Neujahrskonzert der sueddeutschen kammersinfonie online.
Kontrabassist Michinori Bunya begeistert mit seinem Spiel.

Kostenlos zu erleben: Peter Wallinger dirigiert die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim mit dem Solisten Michinori Bunya.
Foto: Theresa Mammel

Im Internet übertragene Video-Konzerte aus der „digital concert hall“ gibt es nicht nur aus Berlin, wo die Philharmoniker das Format für historische Aufnahmen 2009 erfunden haben, sondern – Corona sei’s geschuldet – auch von Peter Wallingers sueddeutscher kammersinfonie ohne Publikum aus der Kelter in Bietigheim-Bissingen.

Nach seinem erfolgreichen Adventskonzert (die PZ berichtete) folgt nun das – in analogen Zeiten bei der MühlackerConcerto-Reihe traditionsreiche – Neujahrskonzert, das sich hinter den übermächtigen großen Veranstaltern nicht zu verstecken braucht. Denn Wallinger und sein Team präsentieren eine Sensation: Michinori Bunya, einen der renommiertesten Kontrabassisten. Bunya, der sich im Konzert-Video sowohl solistisch (mit Hans Frybas „Arabesken für Kontrabass“) als auch zusammen mit dem Orchester („Adagio und Rondo für Kontrabass und Streicher“ von Johannes Matthias Sperger) vorstellt, ist eine Wucht.

Beim Spiel der selten zu hörenden Originalkompositionen scheint Bunya, über den Bass-Corpus gebeugt, mit seinem Instrument verwachsen, jedenfalls eine Einheit zu sein. Die Interpretation der technisch anspruchsvollen Arabesken changiert zwischen rhythmisch betonten Schrittfolgen in hohen Lagen, satten Tonfarben und melancholisch verhaltenem Gleiten über die Saiten. Stets versuchen die Stücke die Improvisation der klassischen Musik Arabiens nachzuempfinden. Die beiden zusammen mit Wallingers einfühlsam begleitendem Ensemble gebotenen Sperger-Sätze zelebrieren im Adagio einen klangsatten Trauerton, im temperamentvollen Rondo mit Springbögen, Doppelgriffen und Flageoletts atemberaubende solistische Virtuosität. Besonders in den Großauf-nahmen des Solisten hört das Auge mit, indem es dessen Konzentration und Ergriffenheit dem Höreindruck zuordnet.

Mit gewohnter Souveränität musiziert das Orchester unter Wallingers Leitung in Wiedergaben aus dem Repertoire – Vivaldis Concerto grosso op.3 (Nr.11), Schuberts Deutschen Tanz Nr.3 (aus D 90) und Respighis Suite Antiche Danze.

Der Berliner Schauspieler Johann-Michael Schneider leitet das Konzert mit hintergründigem Wortspiel zum Konzert-Motto „Tutti-Soli“ ein und rezitiert zwischen den Musiknummern erheiternde Texte und lyrische Preziosen von Ernst Jandl, Marie von Ebner-Eschenbach, Paul Celan, Mascha Kaléko, Giacomo Leopardi und Christian Morgenstern. Das hört und sieht man sehr gern. Chapeau. www.muehlacker-klassik.de/muehlacker-concerto

Eckehard Uhlig

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