Jubiläumskonzert: 30 Jahre „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“. Es ist immer wieder ein Glück, Ursula Schoch, die exzellente Geigerin und Konzertmeisterin des weltberühmten Concertgebouw Orchesters Amsterdam, hören zu dürfen. Sie ist sich nicht zu schade, in ihrer Heimatregion auch vor vergleichsweise kleinem Publikum zusammen mit Peter Wallinger und seiner „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ im Mühlacker Uhlandbau zu musizieren.


Virtuos: Ursula Schoch und die „süddeutsche kammersinfonie“. Foto: Fotomoment

Beim Festkonzert zum 30-jährigen Bestehen der Kammersinfonie spielte Schoch Felix Mendelssohn-Bartholdys anspruchsvolles e-moll Violinkonzert op.64. Die temperamentvolle Präsenz, mit der die Solovioline gleich im zweiten Takt des ersten Satzes (Allegro molto appassionato) hervortritt, meisterte Schoch souverän: Klangfarbe und Phrasierung weiteten sich in Dreiklangsbrechungen zu Sehnsuchtsseufzern über flirrenden Orchester-Streichern und lockenden Pauken. Dann glühte ihr satter Geigenton, um in rasanten Skalen bis in höchste Lagen aufzusteigen. Die überraschende Kadenz in der Satzmitte schien von sinnlicher Poesie erfüllt, um schließlich, Tempo aufnehmend, kraftvoll in die Orchestertutti einzumünden. Solopassagen des sich unmittelbar anschließenden zweiten Satzes (Andante) verzauberten mit zart verschwebendem Schmelz. Ausdrucksstarke Doppelgriff-Sequenzen folgten. Im Finalsatz (Allegro molto vivace) lösten sich die Spannungen solistisch in musikantischen Ausrufezeichen, wunderbar schwerelos gebotenem Laufwerk und federnden Springbögen bis zum auftrumpfenden Abschluss.

Wallinger und sein Ensemble hatten das Konzert mit dem dramatischen Gestus der Egmont-Ouvertüre op.84 von Ludwig van Beethoven eingeleitet. Nach dem gemeinsamen Auftritt mit Ursula Schoch beeindruckte die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ und ihr ungewohnt leidenschaftlich am Pult agierender Dirigent mit der Wiedergabe von Franz Schuberts h-moll-Sinfonie D 759, der „Unvollendeten“. Das im Einleitungssatz geheimnisvoll und dunkel einsetzende Unisono der Bassgruppe oder das in den Holzbläsern über vibrierenden Streicherteppichen singende Hauptthema zelebrierten die Interpreten mit unerhörter Emotionalität. Im zweiten Satz bestimmten synkopische Unruhe, später auch ein strahlender Bläsersatz den einfühlsam zu struktureller Geschlossenheit überführten harmonischen Reichtum. Wallinger hielt die Aufführung unter nie nachlassender Spannung und zeichnete mit seinen Musikern fantastische Klanglandschaften. Würdiger hätte das begeistert aufgenommene Jubiläums-Musikfest kaum begangen werden können.

Eckehard Uhlig

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.