Gebannt verfolgen kleine Zuschauer in der Bietigheimer Kelter die musikalische Erzählung vom „Teufel mit den goldenen Löckchen“. Die Süddeutsche Kammersinfonie hatte in sechs Vorstellungen 1400 Grundschüler zu Gast. Musikunterricht der Extraklasse.

Qualm quillt aus dem Ofen in der Kelter. Es ist heiß und düster in der Nebenhölle 23, der Hölle für Musiker. Lucius der Siebente, eigentlich ein Fehlerteufel, soll das seit fast zehn Jahren von der Erde verschwundene Fagott-Ensemble, Geschwister Fago“ bewachen. Er bekommt eine Belohnung, wenn sich niemand auf der Erde an die Fagottisten erinnert. Natürlich kommt es anders: Auf der Erde erinnert sich die kleine Paula an das Quartett, und so macht sich Schutzengel Angela auf den Weg, um die Musiker zu befreien.

Die „Fago-Geschwister“ (das Fagott-Ensemble der Kammersinfonie mit Bernadette Glöckler, Frank Lehmann, Stephan Rex und Christof Baumbusch) war aus nicht näher erklärten Gründen nach ihrem Tod in die Hölle geraten und spielten dem Teufel Lucius (Jörg Schade) erst einmal den ,,Gefangenenchor“ aus Verdis ,,Nabucco“ vor. Nach teuflischen Ratespielen des rot beschwanzten Lucius mit dem Publikum („ist ein Fagott ein Blechblas-, ein Holzblas- oder ein Tasteninstrument?“) trat Schutzengel Angela (Christiane Schoon) auf den Plan. Die Befreiungsaktion leitete der Engel nicht alleine ein, sondern mit Hilfe der Kinder. Diese ließen sich weder von Rätseln in Gedichtform (,.Ich hab ’nen Kasten, mit vielen Tasten, die niemals rasten“) noch von Klatschrhythmen für eine Spontankomposition abschrecken.

Untermalt wurde das musikalische Programm von einem klug zusammengestellten Potpourri: Klassiker wie Jacques Offenbachs Höllenritt-Can-Can aus ,,Orpheus in der Unterwelt“ waren genauso wie Volks- oder Kinderlieder zu hören. Ein höllischer Spaß für kleine Musikfreunde: ,,Der Teufel mit den goldenen Löckchen“ bietet alles, was Kinderherzen höher schlagen lässt: Spannung, Witz und jede Menge Musik.

Kein Wunder. dass man danach nur zufriedene Zuhörer traf. ,,Sehr gut“ und ,,sehr witzig“, urteilten die Jungen und Mädchen verschiedener Schulen aus der Stadt und dem Umland.

Das Interesse an der Musikvermittlung war riesengroß. Darüber freut sich der Leiter der Kammersinfonie, Peter Wallinger. Sechsmal war die Kelter ausverkauft. Sechsmal gab es Beifall für klassische Musik.

Anliegen von Kammersinfonie und städtischem Kulturamt ist es. wie Projektkoordinator Ulas Aktas betont, Freude an der Musik zu wecken und den Kindern die Angst vor klassischer Musik zu nehmen.

Vielleicht wollen die Profimusiker auch eine Lücke im Lehrplan schließen, weil es das Fach Musik in der Grundschule nicht mehr gibt. Die Begeisterung der Kinder gibt den Musikern recht. Mit Klatschen und Antworten aus vielen Kehlen waren sie voll und ganz dabei und unterstützten Handlung und Dialoge der Schauspieler mit Begeisterung.

Alfred Drossel

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