Ein musikalisches Jahr, auf CD gebannt, können die Freunde der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim jetzt bequem zu Hause Revue passieren lassen.

Die neu erschienene neunte CD in der Reihe „Kammersinfonie live“ legt erneut Zeugnis von der technischen Professionalität und interpretatorischen Vielseitigkeit jenes Orchesters ab, mit dem der Gründer und Dirigent Peter Wallinger auch im Vorjahr zahlreiche Konzerte in der Region gestaltet hat. So speist sich der CD-Inhalt aus Live-Mitschnitten der Auftritte vom 28. Oktober in der Ötisheimer Kelter, vom 10. Juli in der Leinzinger Frauenkirche und vom 4. Dezember im Kronenzentrum Bietigheim-Bissingen

So unterschiedlich wie die Konzertorte sind die Programme: Der Musikfreund darf beim Hören der CD unter anderem in französischen Klängen schwelgen, die das Konzertmotto „à la française“ in Gestalt der „Valses nobles et sentimentales“ von Maurice Ravel, des Konzerts für Klarinette und Orchester von Jean Francaix und eines Ausschnitts aus „Le Boef sur le toit“ von Darius Milhaud mit sich brachte. Der Klassik-Fan bekommt darüber hinaus eine Art musikalischen Kalender zu hören, der von Taschaikowskys „Schneeglöckchen“ über die zauberhaften Frühlingsgefühle aus Edvard Griegs „Varen – letzter Frühling“ bis zu Vivaldis „Herbst“ und dem langsamen „Winter“-Satz aus den „Jahreszeiten“ reicht. Auch Teile des Programms einer „Sommerlichen Serenade“ in der Frauenkirche sind enthalten.

Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim weiß sowohl als einfühlsame, zurückhaltende, jedoch immer präsente Begleiterin in Solokonzerten zu überzeugen als auch – selbst in der Hauptrolle – die Qualitäten im Zusammenspiel sowie die Klasse jedes einzelnen Mitwirkenden zu demonstrieren. Reich an Klangfarben gestaltet das Ensemble den Grieg’schen Frühling, um dann genüsslich in den Walzerrythmen zu schwelgen, die ihnen Tschaikowsky und Ravel anbieten.

Ob elegisch, schmachtend oder feurig – der Hörer wird Zeuge hochkarätiger Darbietungen, die ohne Netz und doppelten Boden auskommen. Live ist live, und so gelangt via Lautsprecher zwar mitunter ein Takt ins heimische Wohnzimmer, der bei einer Studioaufnahme wiederholt worden wäre, dem Musikgenuss tut dies aber keinen Abbruch. Zu spielfteudig, zu frisch klingt das Orchester, zu engagiert und virtuos agieren die Solisten.

Namenhafte Künstler sind es, die Peter Wallinger hat gewinnen können. So zeichnet sich die Geigerin Ursula Schoch in Vivaldis „Jahreszeiten“ als Interpreting aus, die der bekannten Komposition durchaus neue Facetten abzugewinnen weiß und mit ihrer Tempogestaltung die verschiedenen Szenen konturenscharf abbildet. Die Cellisten Chihiro Saito („Lotus String Quartet“) und Gen Yokosaka erfreuen smit stilsicherer Artikulation in Händels Konzert g-moll für zwei Violoncelli und Orchester, un der Klarinettist Sebastian Manz zaubert nicht nur wohlig weiche lyrische Passagen hervor, sondern erweist sich auch als wahrer Aktrobat auf seinem Instrument.

Carolin Becker

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