„Mediterrane Streifzüge“ versprachen Peter Wallinger und seine „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ beim „Musikalischen Sommer“ in Lienzingen. Tatsächlich waren (wegen drückender Hitze) nicht nur Dirigent und Instrumentalisten gekleidet, als stünde der Aufbruch in die Toskana kurz bevor. Auch die gebotene Musik leuchtete in sommersatten Farben.

Die einleitend musizierten Instrumentalstücke aus Claudio Monteverdis Bühnen-Märchen „Orfeo“ zelebrierten im Wechsel temperamentvoll aufgehellte und dunkel traurige Sätze, kamen gemessenen Schrittes daher oder tänzerisch leicht. Später gab es ein in manchen Passagen südländisch glühendes „Concerto per Archi“ (Streicherkonzert) des italienischen Komponisten Nino Rota, dessen Filmmusiken große Erfolge waren. Und Teile aus den populären, im alten Stil anmutig und musikantisch reizvoll vorgetragenen „Antiche Danze ed Arie“ von Ottorino Respighi. Im Zentrum der musikalischen Matinee aber standen zwei Solo-Konzerte mit der renommierten Marimba-Spielerin und polnischen Musikhochschul-Professorin Katarzyna Mycka, die als internationale Botschafterin ihres ursprünglich aus Guatemala stammenden Instrumentes gilt.

Foto: Fotomoment

Virtuose Technik

Die Wiedergabe des von ihr transponierten d-Moll-Konzerts „für Marimba und Orchester“ von Johann Sebastian Bach (nach dessen Cembalo-Konzert BWV 1052) gefiel nicht nur wegen des dunkel-verhangenen Resonatoren-Tons der benutzten Stabspiele. Vor allem begeisterte die Zuhörer die virtuose Handhabung der Triller-Ketten, Töne-Kaskaden und fein nachhallenden Akkord-Brechungen. Marimbaspieler brauchen an ihrem breit ausladenden Instrumententisch, mit je zwei Klöppeln in beiden Händen, athletische Kondition bei höchster Konzentration. Katarzyna Mycka verfügt zudem über eine Sensibilität, die jede dynamische Nuance beherrscht und schlafwandlerisch sicher Akzente setzt. Das zeigte sich nicht zuletzt in ihrer fulminanten Interpretation des Marimba-Konzertes von Emmanuel Séjourné (geboren 1961), das sich dank seiner aus tiefsten Regionen in lichte Höhen aufsteigenden, anscheinend von kosmischen Energien getragenen Sphärenmusik ganz neuartigen, sinnlich intensiv erfahrbaren Klangräumen öffnete. Blitzschnelle Reaktionen zeichneten den Wirbel der Schlegel aus, aber auch geschmeidige, jäh gebremste Geläufigkeit.

Solche Impulse wurden vom Orchester unter Wallingers Leitung weiter getragen und zu einem stimmungsvollen Musiktableau mediterraner Prägung gefügt.

Eckehard Uhlig

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