Ein Auslese ihres musikalischen Schaffens hat jetzt die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter Leitung von Peter Wallinger auf CD veröffentlicht. Sensible Interpretationen von Gluck bis Brahms.

Im 26. Jahr ihres Bestehens konnte die Kammersinfonie mit ihrem künstlerischen Leiter Peter Wallinger während der Saison 2010 mit ausgezeichneten Solisten aufwarten. Die in Ludwigsburg geborene und in Sachsenheim aufgewachsene Geigerin Ursula Schoch, den holländischen Cellisten Johan van Iersel sowie den blinden Pianisten Bernard d“Ascoli, die alle auf der neuen CD zu hören sind.

Mutig, weil ungewöhnlich kurz, der Auftakt der Live-CD. Christoph Willibald Gluck gilt als Reformator der Oper des 18. Jahrhunderts, die Kammersinfonie gönnt ihm gerade mal eineinhalb Minuten mit der Sinfonia zum Ballett „Don Juan“

Dieses kurze Vergnügen wird mit Barkalore op. 37a aus „Die vier Jahreszeiten“ mehr als entschädigt. Peter Tschaikowskys Stück, über den Franz Liszt einmal polemisch meinte: „Seine Kompositionen lassen mich kalt; sie verraten mehr poetische Absichten als echte schöpferische Kraft, mehr Farbe als Form, mehr äußeren Glanz als inneren Gehalt“, präsentiert die Kammersinfonie genau so: poetisch, farbig und mit viel Glanz.

Dem schließt sich voller Dramatik Claude Debussys Prélude à „L‘après-midi d‘un faune“ an, eine sinfonische Dichtung, frei nach einem Gedicht von Stéphane Mallarmé. Ausgestattet mit hoher Farbigkeit und Leichtigkeit gelingt es der Kammersinfonie, in der Dosierung, dem Gleichgewicht und der Transparenz des Klanges das scheinbar musikalisch Neue im Bild des scheinbar Vertrauten erkennbar zu machen.

Mit einem der größten, wenn auch nicht bedeutendsten Lieblingswerke von Wolfgang Amadeus Mozart, dem Klavierkonzert A-Dur KV 488, setzen die Musiker um Peter Wallinger einen ersten Höhepunkt auf der neuen CD. Uraufgeführt im Jahre 1786, also dem Jahr, in dem Mozarts Karriere als Komponist und Musiker ihren Zenit erreichte, wird das Klavierkonzert mit Pianist Bernard d“Ascoli von der Kammersinfonie in heiterer und großer Anmut gespielt, die hinter allem Glanz die Wehmut erahnen lässt, die in diesem Werk ruhen – aufgenommen am 5. Dezember beim Adventskonzert im Bietigheimer Kronenzentrum. Angehängt wurde gleich die damalige Zugabe, Frédéric Chopins Walzer op. 68 Nr. 2 cis-Moll. Leicht, bekannt und gefällig für den großen Applaus gespielt.

Mit dem Doppelkonzert für Violine und Violoncello a-Moll op. 102 von Johannes Brahms setzt die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim mit der Geigerin Ursula Schoch und dem Cellisten Johan van Iersel einen gelungenen Schlusspunkt auf ihrer neuen CD. Das Besondere des Werkes ist nicht die Virtuosität der einzelnen Solopartien, sondern die Verzahnung und klanglicher Homogenität. Vom kraftvollen Allegro bis zum rondoartigen Finale mit seinem von Pauken dominierten jubelnden Schluss zeichnet das Werk eine Gesamtidee aus, die die Kammersinfonie eindrucksvoll vermittelt. Das Doppelkonzert in a-Moll war Brahms‘ letztes großes Orchesterwerk – für die CD ist es, neben Mozarts Klavierkonzert, der alles überstrahlende musikalische Glanzpunkt.

Jörg Palitzsch

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