Adventskonzert der Süddeutscher Kammersinfonie Bietigheim mit Elisabeth Brauß begeistert das Publikum in Mühlacker


Heute gibt die Pianistin Elisabeth Brauß ihr Debüt bei der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim. Im Interview spricht die 24-Jährige über hellhörige Wohnungen, die Schwierigkeiten von Mozart, musikalische Einfärbung von Tagen und ungesunde Vergleiche

HANNOVER/BIETIGHEIM-BISSINGEN. Die Pianistin Elisabeth Brauß gastiert regelmäßig in international renommierten Häusern wie der Elbphilharmonie Hamburg, am Mariinksy Theater in St. Petersburg, in der Tonhalle Zürich, im Barbican Centre in London, am Konzerthaus Berlin und Festivals wie dem Heidelberger Frühling, dem Schleswig-Holstein Musik Festival und den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern. Nun ist die 24-jährige Hannoveranerin mit Wohnsitz in Berlin erstmals mit der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim (SKB) zu hören. Als Solistin wird sie an diesem Wochenende an den Adventskonzerten der SKB mitwirken und am heutigen Samstag um 19 Uhr im Bietigheimer Kronensaal, morgen um 17 Uhr im Uhlandbau in Mühlacker auftreten.

Guten Morgen Frau Brauß, wo erreichen wir Sie gerade?
ELISABETH BRAUß: Bei meinen Eltern. Eigentlich bin ich in Berlin zu Hause, aber ich komme oft nach Hannover – erstens weil ich sehr, sehr gerne bei meiner Familie bin und zweitens, weil es hier zwei Instrumente gibt, auf denen ich üben kann – Tag und Nacht!

Welche Instrumente stehen Ihnen dort zur Verfügung?
Ein älteres Klavier und ein Bechstein-Flügel. In Berlin übe ich auf einem Essex-Klavier. Allerdings ist meine Wohnung relativ hellhörig und ich habe ungern das Gefühl, dass ich andere Leute mit meinem Üben belästige beziehungsweise dass andere Leute mir dabei zuhören. Deswegen übe ich dort meistens mit einem Silent-System (einer Stummschaltung mit Kopfhörerkontrolle; Anm. der Redaktion). Das ist aber nicht ganz so produktiv – deswegen bin ich, speziell zum Üben, lieber in Hannover.

Am Wochenende werden Sie erstmals als Solistin mit der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim auftreten. Wie kam es dazu?
Ursprünglich sollte Magdalena Müllerperth, die eine gute Freundin von mir ist, bei den Adventskonzerten spielen, musste dann aber ihre Auftritte absagen. So hat sie Peter Wallinger auf mich aufmerksam gemacht.

Auf dem Programm steht Mozarts Klavierkonzert in C-Dur (KV 467), das der österreichische Komponist im Frühjahr 1785 schrieb und das als sein 21. Klavierkonzert gilt (nach anderen Zählungen als sein 15.). Was bedeutet Ihnen Mozarts Musik generell?
Seine Musik ist für mein Leben immer schon essenziell wichtig gewesen. Meine Eltern sind beide Musiker, mein Vater ist Dirigent (Martin Brauß war Chefdirigent der Niedersächsischen Kammeroper, Leiter des Hannoverschen Oratorienchores und hat eine Professur für Oper/Dirigieren an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, Anm. der Redaktion), meine Mutter Bratschistin, deshalb hatte ich seit meiner frühsten Kindheit viel zu tun mit klassischer Musik, Sinfonien und Opern – und da eben speziell Mozarts Werken. Über das große Feld der stilistischen Annäherung und den vielen Dingen, die man darum herum noch wissen kann, habe ich ganz früh ganz viel von meinem Vater gelernt. Seitdem begleitet mich Mozarts Musik und war für mich immer schon das Wichtigste und Schönste.

Welche besondere Herausforderung stellt nun dieses C-Dur-Konzert für Sie als Pianistin dar?
Es ist tatsächlich nicht so einfach zu spielen! (lacht) Speziell der erste Satz weist für mich einige pianistische Schwierigkeiten auf – er hat das ja für sich selbst geschrieben und wollte sich als fantastischer Pianist auch darin austoben können. Der zweite Satz geht dann unheimlich in die Tiefe. Die Lebensfreude der Ecksätze zu empfinden und darzustellen – das ist ein langer Prozess und auf der Bühne auch eine echte Herausforderung, genau in diese Stimmung zu kommen. Den Mut zu haben, diesen Weg bis ans Äußerste mitzugehen und für das Publikum darzustellen, das ist bei Mozart das Schwierige.

Wie bringen Sie sich in diese spezifische Stimmung? Pflegen Sie, abgesehen von den üblichen pianistischen Aufwärmroutinen, spezielle Rituale?
Nein. Ich spiele auch ungern einzelne Stellen vorher an. Wichtiger ist mir, das Stück in seiner Gesamtheit zu rekapitulieren und mich darauf zu fokussieren. Man versucht, sich sozusagen auf das Treffen mit dem Komponisten auf der Bühne einzustellen. Wenn man abends ein Konzert spielt, verläuft der Tag sowieso unter anderen Vorzeichen – wenn man weiß, dass man abends Mozart spielt, ist das etwas anderes, als wenn man weiß, dass man abends Schostakowitsch spielt. Das färbt meine Tage schon eindeutig ein. Deswegen bin ich grundsätzlich bereits in einer anderen Stimmung, aber die versuche ich vor dem Auftritt einfach noch mal zu konzentrieren.

Bei der Musik welcher Epoche würden Sie Ihren Schwerpunkt sehen?
Momentan bin ich noch in einem Alter, wo ich versuche, mich breit aufzustellen – also mich möglichst vielem aus möglichst vielen Epochen anzunähern. Aber es ist trotzdem so, dass ich merke, dass mir das deutsche Repertoire besonders nahe steht – nicht, weil mir anderes weniger wichtig wäre, sondern, weil es aus der Kultur kommt, mit der ich aufgewachsen bin, und gewissermaßen meine Sprache spricht. Dementsprechend beschäftige ich mich tatsächlich relativ viel mit Wiener Klassik – Mozart, Beethoven, Schubert, Haydn –, versuche aber auch, immer mehr zeitgenössische Musik mit reinzunehmen.

Wenn Sie sich auf drei beschränken müssten: Welches wären Ihre Lieblingskomponisten?
Schwierig zu beantworten. Ich würde sagen: Mozart nimmt die ersten drei Plätze ein. (lacht)

Gibt es Pianisten, die Sie nachhaltig geprägt haben?
Das ist auch gar nicht so leicht zu beantworten. Ich hätte keinen Pianisten im Kopf, der in seiner Gesamtheit für mich stilistisch prägend war. Aber ich bin ja mit Igor Levit vor der Nase aufgewachsen, weil seine Mutter meine Lehrerin war. Das war sicher ein Fixpunkt für mich, ich habe mich immer mit ihm verglichen – was für mich natürlich nicht sehr gesund war. (lacht) Pianistisch und musikalisch ist wirklich einzigartig, was er kann – mit den Händen, aber auch mit dem Kopf. Diese Erfahrung begleitet mich schon mein ganzes Leben und ich verfolge ihn – wir kennen uns ganz gut – nach wie vor. Diese Begegnungen sind auf jeden Fall Dinge, die für mich wichtig waren und nach wie vor sind.

Harry Schmidt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.