Kompositionen aus der Zeit der Klassik im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert verbanden sich in einem Konzert der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger mit solchen des Impressionismus zu ohrenschmeichelndem Klangzauber.

Im nur schwach besetzten Gottlob-Frick-Saal des Mühlehofs erlebten die Besucher am Samstagabend delikate Aufführungen von Werken von Wolfgang Amadeus Mozart, Franz Schubert, Claude Debussy und Maurice Ravel.

Weil der Uhlandbau renoviert wird, mussten Peter Wallinger und sein Orchester mit der von ihm initiierten Konzertreihe „Mühlacker Concerto“ in den wesentlich größeren Gottlob-Frick-Saal umziehen. Von der musikalischen Qualität des Konzerts und der ausführenden sueddeutschen kammersinfonie bietigheim her gesehen hätte der Mühlehof-Saal eigentlich voll besetzt sein müssen, denn mit den ausgewählten Werken aus zwei Jahrhunderten bot dieses brillante Ensemble den versprochenen Klangzauber in vollem Maße.

Die „Pavane pour une Infante défunte“ von Maurice Ravel ist ein sanft dahinschreitendes Orchesterstück, in dem wehmütig und andachtsvoll an eine verstorbene Prinzessin erinnert wird, obwohl der Komponist das Werk nicht als Totenklage verstanden haben wollte. Die sueddeutsche kammersinfonie leitete damit das Konzert ein und bestach vom ersten Takt an mit sensibler Verschmelzung der einzelnen Orchesterstimmen. Lyrisch und verklärt breitete sich die schlichte Melodik aus.

Vor drei Jahren beeindruckte der in Südfrankreich geborene, blinde Pianist Bernard d’Ascoli im Uhlandbau mit einer einzigartigen Interpretation des Klavierkonzerts Nummer drei von Ludwig van Beethoven. Jetzt war dieser außergewöhnliche Künstler erneut in Mühlacker zu hören. Zusammen mit der sueddeutschen kammersinfonie unter Leitung von Peter Wallinger führte er das Klavierkonzert A-Dur, KV 488, von Mozart auf.

Bernard d’Ascoli bestach bereits im ersten Satz mit seinem schwebend leichten Anschlag, mit dem er die graziösen Themen in bewegtem Tempo überaus transparent gestaltete. Unter d’Ascolis Händen erklang ein besinnliches und beseeltes Adagio, und das Einleitungsmotiv des weithin bekannten dritten Satzes spielte er mit erfrischendem Elan, so dass eine von sprühender Intensität getragene Ausführung zu hören war, zumal auch die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim den Solisten mit klangprächtiger Fülle begleitete und ihren Begleitpart in gewohnter feiner Nuancierung farbenreich musizierte. Für den freudigen Applaus bedankte sich d’Ascoli mit einer Chopin-Komposition, die gleichfalls voller Energie dargeboten wurde.

Zauberisch und verträumt erklang das Prélude „L’après-midi d’un faune“ (Der Nachmittag eines Fauns), das Claude Debussy im Jahr 1892 komponierte. Es gilt als das erste impressionistische Orchesterwerk der Musikgeschichte. Das Flirren und Flimmern der Luft an einem warmen Sommernachmittag in der mythischen Landschaft Arkadiens ließ Peter Wallinger seinem Orchester genüsslich musizieren. Insbesondere die Holzbläser führten die träge dahinfließende Melodik in sensibler Intonation aus.

Beliebt und gern gehört ist die Sinfonie Nummer fünf in B-Dur, von Franz Schubert 1816 in Noten gesetzt. Sie ist in ihrem anmutigen ersten Satz noch deutlich von Mozart beeinflusst. Romantische Stimmungen und tänzerische Elemente artikulieren sich in weit gespannten, eingängigen Melodien. Drei der vier Sätze musizierte das Orchester in forschen Tempi und entfaltete dabei seine in jedem Register glutvolle Fülle. Nur das Andante erklang in geruhsam dahingleitendem Tempo. Peter Wallinger verlieh der Sinfonie mit dieser unpathetischen Wiedergabe leuchtenden Glanz. Als Zugabe für den begeisterten Schlussapplaus wurde noch ein kurzer Ausschnitt aus dem Menuett-Satz gespielt.

Rudolf Wesner

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