Eine neu erschienene Doppel-CD ermöglicht einen spannenden Streifzug durch die Geschichte der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim. Klassik-Fans können Höhepunkte aus teilweise lange zurückliegenden Konzerten und jüngeren Auftritten genießen.

Peter Wallinger in seinem Element. Foto: Archiv


Mühlacker. „Der will nur spielen“, lautet ein klassischer Ausspruch aus dem Mund des Hundebesitzers, dessen Liebling gerade auf einen skeptischen Dritten losstürmt. Der Ausgang – ungewiss. „Die wollen nur spielen“: So könnte eine kurze Beschreibung der Musikerinnen und Musiker lauten, die unter der Leitung des Dirigenten und Festivalchefs Peter Wallinger in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten für hochkarätige Konzerte in Mühlacker und Umgebung gesorgt haben. Der Ausgang: dank der unbändigen Spielfreude ganz gewiss ein Hörgenuss. Einen klingenden Beweis dafür liefert die neue CD „live 2025“.

Das Cover der neuen Doppel-CD. Foto: privat


Soeben erschienen, können sich die Freunde der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim über eine Sonderausgabe in Form einer Doppel-CD mit Live-Mitschnitten überwiegend aus dem Uhlandbau und der Frauenkirche Lienzingen freuen, die bis ins Jahr 2006 zurückreichen und ganz besondere Aufführungen wieder ins Gedächtnis rufen. Ob Bach oder Bartók, Mozart oder Rossini: „giocavano“ – italienisch für „sie spielten“ – heißt es im Booklet der CD über die Kammersinfonie und zahlreiche Solistinnen und Solisten, die beim „Musikalischen Sommer“ in der Frauenkirche, in der Reihe „Mühlacker Concerto“ im Uhlandbau oder bei Auftritten im Kronenzentrum Bietigheim für musikalische Glanzlichter gesorgt haben. Dabei versammeln sich auf der ersten der beiden CDs Solisten aus den eigenen Reihen und renommierte Gäste. CD zwei ist reinen Orchesterwerken vorbehalten und vermittelt einen Eindruck vom breiten Repertoire, das Peter Wallinger mit seinem Orchester erarbeitet hat. Alle Aufnahmen sind Live-Mitschnitte.

Umso bemerkenswerter ist, wie sich alle Beteiligten in den hochkomplexen Klanggeflechten des 2. Brandenburgischen Konzerts von Johann Sebastian Bach oder des dritten Klavierkonzerts von Béla Bartók zu einem homogenen Ganzen zusammenfinden und die technischen Herausforderungen mit galanter Selbstverständlichkeit meistern. Stilistisch sind die Musikerinnen und Musiker, gleich ob Peter Wallinger oder sein Sohn Simon am Dirigentenpult steht, ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Präzision und das Hören aufeinander bilden die Grundlage für Interpretationen von Werken aus den unterschiedlichsten Epochen. Da klingt eine bearbeitete und mit dem Alliage-Saxophon-Quartett vorgetragene Sonate des im 16. Jahrhundert geborenen Giovanni Gabriele genau so leichtfüßig wie Rossinis Ouvertüre zu „Die seidene Leiter“. Im Schweren schwingt eine Ahnung von Trost und Leichtigkeit mit, und im scheinbar Leichten bringen die Musikerinnen und Musiker die nötige Ernsthaftigkeit auf, um ungeahnte Facetten auch bekannter Literatur an die Oberfläche zu holen.

Die Frage, wie sich der Orchesterklang über die Jahre entwickelt hat – die jüngste Aufnahme stammt aus dem Jahr 2022 –, lädt den Hörer, die Hörerin der Doppel-CD ein auf einen spannenden Streifzug durch die Historie der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim. Gewisse Kennzeichen wie rhythmische Prägnanz und die Ausgewogenheit der Register bilden den roten Faden. Ausgezeichnete Solisten wie beispielsweise der Pianist Markus Bellheim, die Geigerin Ursula Schoch oder die Trompeterin Laura Vukobratovic haben aus gutem Grund mit diesem Ensemble zusammengewirkt. Sie alle haben mit Freude gespielt – und niemand würde sie zurückpfeifen wollen.

Die Doppel-CD ist über die Telefonnummer 07043/958393 oder per E-Mail an
susanne@boekenheide.net beziehbar, ebenso über die Buchhandlung Elser an der Bahnhofstraße in Mühlacker.

Autorin: Carolin Becker