Simon Wallinger leitete die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim mit jugendlichem Elan, Einsatzgenauigkeit und großer Werke-Kenntnis. Foto: Moritz

Mühlacker. Der empörende Krieg gegen die Ukraine lässt sensible Künstler nicht kalt. Mitfühlend reagierten auch die Programmgestalter des Frühlingskonzertes „La Passione“ beim MühlackerConcerto. Auf dem Podium im Uhlandbau agierte neben Peter Wallingers sueddeutscher kammersinfonie bietigheim der Schauspieler Johann Michael Schneider. Seine lebendigen Rezitationen fügten sich sinnfällig in den Musikvortrag ein.

Das vom Orchester mit Tempo, kraftvoll und akzentstark interpretierte Prélude aus Georges Bizets Oper „Carmen“ endete abrupt wie vom Donner gerührt, um Friedrich Schillers Gedicht „Der Antritt des neuen Jahrhunderts“, das Mord und „des Krieges Toben“ beklagt, Gehör zu verschaffen. Und auf den höllischen „Furientanz“ aus Christoph Willibald Glucks Ballettmusik zu „Don Juan“ folgten mit Schillers philosophischen Versen „Die Worte des Wahns“.

Zwei sinfonische Werke der Wiener Klassik standen im Zentrum des Konzertabends, das beim Publikum für einen nachhaltigen Eindruck sorgte. Vor der Pause Joseph Haydns Sinfonie Nr. 49 in f-Moll, die den Beinamen „La Passione“ nicht nur erhalten hat, weil sie in der Passions-Tonart komponiert ist. Sondern überhaupt den Moll-Ernst ausspielt und sich passagenweise in düsteren Klangfarben ergeht.

Die Mühlacker Wiedergabe setzte gleichsam in der Art einer Kirchensonate ein und wurde im „Adagio“ von der breiten Leidensrhetorik der Violinstimmen getragen. Dynamisch kontrastreich formte die Kammersinfonie das folgende „Allegro di molto“ aus, um im „Menuett“ mit feinen Bläsermelodien den musikalischen Sturm abzumildern – der im „Presto“-Finale erneut mit orchestraler Heftigkeit einsetzte.

Begeisternde Interpretation des Hauptwerkes

Nach der Pause offerierte das Ensemble, das an diesem Abend von Peter Wallingers Sohn Simon geleitet wurde, Wolfgang Amadeus Mozarts „Sinfonia concertante in Es-Dur“ (KV 364) für Violine, Viola und Orchester. Solisten, Kammersinfonie und Dirigent sorgten für eine begeisternde Interpretation des Hauptwerkes dieser Gattung. Ein klangprächtiges Orchestervorspiel mit alternierenden Hörnern und Oboen bereitete im ersten Satz den fast unmerklichen Einsatz der beiden Solisten vor.

Elegische Intensität

Dann aber spielten Sachiko Kobayashi (Violine) und Tomoko Yamasaki (Viola), die seit Jahren gemeinsam im Lotus String Quartet musizieren, im Glanze ihres völligen Einverständnisses mit einer einander ständig imitierenden Brillanz, wie man sie selten zu hören bekommt. Unglaubliche Reinheit des Melos zeichnete die Geigenstimme aus, Fülligkeit und Tiefe die der Bratsche.

Der schwermütig-langsame Moll-Mittelsatz beeindruckte mit stimmungsvoll elegischer Intensität, das Finale bot den erlösenden, spielerischen Kontrast. Und die auskomponierten Kadenzen waren – von den beiden Solistinnen in gegenseitiger Feinabstimmung ausgeführt – einfach ein Genuss.

Freilich darf die Leistung des von Simon Wallinger mit jugendfrischem Elan, Einsatzgenauigkeit und großer Werke-Kenntnis exzellent geleiteten Orchesters keinesfalls unterschlagen werden. Weil man kaum gleichrangige Solisten für die Aufgabe findet, wird dieses Mozartkonzert selten aufgeführt. In Mühlacker aber war das konzertante Kabinettstück grandios zu erleben.

Autor: Eckehard Uhlig

Brillantes Spiel: Sachiko Kobayashi (Violine, links) und Tomoko Yamasaki (Viola).
Foto: Moritz

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