Neujahrskonzert der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim im Mühlacker Uhlandbau

Mühlacker. Oft gleichen Neujahrskonzerte einem sich wiederholenden Ritual: Hier Strauß-Walzer-Träume samt Radetzky-Marsch, dort Beethovens „Neunte“. Etwas einfallsreicher präsentieren Peter Wallinger und seine sueddeutsche kammersinfonie ihrem Mühlacker Publikum Neujahrsgrüße – in Form einer spritzigen Melange aus Text und Musik. Zusammen mit den Schauspielern Nathalie Cellier & Peter Steiner vom deutsch-französischen Xenia-Theater servierten die Musiker heuer eine „Voyage fabuleux“, eine fabelhafte Reise in Wort und Ton.

In meisterlicher Deklamation, aufgelockert durch dialogisches Spiel, rezitierten die beiden Theater-leute teils in kristallklarem Französisch, teils in deutscher Übersetzung vier berühmte Fabeln von Jean de La Fontaine. Darunter „La Cigale et la Fourmi“ (Die Grille und die Ameise), wobei Cellier die Stimme der singenden Cigale im heiteren Stil französischer Chansons nachahmte, und „Le Corbeau et le renard“ (Der Rabe und der Fuchs). Hier setzte sich der Rabenvogel, der aus Eitelkeit seinen duftenden Käse verspielt, mit Glitzerschmuck, Perücke und Rüschenbluse verkleidet, charmant in Szene.

Mit Wallinger am Pult musizierte die Kammersinfonie zu der Fabel „Das Huhn mit den goldenen Eiern“ Jean-Philippe Rameaus barock-lautmalerisch sehr lustig auf das Hühnergegacker anspielen-des G-Moll-Konzert „La Poule“. Zur Fabel „Der Tod und der Holzfäller“ interpretierte das mit 16 Streichern besetzte Ensemble den zeitgenössischen, zuweilen schrill-dissonanten, in manchen Passagen aber auch klangschön mit feinem Violin-Gesang durchsetzten „Furuenes Sang“ (Gesang der Tannen) des norwegischen Komponisten Halvor Haug. Zu den beiden anderen Fontaine-Fabeln erklangen tänzerisch ausgefeilte Barkarolen und Walzer von Peter Tschaikowsky aus dessen „Jahreszeiten““ (op.37a).

Ein Ohrwurm-Rausschmeißer, Wolfgang Amadeus Mozarts „Kleine Nachtmusik“, rundete das Mühlacker Neujahrskonzert im ausverkauften Saal des Uhlandbaus musikalisch schwungvoll ab.

Eckehard Uhlig

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