Interpret mit makelloser Technik: Wolfgang Bauer. Privat

Mühlacker. In höchsten Lagen säuseln und zupfen die Streicher. Man meint, ferne sphärische Engelsstimmen zu hören und fühlt sich bestätigt, als bei stärker werdendem Streicherton Melodie-Fragmente des Weihnachtschorals „Vom Himmel hoch, da komm‘ ich her“ zu vernehmen sind.

Peteris Vasks „Musica adventus“, die unter Peter Wallingers Leitung von der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim zart und einfühlsam interpretiert wird, gibt dem Auftakt der neuen Cocerto-Reihe im Mühlacker Uhlandbau sein Motto und stimmt sinnfällig auf die Vorweihnachtszeit ein.

Im Mittelpunkt des Konzertgeschehens steht freilich der exzellente Stuttgarter Trompeter und Echo-Klassik-Preisträger Wolfgang Bauer mit virtuos-festlicher Bläser-Musik. Im Concerto per Corno Primo von Johann Baptist Neruda für kleines Diskanthorn und Streicher entfaltet der Solist barocke Klangpracht in ihrer ganzen Farbigkeit: Im rasanten Wiegeschritt wirbeln die Skalen und Läufe des einleitenden Allegro-Satzes. Das breit ausgezogene Largo bestimmen fließende Linien. Im Vivace glänzt das Horn mit jagdlichen Tonfolgen.

Eines der beliebtesten Trompetenkonzerte ist Joseph Haydns Es-Dur-Konzert (Hob. VII e 1). Alle bedeutenden Trompeter haben es im Repertoire. Dabei nimmt Bauers meisterliche Interpretation in Mühlacker gewiss eine Spitzenposition ein. Die chromatischen Gänge, Triller und staccatierten Figurationen im ersten Satz (Allegro) werden mit makelloser Technik und Klarheit bewältigt. Von der Kammersinfonie sanft untermalt, singt im Andante eine empfindungsreich galante Bläser-Melodie, die im Piano lyrischen Charakter aufzeigt. Im Finale strahlt fanfarenartiges Forte. Die begeisterten Zuhörer erklatschen sich eine Zugabe: eine Berceuse des seinerzeit berühmten russischen Trompeters Wassili Brandt (1869-1923).

Ratternde Rhythmen

Bemerkenswerte Klangenergien entwickelt Wallingers Ensemble bei der Wiedergabe von Ludwig van Beethovens achter Sinfonie (in F-Dur, op. 93). Die Interpreten verzichten auf übertriebenes Pathos und konzentrieren sich in dem kontrastreichen Werk mit dynamischer Wucht auf einen von Fall zu Fall energisch gesteigerten Ausdruck. Fast solistisch agieren immer wieder die Bläsergruppen. Im Finale wird die Pauke mit ratternden Rhythmen und drängenden Tempi in den instrumentalen Diskurs eingebunden. So formen Wallinger und seine Instrumentalisten eine tönende Architektur, spannungsreich akzentuiert und straff durchgezogen. Der heftige Applaus ist überfällig.

Eckehard Uhlig

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