Fabelhaftes Programm beim Neujahrskonzert der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim im Murrer Bürgersaal unter der Leitung von Peter Wallinger

Konzentriert und auf hohem Niveau bot die Süddeutsche Kammersinfonie in Murr ihr Neujahrskonzert dar. Foto: Holm Wolschendorf

Mit freudigem Applaus bedankten sich die Besucher des Neujahrskonzerts der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim am Samstagabend im Murrer Bürgersaal für ein wahrhaft fabelhaftes Programm, das Orchesterleiter Peter Wallinger arrangiert hatte.

Nathalie Cellier und Peter Steiner vom Xenia­Theater in Karlsruhe rezitierten in deutscher und französischer Sprache die lehrreichen und gleichzeitig sehr amüsanten Fabeln des französischen Dichters Jean de la Fontaine. Sie verstanden es eindrucksvoll, die Texte lebendig und akzentuiert vorzutragen, so dass sich Musik und Wort zu einem feinsinnigen Gesamtkunstwerk verbanden.

Passend zur jeweilig dargebotenen Fabel hatte Peter Wallinger Kompositionen aus Barock, Spätromantik und Gegenwart ausgewählt, die von den Musikern der Kammersinfonie im gewohnt hellleuchtenden Streicherklang zu Gehör gebracht wurden.

Auf die Fabel „Das Huhn mit den goldenen Eiern“ folgte zum Beispiel die Komposition „La Poule“, ein Konzert in g­ Moll von Jean Philippe Rameau, dem französischen Zeitgenossen von Johann Sebastian Bach. Sehr ernst war der Charakter des Tongedichts für Streichorchester mit dem Titel „Furuenes Sang“, zu deutsch „Gesang der Tannen“, des 1952 geborenen norwegischen Komponisten Halvor Haug. Er schrieb das elegische, keineswegs leicht zu erfassende Werk 1987, als er mit ansehen musste, wie vor den Fenstern seines Hauses ein ganzer Tannenwald gerodet wurde.

„Es sind die im Sterben begriffenen Bäume, die den Gedanken hinter dem Werk bilden“, notierte Haug dazu. Das in äußerst verhaltenen Tempi musizierte und noch im tonalen Bereich angesiedelte Stück wirkte düster und weltentrückt und wurde vom Orchester geradezu andachtsvoll, jedoch in warmer, dichter Klangpracht ausgeführt. Davor hörten die Besucher die Fabel „Der Tod und der Holzfäller“.

Nach der heiteren Fabel „Die Grille und die Ameise“ standen zwei Sätze aus „Die Jahreszeiten“, Opus 37a, von Tschaikowsky auf dem Programm, die bewegt und in vollendetem Streicherglanz dargeboten wurden. Im „Lied der Lerche“ konnte sich Konzertmeisterin Sachiko Kobayashi als virtuos musizierende Violinsolistin einbringen. Auf die szenische Darstellung der Fabel „Der Rabe und der Fuchs“, die gleichfalls eindrucksvoll humorig von Nathalie Cellier und Peter Steiner vorgeführt wurde, folgte aus dem Tschaikowsky­Zyklus noch ein beschwingt und unbeschwert gespielter Walzer.

Mit einer delikaten, nuancenreichen Interpretation von Mozarts kleiner Nachtmusik schloss das Neujahrskonzert unter lang anhaltendem Beifall. Gestern Nachmittag führte die Süddeutsche Kammersinfonie dieses abwechslungsreiche Programm auch in der Kelter in Bietigheim auf.

Rudolf Wesner

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