Besinnliches Matinee-Konzert der sueddeutschen kammersinfonie im Uhlandbau

Die sueddeutsche kammersinfonie unter Peter Wallinger gestaltete das Neujahrskonzert im Uhlandbau mit klanglicher Transparenz, Agilität und feinem Gespür für kammermusikalische Balance. Fotos: Volker Henkel


Mühlacker. Ein glanzvoller Höhepunkt begeisterte beim Neujahrskonzert von Peter Wallingers sueddeutscher kammersinfonie im Mühlacker Uhlandbau die Zuhörer: Ohne Imponiergehabe, aber mit wunderbarer Klarheit und unprätentiöser Virtuosität musizierte die junge Geigerin Maryana Osipova und präsentierte Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert d-Moll mit schlankem Ton geradezu freudig beschwingt. Das Frühwerk des dreizehnjährigen Wunderknaben leuchtete im Kopfsatz mit einem rhythmischen Motiv, das an Johann Sebastian Bach erinnerte, berührte im Andante mit dem lyrischen Zauber getragener Violin-Soli und mündete tänzerisch rasant in das finale Allegro ein. Das Orchester begleitete unter Wallingers Leitung mit kammermusikalisch federnder Agilität.

Erstaunlich, wie es dem Veranstalter der Mühlacker „Concerto“-Reihe Peter Wallinger immer wieder gelingt, Künstlerpersönlichkeiten von Format zu engagieren. Neben der mehrfachen Wettbewerbs-Preisträgerin Osipova konnte auch die Sopranistin Juliane Brittain brillieren. Ihre Interpretation von vier Liedern aus Franz Schuberts Zyklus „Die Winterreise“ (in einer Bearbeitung für Streichinstrumente von Simon Wallinger) ließ in unaufdringlicher Symbiose von Orchester und Singstimme mit elegisch-wehmütigem Tonfall und weich gebundenem Legato die ergreifende Dunkelheit dieser Musik und Verse von Wilhelm Müller aufscheinen. Zugleich schmerzlich und fröhlich verspielt drehte sich „Die Wetterfahne“ im Wind. „Gefrorene Tränen“ gestalteten im Gesang den Kontrast von eiskaltem Morgentau und heiß zerschmelzendem Winter-Eis. Das Lied „Frühlingstraum“ schwelgte in bunten Blumen. Ein musikalisch-sanglicher Drehwurm umkreiste mit dunklem Leitmotiv in den Streicherbässen schlussendlich den düsteren „Leiermann“.

Klares und unprätentiöses Spiel: Maryana Osipova an der Violine


Und da war noch ein dritter Künstler von Rang an der „musikalisch-literarischen Winterreise“ – so das Konzertmotto – mit Beiträgen beteiligt. Der Schauspieler Frank Albrecht sorgte in der sonntäglichen Matinee mit sinnfälligen Moderationen zu den „Winterreise“-Texten für eine feine Balance von „Schwere und Leichtigkeit, Krise und Hoffnung“. Seine Rezitation des Hermann Hesse-Gedichtes „Stufen“ gipfelte in der letzten Verszeile als Therapeutikum: „Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde“.

Tänze und Romanzen

Kurze Konzertstücke fügten sich gefällig in die Programm-Vielfalt. Zwei muntere „Deutsche Tänze“ (aus D 90) von Schubert leiteten das Neujahrskonzert ein. Auch die Romanze C-Dur (op. 42) von Jean Sibelius, einem Komponisten, für den Wallinger ein Faible besitzt, durfte nicht fehlen. Und Peter Tschaikowskys „Barkaole“ aus dessen „Jahreszeiten“ (op. 37a) mit dem Wellenschlag eines venezianischen Gondel-Liedes sowie Antonio Vivaldis „Winter“ als Zugabe würdigten die Jahreszeit.

Mit Freude und herzlichem Applaus dankte das Publikum im voll besetzten Uhlandbau-Saal für den besinnlichen Start ins neue Jahr.

Autor: Eckehard Uhlig