Musiker der Süddeutschen Kammersinfonie führen Grundschüler in der Kelter in die wundersame Welt des Komponisten Joseph Haydn ein

Joseph Haydn (Jörg Schade) will einfach nur arbeiten, doch die Tierwelt kommt dem genialen Komponisten immer wieder in die Quere. Foto: Oliver Bürkle

Joseph Haydn hat’s nicht leicht. Der geniale Komponist will sich einfach nur auf seine Arbeit konzentrieren, doch dabei kommt ihm immer wieder die Tierwelt in die Quere. Fliegen schwirren in seinem Arbeitszimmer umher und hinterlassen beim Schlag mit der Fliegenpatsche hässliche schwarze Flecken auf seinem Notenpapier, die vorlaute Maus Luise beißt Löcher in die Dokumente.

Zu allem Überfluss hat Maria Theresia, die Kaiserin von Österreich-Ungarn hochstselbst, eine Giraffe geschenkt bekommen. Nun fordert die Monarchin ein passendes Musikstück. Dabei weiß der im 18. Jahrhundert lebende Komponist noch nicht einmal, wie dieses exotische Tier aus dem fernen Afrika überhaupt aussieht – Haydn steht am Rande des Nervenzusammenbruchs.

Dies ist die Ausgangslage des Stucks „Papa Haydns kleine Tierscbau oder Wie klingt eine Giraffe“, welches das Bläserquintett der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim noch bis zum heutigen Mittwoch bei insgesamt sechs Vorstellungen in Zusammenarbeit mit der Pyrmont Theater Companie vor Grundschülern in der Kelter aufführt. Auf Einladung des städtischen Kulturamts zeigt die Kammersinfonie alljährlich ein Musiktheaterprojekt, zu dem nicht nur Grundschüler aus Bietigheim-Bissingen, sondern auch Schulklassen aus Nachbarkommunen herbeistromen. „Die Vorstellungen sind immer ausverkauft“, sagt Anne Himmelsbach vom Kulturamt.

Das ist am Dienstagmorgen nicht anders. Die Musiker treffen auf ein begeistertes Publikum und stellen ein Projekt vor, das sich ohne Einschränkung als pädagogisch hesonders wertvoll bezeichnen lässt. Jörg Schade von der Pyrmont Theater Companie, der das Stück gemeinsam mit seinem Kollegen Franz-Georg Stahling entwickelt hat, spielt einen ebenso zerstreuten wie liebenswürdigen Haydn, der sich fürsorglich um seine Musiker kümmert und diese auch mal auf deren ungebügelte Hosen oder Mundgeruch hinweist. Seiner Fürsorglichkeit brachte dem genialen Musiker einst auch seinen Spitznamen „Papa“ ein.

Gemeinsam begeben sich Hauptdarsteller, Grundschühler und Bläserquintett auf die Suche nach der perfekten Musik für das ungewöhnliche Geschenk. Dabei lernen die Kinder verschiedene Instrumente und die Musik von Hadyn kennen, der ein gewaltiges Werk von fast 100 Symphonien erschuf.

Die Musik steht im Mittelpunkt, doch die Handlung lässt Spielraum für manch slapstickartige Einlage. Etwa wenn sich Hadyn, bewaffnet mit einem Besenstil, auf Mäusejagd begibt. Solche Einlagen sind ganz nach dem Geschmack der Kinder. Vor allem aber geht es natürlich darum, die Lust auf klassische Musik zu wecken. „Bleibt der klassischen Musik treu“, empfiehlt Haydn zum Abschied. „Es lohnt sich.“

Frank Klein

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