Die Solistin und Konzertmeisterin Ursula Schoch steht im Mittelpunkt einer neuen Live-CD der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim. Ein besonderes Klangerlebnis und großes Hörvergnügen.

Auf der neuen CD „live 2009/2010“ gibt es einen musikalischen Mittelpunkt, um den sich – ohne es abwerten zu wollen – alles andere gruppiert.

Mit der Interpretation des Violinenkonzerts Nr. 4 D-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart (KV 218) verbeugt sich die Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger, als auch die Violinistin Ursula Schoch, vor dem musikalischen Genie aus Salzburg. Freilich hat sich Mozart mit seinen fünf Violin-Konzerten den Liebhabereien und Ansprüchen seiner Zeit angepasst – und gilt deshalb oft als zu gefällig. Die Interpretation der Kammersinfonie ist es nicht.

Während das Allegro durchaus straff und das Rondeau überaus leicht und spielerisch präsentiert wird, zeigt sich das innige Andante als wahrer Kristallisationspunkt dieser CD.

In einer tiefen Selbstvergessenheit holt Ursula Schoch die Violinentöne scheinbar aus einem nur ihr bekannten Musik-Universum, um sie in die ganze Klangpracht des Orchesters einzubetten.

Und die CD setzt weitere Gegenpunkte, die in ihrer musikalischen Schönheit und Anmut dem Andante von Mozart in nichts nachstehen.

Franz Schuberts „Deutsche Tänze“ bilden einen bodenständigen Auftakt, wogend und gleichzeitig schwungvoll. Johann Sebastian Bachs Partien für Violine solo zählen zu den berühmtesten Meisterwerken ihrer Art. Gerade wegen ihrer Beschränkung sind sie von einzigartigem Reichtum, so auch die Sonata für Violine solo Nr. 1 g-moll, durchaus ein Kleinod auf dieser CD. Ursula Schoch findet dabei mit sicherem Gespür stets das Gleichgewicht zwischen vitalem Elan und dem hohen Anspruch vertrackter Fugen.

Die Sinfonie Nr. 4 d-moll Op. 120 von Robert Schumann schwingt sich in vier, von großer musikalischen Geschlossenheit geprägten Sätzen zu einem lebhaften, fast schon entfesselnden Finale hin. Die Verträumtheit der Romanze und der Pulsschlag des Scherzo lösen sich zum Ende des vierten Satzes in einem Taumel auf, in dem sich die hohe musikalische Qualität der Kammersinfonie Bietigheim widerspiegelt.

Die letzten beiden Stücke auf der CD sind Klassiker. Jean Sibelius schuf mit „Finlandia“ die heimliche Nationalhymne seiner Heimat mit hoher patriotisch-emotionaler Bedeutung. Das „Sinfonische Gedicht“ ist eine musikalische Huldigung, die die Kammersinfonie in großer Klangbreite bietet – vom schwermütigen Beginn über die Leichtigkeit der Ebenen bis zum jubelnden Ende. Die CD schließt mit Edvard Griegs „Peer Gynt“-Suite ab, wie „Finlandia“, am 6. Dezember 2009 live im Kronenzentrum mitgeschnitten.

„Ases Tod“ zeigt sich hier mit seinen schmerzlichen Harmonien als Ausdruck lauter Klage, die im musikalischen Nichts ausgehaucht wird. „Anitras Tanz“ trägt jene leichte Lust in sich, die sich das Orchester mit Ursula Schoch völlig zu eigen machen.

Im Kanon verbinden sich, fast lauernd, Geige und Bratsche, getragen von den Bässen. Der glanzvolle Schlusspunkt wird mit dem vierten Satz „In der Halle des Bergkönigs“ gesetzt. Die Jagd der Trolle auf Peer gerät zum temporeichen CD-Finale, bei der die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim die Instrumente erst tanzend, dann drohend und schließlich peitschend spielt. Ein großes Hörvergnügen, das die Sinne anspricht.

Jörg Palitzsch

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