseppe Sammartini und Antonio Vivaldi der exzellente Virtuose auf der Sopranblockflöte Daniel Koschitzki. Dieser junge Könner auf seinem Instrument interpretierte ein Concertino in F-Dur von Sammartini, einem jüngeren Zeitgenossen von Vivaldi, mit virtuoser Bravour. Die kompliziertesten, geradezu verwegen angelegten schnellen Passagen sowohl dieses Werks als auch im weiteren Verlauf des Neujahrskonzerts in Ötisheim erst recht des Concertos in C-Dur für Flöte und Streicher von Vivaldi führte Daniel Koschitzki in rasantem Tempo und in unvergleichlich präziser Intonation, dazu auch überaus nuanciert im Ausdruck aus. Er musizierte förmlich mit dem ganzen Körper und zuweilen schien es so, als wollte der sein Spiel noch mit tänzerisch anmutenden Bewegungen ergänzen. Für den frenetischen Beifall nach dem Vivaldi-Concerto bedankte sich Daniel Koschitzki noch mit einer brillant ausgeführten Zugabe. In ähnlicher Weise waren auch die Besucher des Neujahrskonzerts, das am Sonntagnachmittag noch einmal in der Kelter in Bietigheim-Bissingen zu hören war, von diesem temperamentvollen und energiegeladenen Feuerwerk nach Noten begeistert.

Im zweiten Programmteil waren Kompositionen der tschechischen Komponisten Josef Myslivecek, der im 18. Jahrhundert lebte, sowie Antonin Dvorák und Leo_ Janácek zu hören. Ein Quintetto in Es-Dur von Myslivecek ließ die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger sehr elegant und in der Melodik feinstimmig erklingen. Der Komponist lebte hauptsächlich in Italien, weshalb seine Kompositionen vom dortigen farbenreichen Stil geprägt sind. Zwei Walzer aus Opus 54 von Antonin Dvorák erlebten schwebend leichte und delikate Wiedergaben und auch drei Sätze des Zyklus „Idylle“ von Janácek waren in der Ausführung durch das in zart schimmernden Klangfarben musizierende Streichorchester ein Genuss. Nach anhaltendem, freudigen Schlussapplaus spielte die Süddeutsche Kammersinfonie noch eine kurze Zugabe. Nach dem Konzert meinte Peter Wallinger im Gespräch mit unserer Zeitung, er sei von dem Ambiente und der Akustik der Kelter so angetan, dass er beabsichtige, auch in Zukunft hier mit der Kammersinfonie aufzutreten.

Rudolf Wesner

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