Mühlacker. Peter Wallingers frei finanzierte sueddeutsche kammersinfonie bietigheim hat nichts mit dem üblichen Tarif-Orchesterbeamtentum gemein. Das erfordert auf der einen Seite viel Mut und Risikofreude, andererseits bietet sein Ensemble Chancen für junge Musiker sich zu profilieren.

Peter Wallinger dirigiert die sueddeutsche kammersinfonie. Foto: Fotomoment

So am Samstag im Mühlacker Uhlandbau, wo Trompetenprofessor Reinhold Friedrichs Meisterschüler Eline Beumer und Saleem Khan mit erfrischendem Elan aufspielten und Petronio Franceschinis Konzert D-Dur für zwei Trompeten und Orchester mit metallisch gleißendem Bläserglanz ausstatteten. Das „Adagio“ leuchtete in sehr zarten Farben, in den „Allegro“-Sätzen pulsierte barock prächtiges Klanggepräge.

Folkloristisch ausgelassen kam dann Edvard Griegs „Hochzeitstag auf Troldhaugen“ (op.65, 6) daher. Passend dazu die im Programm folgende „Böhmische Suite op.39“ von Antonín Dvorák, deren „Polka“ einen munteren Tanz präsentierte, in der „Romance“ mit Holz- und Blechbläser-gesättigten Tonmalereien aufwartete und mit rauschhaften Paukenwirbeln in ein rhythmisch schwungvolles, fulminantes „Furiant-Finale“ einmündete.

Nach der Pause waren die Zuhörer Zeugen einer aufwühlenden musikalischen Großtat, die Wallinger am Dirigentenpult und seine Kammersinfonie mit Hingabe und Leidenschaft ins Werk setzten. Ludwig van Beethovens „Eroica“ (Sinfonie Nr.3 in Es-Dur, op.55) ist kein orchestraler Spaziergang, sondern fordert die Interpreten bis an ihre Grenzen. In Mühlacker erlebte man – trotz der kleinen (aber sehr ausgewogenen) kammerphilharmonischen Orchesterbesetzung – eine klare, neue Art, Beethovens Symphonik intelligent durchgeformt anzugehen, eine Wiedergabe, die bemerkenswerte Energien entfesselte, aber auch kraftvolle Sammlung und Ruhe ausstrahlte. Die Interpretation des einleitenden „Allegro con brio“ zeichnete sich durch dynamisch spannungsreich akzentuierte, straff durchgezogene Tempi aus. Der Trauermarsch („Marcia funebre. Adagio assai“) entfaltete sich mit singender Oboenstimme elementar und heroisch, im „Scherzo“ bereiteten verlangsamte Formteile auf triumphale Crescendi vor. Die zwingend entwickelten Final-Variationen im letzten Satz entfachten mit ihrer Kühnheit und Wucht „Feuer im Geiste“, wie es Beethoven selbst formulierte. Über dieses Konzert lässt sich sagen: Die Begeisterung höret nimmer auf.

Eckehard Uhlig

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