Nach der Musikschulveranstaltung musste am vergangenen Samstag auch die jährliche Sommerserenade der Süddeutschen Kammersinfonie aus dem Schlosshof ins Kulturhaus verlegt werden.

Die Verlegung erwies sich nachträglich jedoch als Glücksfall. Das 17-köpfige Kammer-Streichorchester spielte nämlich ein so delikates Programm aus Werken vom Frühbarock bis zur Moderne, dass sich die Saiten der Instrumente in der feucht-warmen Abendluft wohl zu rasch verstimmt hätten. Besonders die beiden Hauptsolisten, der japanische Kontrabassist Michinori Bunya und die ebenfalls aus Japan stammende Konzertmeisterin Sachiko Kobayashi mit ihrer kostbaren Violine, hätten ihre Vorträge nicht so lupenrein und virtuos meistern können, wie dies in nahezu phänomenaler Weise geschah.

Auch das technisch und musikalisch überzeugende, hervorragende Spiel des Orchesters auf Violinen, Bratschen, Celli und Kontrabass hätte in freier Lust wohl kaum so homogen und zugleich differenziert wirken können. Entsprechend positiv beeindruckte das Konzert unter Peter Wallingers präzisem und temperamentvollem Dirigat im Ausweichort, dem Großsachsenheimer Kulturhaus. Es war ein Hochgenuss, die melodiös, virtuos und stilgerecht dargebotenen Werke der vier gespielten Komponisten zu genießen und dabei zu verinnerlichen.

Die fünf wichtigsten Sätze aus der Musik des englischen Barockmeisters Henry Purcell zu Shakespeares „Sommernachtstraum“ eröffneten das Konzert. Straff-dynamisch gestrichen, erklang das Prelude, im beschwingten Dreivierteltakt folgte das Rondeau und dann erfreuten drei Charaktertänze die Zuhörer: Flirrend huschten die Feen musikalisch vorüber, Affensprünge wurden punktiert nachgeahmt und im Stil einer Chaconne wurden Chinesen als damals beliebte Exoten angedeutet. Bereits der Vortrag dieser Musik zeigte die Korrektheit und zugleich Schönheit des Kammersinfonie-Spiels.

Danach strich, griff und zupfte als „Knüller“ des Abends Michinori Bunya seinen Kontrabass als Solist und Partner des Orchesterklangs. Tempo und Virtuosität der linken und rechten Hand, grandiose Dynamik, natürliche und künstliche Flageoletts bis zur Höhe des Klanges von Violinsaiten, Glissandi und vieles mehr erlebte man in zwei Werken des Italieners Giovanni Bottesini, der als Super-Kontrabassist wirkte und neue Techniken für dieses große Instrument erfand. Tosender, kaum endender Beifall regte den Solisten in Sachsenheim zu einer kontrastierenden Zugabe an.

Die elegische Melodie „Herzwunden“ des Norwegers Edvard Grieg war das orchestrale Gegenstück zum Bottesini-Wirbel und ließ alle Streichergruppen elegant erklingen. Auch Puccinis „Chrysanthemen“-Gesang mit Anklängen an dessen Opernstil blieb trotz vieler Besonderheiten des Spiels überwiegend zart.

So blieb es Konzertmeisterin Kobayashi vorbehalten, die südamerikanische Variante der „Vier Jahreszeiten“ von Vivaldi, die der argentinische Bandoneon-Virtuose Astor Piazzolla (1921-1992) mit folkloristischem Anklang komponierte, rasant in den Sätzen „Sommer in Buenos Aires“ und „Herbst“ explosionsartig und trotzdem edel als Solistin zu markieren. Das Orchester folgte ihr in allen Nuancen der Interpretation und ließ sich von Peter Wallinger zum glanzvollen Konzertfinale führen.

Helmut Müller

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