Kompositionen “à la française“ in Ötisheim beim „MühlackerConcerto“. Solist Sebastian Manz verströmt pulsierende Tonkaskaden. Ötisheim. Vordergründige Effekthascherei ist seine Sache nicht. Die akrobatische Virtuosität, die der junge Meisterklarinettist Sebastian Manz an den Tag legt, bleibt in jedem Moment zwar lustvolle, aber hauptsächlich dem musikalischen Werk dienende Gestaltungsarbeit. So jedenfalls präsentierte sich der diesjährige „ECHO-Klassik“-Preisträger beim Konzert der „sueddeutschen kammersinfonie“ in der historischen Kelter Ötisheim.

Ötisheim. Vordergründige Effekthascherei ist seine Sache nicht. Die akrobatische Virtuosität, die der junge Meisterklarinettist Sebastian Manz an den Tag legt, bleibt in jedem Moment zwar lustvolle, aber hauptsächlich dem musikalischen Werk dienende Gestaltungsarbeit. So jedenfalls präsentierte sich der diesjährige „ECHO-Klassik“-Preisträger beim Konzert der „sueddeutschen kammersinfonie“ in der historischen Kelter Ötisheim. Das von Peter Wallinger mit Verve geleitet, vielfach verstärkte Bietigheimer Ensemble und Manz interpretierten das Klarinettenkonzert des 1997 verstorbenen Komponisten Jean Françaix als eine in reichen instrumentalen Farben leuchtende Klangfantasie. Rasante Tempi und tänzerische Rhythmik (in den Allegro-Ecksätzen), aber auch ausgelassene Heiterkeit und Ironie (im Scherzando) oder von melancholischer Zartheit geprägte Passagen (im Andantino) bestimmten die Wiedergabe. Vor allem der Solist verströmte mit pulsierenden Tonkaskaden, Schwüngen und Schlenkern, überraschenden Akzenten und abenteuerlich über den Orchesterklangwellen hüpfenden Akkorden spielerische Freude. Dabei zeichnete sich Sebastian Manz durch unerhörte Klarheit, spielerisch lockere, aber kernig fokussierte Tongebung aus, wie man sie selbst bei renommierten Klarinettisten selten erlebt. Überhaupt erfreute der unter das Motto „à la française“ gestellte Konzertabend mit unkonventionell moderner Musik aus Frankreich, die mehrfach in ein unterhaltsam-kultiviertes Crossover oder, um es in der Sprache ihrer Autoren zu formulieren, in eine „Musique sérieuse sans gravité“ einmündete. Mit Harfen-Clustern einerseits und jazzig schrillen Einwürfen der Bläser auf der anderen Seite schäumten die von den Streichern in mitreißendem Walzertakt angefachten „Valses nobles et sentimentales“ von Maurice Ravel. Und nach der Konzertpause gelang es Wallinger und seinem Orchester, das bereits verwöhnte Publikum mit Darius Milhauds bizarrer, in vielerlei Hinsicht lustig verquerer Ballet-Suite „Le Boeuf sur le toit“ (op.58) zu begeistern. Das muss man sich vorstellen: Die Musiker ließen nicht nur die Puppen“, sondern einen „Ochsen auf dem Dach“ in südamerikanisch hitzigen Tango-Rhythmen tanzen. Ein komödiantisch befeuertes, in scheinbar „falschen“ Tönen lärmendes Musik-Fest der Extraklasse.

Eckehard Uhlig

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.