Klassikreihe in der Lienzinger Frauenkirche: Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger und die Solistin Ursula Schoch beglücken ihr Publikum in einer zauberhaften Matinee mit Werken von Mozart, Offenbach und Saint-Saëns.

Geigerin Ursula Schoch und die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim beim Konzert in der Frauenkirche. Foto: Bastian

Mühlacker-Lienzingen. Es war ein sommerleichtes Programm, das Peter Wallinger für die Serenade am Sonntagvormittag zusammengestellt hatte. In der ersten Hälfte erklangen drei Stücke von Wolfgang Amadeus Mozart, nach der Pause Werke von Jacques Offenbach und Camille Saint-Saëns. Mit dabei die fabelhafte Geigerin Ursula Schoch, mit der Wallinger seit 30 Jahren eng verbunden ist.

In der Kunst erweist sich das vermeintlich Leichte am Ende als das wirklich Schwere. Mozart ist das beste Beispiel dafür. Hier hört man buchstäblich alles: jede Verzögerung oder Verlängerung, jede Unebenheit, etwa bei Trillern, und jeden falschen Ton, mag er auch noch so nebensächlich erscheinen. Und tatsächlich hatten die 16 Streicherinnen und Streicher der Kammersinfonie beim Divertimento B-Dur KV 137 und der für Streichinstrumente bearbeiteten Fantasie f-Moll KV 594 an einigen Stellen Mühe, alles auf einen Punkt zu bringen.

Und dann änderte sich alles fast schlagartig. Das selten gespielte Violinkonzert B-Dur KV 207, ein durch und durch positives, freundliches Werk, geriet unter den Händen der herausragenden Ursula Schoch zu einem herrlichen Sommervergnügen. Ihre Energie und Spiellust inspirierten spontan ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter.

Schoch, die als gefragte Solistin weltweit unterwegs ist und als Konzertmeisterin im Königlichen Concertgebouw-Orchester Amsterdam wirkt, betont die großen Bögen, ohne dabei Details zu vernachlässigen. Wunderbar gelingen Tutti-Solo-Abstufungen und drei federleicht herausgespielte Kadenzen mit sensiblen Forte-Piano-Schattierungen und anspruchsvollen Doppelgriffen. Im zweiten Satz Adagio klingt ihre Violine von Guadagnini aus dem Jahr 1755 silbern, um beim Schlusssatz Presto dann mächtig aufzutrumpfen. Die fünf Geigenkonzerte von Wolfgang Amadeus Mozart darf man mit Fug und Recht als Therapeutikum für das menschliche Gemüt bezeichnen.

Nach der Pause blieb der „Flow“ weiterhin spürbar. Die 16 Geigen, Bratschen, Celli und der Kontrabass hatten ihre Freude an der feinnervigen Serenade C-Dur von Jacques Offenbach. Peter Wallinger arbeitete zielstrebig die Höhepunkte in den schnellen Ecksätzen heraus und trieb seine Kammersinfonie einer strahlenden Schlussapotheose entgegen.

Am Ende erklang dann noch ein musikalischer Leckerbissen: „Introduktion und Rondo Capriccioso“ opus 28 für Violine und Orchester aus der Feder des französischen Romantikers Camille Saint-Saëns. Dieser hat ein derart suggestives Rondo-Thema gefunden, das man einfach nicht mehr aus dem Kopf bekommt, so sehr man sich auch bemühen mag. Ursula Schoch scheint das Stück auf den Leib beziehungsweise auf ihre Guadagnini geschneidert zu sein. Elegant stuft sie die Couplet-Teile gegenüber dem Rondo-Thema ab. Während das Orchester das Thema übernimmt, lässt sie sich auf waghalsige Umspielungen ein. Sie kann es sich leisten, denn ihre Technik ist schlichtweg superb. Bei der Stretta gibt es kein Halten mehr. Da ist der „point of no return“ längst überschritten.

Viel Applaus für eine exzellente Geigerin und ein Orchester, das gegen Ende über sich hinausgewachsen ist. Und einmal mehr die dankbare Feststellung, dass ohne das visionäre Engagement Peter Wallingers niemals so große Musik in der Lienzinger Frauenkirche erklingen würde.

Autor: Dr. Dietmar Bastian