Schulkinder bekommen spielerisch klassische Musik und Instrumente nähergebracht. Gleich zweimal trieb der Teufel Lucius gestern Vormittag seine höllischen Späße mit vier Fagottisten der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim. Daran hatten Besucher und Schüler ihren Spaß.

Seit dem Jahr 2004 führen Mitglieder der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim diese Konzerte für Schüler in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Stadt Bietigheim-Bissingen durch. Auch am heutigen Dienstag-sowie am Mittwochvormittag sind jeweils zwei Vorstellungen vorgesehen.

Ziel ist es, wie Peter Wallinger, Gründer und Chefdirigent des Orchesters, betonte, Kinder schon frühzeitig an klassische Musik heranzuführen. Das ist zweifellos eine anspruchsvolle Aufgabe, aber die Begeisterung der kleinen Zuhörer, wie sie sich auch am Montagvormittag lautstark äußerte, belegte, dass so etwas gut angenommen wird. Voraussetzung ist allerdings eine kindgerechte Präsentation der ausgewählten Stücke.

Jörg Schade und Franz-Georg Stähling hatten hierfür genau das richtige Gefühl, als sie das Musiktheaterstück ,,Der Teufel mit den goldenen Löckchen“ schrieben und mit Musik von Giuseppe Verdi, Jacques Offenbach, Georg Friedrich Händel, Gioacchino Rossini und anderen umrahmten. In dem Zwei-Personen-Stück spielte Jörg Schade den Teufel Lucius mit lebhafter Gestik und viel Sinn für die Komik seiner Rolle. Außerdem sorgte der von Christiane Schoon überaus heiter und bewegt dargestellte Schutzengel Angela für den temperamentvollen Handlungsablauf.

Lucius bewachte in der Nebenrolle für Musiker seit zehn Jahren das einstmals auf Erden legendäre Fagottquartett „Geschwister Ohrentaub“. Eigentlich sollte nun seine Aufgabe abgeschlossen sein, denn falls sich nach dieser langen Zeit kein Mensch mehr an die in die Musikerhölle verbannten Künstler erinnert, würden diese endgültig in der tiefsten Hölle verschwinden und Lucius würde eine tolle Belohnung für seine treuen Dienste erhalten.

Doch da trifft in letzter Minute vom Chefteufel die Mitteilung ein, dass sich das Mädchen Paula sehnsüchtig an seine Tante Hermine und ihre Brüder erinnere. Der Engel Angela sei schon auf dem Weg, um die vier aus der Hölle wieder auf die Erde zurückzuholen. Aber so schnell wollte sich Lucius nicht geschlagen geben. Mit List und Tücke ersinnt er ein Ratespiel mit, wie er meint, höllisch schwierigen, unlösbaren Aufgaben und hofft, dass der blondgelockte Engel keine Chance haben würde, die richtigen Antworten zu finden. Aber Angela und die vier Fagottisten, Bernadette Glöckler, Frank Lehmann, Stephen Rex und Christof Baumbach, die seit vielen Jahren der Süddeutschen Kammersinfonie angehören, können alle Fragen mühelos richtig beantworten. Sie werden von den Ketten, an die sie gefesselt waren, befreit und verabschieden sich einer nach dem anderen von dem auf einmal schrecklich traurigen Teufel. Zum Trost gewährt ihm Angela einen Wunsch. Lucius schließt seine Augen und als er sie wieder öffnet, hat sich sein Wunsch erfüllt. Statt der zwei Hörnchen ziert sein Kopf nun eine wallende, blonde Lockenpracht.

Die beiden Darsteller Jörg Schade und Christiane Schoon spielen ihre Rollen so lebendig und beziehen dabei die mit Spannung der Vorstellung folgenden Kinder in die flotte Handlung ein. Dazwischen erklingen für ein Fagottquartett arrangierte bekannte Kompositionen und natürlich wird auch das Holzblasinstrument in alle Einzelheiten den Zuschauern erklärt.

Wie deutlich zu hören war, ist das Fagott eben nicht bloß der „Brummbär“ in einem Orchester, sondern eignet sich vorzüglich auch zum Spiel schöner, auch beschwingter Melodien.

Das ist lebendiger und eindrucksvoller Musikunterricht, für den sich die Jungen und Mädchen in der Kelter mit lautem, freudigem Beifall bedankten.

Rudolf Wesner

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