Meistergeigerin Ursula Schoch beim Musikalischen Sommer in Lienzingen

Lienzingen. Wenn Ursula Schoch nach Lienzingen zum „Musikalischen Sommer“ kommt, um mit Peter Wallingers sueddeutscher kammersinfonie bietigheim zu musizieren, sind Glanzlichter angesagt. Die mit Wallinger befreundete Konzertmeisterin am Concertgebouw-Orchester Amsterdam ist eben eine brillante Ausnahme-Geigerin. Ihr Spiel ist elegant, leicht und locker. Ihr Violinton je nach Werksituation lyrisch zart oder vollmundig rund, überaus klar und klangschön in allen Lagen. Ihre makellose Technik wirkt geradezu selbstverständlich.
Schochs neuerlicher Auftritt bei der sommerlichen Matinee in der Frauenkirche am Sonntag war sehr unterschiedlichen Komponisten gewidmet. Wolfgang Amadeus Mozarts Violinkonzert in B-Dur (KV 207), das erste von fünf Konzerten für Geige und Orchester, die Mozart aus Anlass seiner Anstellung als Konzertmeister der Salzburger Fürstbischöflichen Hofkapelle 1775 komponiert hat, begeisterte in der Lienzinger Wiedergabe mit einem sehr flott und rhythmisch akzentreich gespielten Eröffnungs-Allegro, feinem solistischen Violingesang mit stimmungsvoll verträumten Melodielinien im Adagio und glanzvollen Höhen im finalen Presto. Unter Wallingers Leitung agierte die Kammersinfonie sehr aufmerksam, die orchestralen Dialoge mit der Solovioline wurden einfühlsam ausgeführt. Man versteht sich eben, da bleibt für Solistin und Dirigent sogar Zeit für Momente gegenseitig lächelnder Aufmunterung.

Das eigentliche solistisch-konzertante Ereignis aber war die Interpretation von „Introduktion & Rondo Capriccioso“ von Camille Saint-Saëns. Nach der dunkel verhangenen, melancholischen Einleitung war im launigen Rondo eine Bravour mit solistisch funkelnden Geigen-Passagen zu erleben, mit rasanten Läufen, Doppelgriff-Passagen, Ricochets und was sonst noch alles zum virtuosen Meisterhandwerk gehört. Ursula Schoch musizierte sensationell.
Zusätzlich hatten Wallinger und sein Ensemble heitere Orchesterstücke im Programm. Mozarts Divertimento B-Dur (KV 137), das zu den „Salzburger Sinfonien“ gezählt wird, leuchtete mit singendem Melos, wobei die Klangcharaktere der drei Sätze deutlich herausgestellt wurden. Mozarts Fantasie f-Moll (KV 594), ursprünglich für eine mechanische Orgel geschrieben, walzte sehr breit daher. Und Offenbachs selten aufgeführte Serenade C-Dur (nach op. 34) überraschte mit einem feinfühligen, teils von den Stimmführern ausgeführten Mittelsatz und leidenschaftlich-heftigem Orchester-Finale. Solche musikalisch begleiteten Sommertage bereichern Gemüt und Seele.
Autor: Eckehard Uhlig