Bietigheimer Orcheser musiziert gemeinsam mit dem Ensemble „Alliage“ – Ungewöhnliches Arrangement und Besetzung im Kronenzentrum

Kr-Sk Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim/Alfred Drossel

Es war nicht das erste Mal, dass Peter Wallinger entweder kaum bekannte oder nur selten gespielte Werke aus den Tiefen seines Notenarchivs hervorzog und diese, mit der von ihm gegründete süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim aufführte.

In seinem Konzertprogramm „Begnung zweier Klangkörper“ verband Wallinger Streicherpracht mit dem warmen, satten Klang der vier Saxofone, virtuos vorgetragen vom Ensemble „Alliage“. Doch zunächst erklang die „Serenata notturna“ in D-Dur, KV 249, für Steicher und Pauken von Wolfgang Amadeus Mozart. Schon im ersten marschartigen Satz enstand ein markanter Kontrast aus elegantem, geschmeidigem Streicherklang und kraftvollen Paukenschlägen. Auch das in schreitendem Tempo dargebotene Menuetto wurde damit im Ausdruck fester, ohne dass dies den typischen Mozart-Melodiefluss beeinträchtigte. Das abschließende Rondo erfreute in seinem musikalischen Humor, den die süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim glanzvoll auslotete.

Eine Aufführung „In neuem Gewand“ stand auf dem Programm. Gemeint war ein neuzeitliches Arrangement der „Sonata piano e forte“ des italienischen frühbarocken Komponisten Giovanni Gabrieli, denn an Stelle von ursprünglich vorgesehenen „Zinken“, also Trompeten, übernahm das Saxofonquartett „Alliage“ dessen Aufgaben. In diesem Ensemble wirken Daniel Gauthier (Sopransaxofon), Eva Barthas (Altsaxafon), Koryun Asatryan (Tenorsaxofon) und Sebastian Pottmeier (Baritonsaxofon) mit. Bereits bei der Aufführung des barocken Werks brachten sie die farbenprächtige Klangfülle dieses Blasinstruments vollendet zur Geltung. Die Verbindung des feinstimmigen, aber auch opulenten Steicherklangs mit dem der vier Saxofone ließ ein anmutiges Hörvergnügen entstehen. Im Alter von 23 Jahren komponierte der Tscheche Leos Janácek (1854 bis 1928) eine Suite für Streicher mit sechs Sätzen. Für die süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim war die Komposition eine weitere anspruchsvolle Aufgabe, mit der sich ihr feiner Streicherglanz silbrig klar ausbreitete.

Im zweiten Teil des Konzerts stand das Saxofonquartett „Alliage“ im Mittelpunkt. Aus der Oper „Porgy an Bess“ von George Gershwin musizierte das Ensemble eine Suite mit bekannten und beliebten Melodien des zwischen 1933 und 1935 entstandenden Bühnenwerks. Es klang fetzig und jazzig, aber auch, etwa bei der beseelten Intonierung des Blues „Summertime“, atmosphärisch verträumt.

Zum Abschluss spielte die süddeutsche Kammersinfonie und das Ensemble „Alliage“ unter der Leitung von Peter Wallinger bei der Aufführung einer „Carmen-Rhapsodie“ mit den Melodien von Georges Bizet, hier in einem für diese beiden Klangkörper von dem Japaner Nun Nagao geschaffenen Arrangements, das zudem noch umfangreiches Schlagwerk vorsah.

Solches mit Bravour und brodelnden Temperament ausgeführtes Musizieren hörte man bisher eher selten von dem Bietigheimer Streichorchester und die vier Saxofoninterpreten hatten kaum Zeit zum Atemholen, als sie in rasantem Tempo und viel Virtuosität spielten und dafür mit großem Beifall durch das Publikum bedacht wurden.

Rudolf Wesner

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