Reihe „Mühlacker Concerto“ ist mit einem Programm zum Thema Jahreszeiten zu Gast in der Ötisheimer Kelter. Es dauert noch ein knappes Vierteljahr, ehe wieder im Uhlandbau die Mühlacker Concerti erklingen können. Bis dahin hat die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter ihrem Dirigenten Peter Wallinger in der historischen Kelter in Ötisheim eine Spielstätte gefunden, wo das Publikum ein anspruchsvolles Programm serviert bekam.

Ötisheim. Moderne Architektur mit historischen Wurzeln auf einen stimmigen Nenner gebracht – so ließe sich in etwa auch das Programm des Abends umreißen. Die Solovioline spielte die Konzertmeisterin des Königlichen Concertgebouw-Orchesters Amsterdam Ursula Schoch, die in der Region bestens bekannt und geschätzt ist und sich großer Beliebtheit erfreut. Welchem Klassikfan sind sie nicht vertraut, die „Vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi? Mit vier Violinkonzerten mit den Titeln Frühling, Sommer, Herbst und Winter durchwandert der Barockkomponist das Jahr in stimmungsvollen Wechseln, indem er lautmalerisch in Tongemälden den sprießenden Frühling, den heiteren Sommer, einen segensreichen Herbst und den eisigen Winter nachzeichnet. Passend zum derzeitig sonnigen Oktober eröffnete der „Tanz der Landleute“ aus dem Herbstkonzert den Abend. Orchester und Solistin gewannen an harmonischem Zusammenspiel, ehe sie mit dem Andante aus den Elegischen Melodien opus 34 von Edvard Grieg die andächtig lauschenden Zuhörer auf einer breiten Woge musikalischen Wohlklangs in Thors Reich davontrugen. „Varen – letzter Frühling“ hatte der norwegische Komponist diesen Satz genannt. Zeichnet man die Konzertfolge als zeitliche Kurve nach, so beginnt diese im Barockzeitalter, steigt mit Grieg ins 19. Jahrhundert an, erreicht mit einem Violin-Solokonzert des noch lebenden estnischen Komponisten Arvo Pärt den Gipfel, kehrt mit dem Walzer „Dezember“ und dem „Schneeglöckchen“ im April und einer Juni-Barcarole von Tschaikowsky ins 19. Jahrhundert zurück und endete mit einer nun souverän aufspielenden Ursula Schoch wiederum im Barock mit Vivaldis „Der Winter“. In allen Zeitläufen hat der Gang des Jahres Komponisten bewegt. Wie unterschiedlich sie sich in Stil und Ausdruck damit auseinandersetzten, erlebten die Zuhörer an diesem Abend durch überzeugende und gelungene Interpretationen von Orchester und Solistin. Nicht in den Jahresablauf hineinzupassen schien das Konzert von Arvo Pärt für Solovioline, Orchester und Schlagzeug. Einen Moment der Stille im Zentrum des Programms zu gestalten, hatte sich Dirigent Peter Wallinger vorgenommen. Pärt, einer der meistgespielten zeitgenössischen Komponisten, wurde vielfach ausgezeichnet. In der Begründung für die Verleihung des Internationalen Brückepreises heißt es unter anderem: „Sein Werk macht das menschliche Grundbedürfnis nach einer Verbindung von Ästhetik, Ethik und Spiritualität, die in unserer überwiegend säkularisierten Gesellschaft so oft der Politik und der Ökonomie untergeordnet werden, deutlich und erlebbar.“ Pärt selbst erklärt seine Musik so: „Ich habe entdeckt, dass es genügt, wenn ein einziger Ton schön gespielt wird. Dieser Ton, die Stille oder das Schweigen beruhigen mich.“ Er strebt in seiner fast ausschließlich religiös motivierten Musik nach einem Ideal der Einfachheit. Einfache Harmonien, meist Dreiklänge und überlagernde Tonleitern bestimmen seine rhythmisch bewusst einfach gehaltenen Kompositionen (Quelle: Wikipedia). Nun, einfach klang es in den Ohren der Zuhörer nicht, als die „Fratres“ ein sehr genaues Hinhören forderten. Das Werk bringe die Menschen zurück zu ihren Ursprüngen, heißt es. Eingebettet zwischen Griegs Andante und dem Tschaikowsky-Walzer mahnten die Interpreten eine Auseinandersetzung mit dem „einfachen Klang“ an, der durchaus mit Dissonanzen aufschreckt und wachrüttelt. „Ist das jetzt meine Musik“, lautete so manche Frage. „Die Kammersinfonie lässt immer wieder mit interessanten und anregenden Programmkonzeptionen aufhorchen“, ist eine der Prämissen für Wallingers intensive Orchesterarbeit der letzten 27 Jahre. Ohne Zugabe durften die Musiker und die Solistin ihre Instrumente nicht einpacken. Großer Applaus begleitete Schoch und Wallinger, als die Begeisterung der 200 Zuhörer – das Konzert war ausverkauft – sie wiederholt aufs Podium führte. Beim nächsten Mühlacker Concerto am 3. Dezember, nochmals in der Ötisheimer Kelter, heißt es „à la francaise“ – ein Programm, das nur so sprüht von Originalität, verspricht Peter Wallinger schon jetzt.

Eva Filitz

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