Neujahrskonzert mit der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ spannt einen breiten musikalischen Bogen.


Britten, Nordgren, Respighi und Bartók: Peter Wallinger dirigiert vier Werke aus vier Regionen Europas. Foto: Fotomoment

Mühlacker. Ein Neujahrskonzert mit Musik aus allen Himmelsrichtungen hat am Sonntag die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ im Mühlacker Uhlandbau geboten. Ein Konzept, das gerade in stürmischen Zeiten das Augenmerk wieder darauf legt, dass wir durchaus nicht alleine stehen, da sich rings um uns herum Nachbarn befinden, die uns bereichern.

Mühlacker. Ein Neujahrskonzert mit Musik aus allen Himmelsrichtungen hat am Sonntag die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ im Mühlacker Uhlandbau geboten. Ein Konzept, das gerade in stürmischen Zeiten das Augenmerk wieder darauf legt, dass wir durchaus nicht alleine stehen, da sich rings um uns herum Nachbarn befinden, die uns bereichern.

Allzu fern schweifte die Kammersinfonie dabei nicht in die Ferne, lag das Gute doch, wie so oft, so nah. So konzentrierte sich Peter Wallinger als musikalischer Leiter auf Werke aus vier allerdings sehr unterschiedlich geprägten Ländern Europas. In einer Zeit, die von Brexit und aufkommendem Nationalismus auf der einen und von großer Hilfsbereitschaft, Offenheit und europäischen Idealen auf der anderen Seite geprägt ist, stellte das grenzüberschreitende Programm wieder einen kleinen Baustein dar, um daran zu erinnern, wie reich die Welt gemeinsam sein kann und wie vielfältig sie trotz oder gerade wegen ihrer Unterschiede doch ist.

So machte das Programm schon beim Lesen neugierig auf die Musik. Als besonderen Gast hatte sich Peter Wallinger Johann-Michael Schneider eingeladen, der als studierter Germanist und Violinist das Bindeglied zwischen Musik und Wort darstellte. In ruhiger Stimmlage ergriff er das Wort und sprach die Hoffnung aus, dass es trotz aller Dunkelheit und schweren Zeiten wieder frühlingshell werden möge. Aus Elias Canettis „Auftakt …“ zitierte er ein paar mahnende und zugleich vorab lobende Worte an das Publikum, denn kein Publikum sei so wohlerzogen wie ein Konzertpublikum, das ruhig und aufmerksam dem Geschehen auf der Bühne folge. Wobei „ruhig“ in der Erkältungszeit ein nicht ganz einfaches Unterfangen ist.

Dann aber ließ die sueddeutschen kammersinfonie ihre Instrumente mit Benjamin Brittens „Simple Symphony“ und damit einem Werk aus einem Land erklingen, das eher dem europäischen Westen zugeordnet werden kann. Energisch forsch ging es das Orchester an, während der zweite Satz zart, mal an Regentropfen, mal an ein Gitarrenensemble erinnernd, durch den Saal tanzte. Der dritte Satz schloss das Werk in lyrisch schönem Ernst ab.

Finnland stand Pate für den Norden Europas. Ein trotz der Vorwarnung durch Schneider sehr langer Text über eine Busfahrt in Finnland bereitete dennoch gut auf die nordische Weite vor. Pehr Nordgrens „Spielmannsporträts“ bereiteten der Kammersinfonie sichtbar Freude, kamen in der Ausführung aber nicht über die finnische Seenplatte hinaus und blieben eher blass. Ganz anders der feurige Süden. Auch hier führte Schneider literarisch in die ländlichen Gegebenheiten ein und zitierte aus einem Text Vittorinis, der mit einem Augenzwinkern von dem Besuch eines heimkehrenden Sohnes bei seiner Mutter in Italien berichtet. Schwärmerisch und in vollem Klang, gefühlvoll und warm rundet die Kammersinfonie mit einer Folge von Arien aus der dritten Suite der „Antiche Danze ed Arie“ von Ottorino Respighi den Ausflug nach Südeuropa ab.

Der Osten darf zum Schluss seine geheimnisvolle Schönheit enthüllen. Schneider liest aus Deszö Kosztolányis „Ein Held seiner Zeit“ die wunderbare Begegnung des fiktiven Dichters Kornél Esti mit einer erblühenden türkischen Schönheit. Béla Bartóks Rumänische Volkstänze daran anzuschließen, führt den Gedanken des Hörers quasi weiter, konnten doch der Dichter und seine türkische Schönheit gemeinsam das Tanzbein schwingen. Und zugleich rundet es den Gedanken des Konzerts ab. Denn die Verbrüderung der Völker sei, so zitiert Schneider den Komponisten, die eigentliche Idee, der er in seiner Musik dienen wolle.

Und wenn diese Idee so schön und zugleich klangvoll durch die Soloviolinistin Sachiko Kobayashi und die energisch und doch tänzerisch aufspielende sueddeutsche kammersinfonie bietigheim unter Peter Wallinger erklingt, kann man wahrhaft auf den „Europäischen Frühling“ hoffen.

Irene Schallhorn

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