Der „Musikalische Sommer“, Peter Wallingers Matinée-Konzertreihe in der Lienzinger Frauenkirche, stand diesmal im Zeichen der exzellenten Solo-Harfenistin Anne-Sophie Bertrand und der von ihr interpretierten Kompositionen, die dem französischen Impressionismus zugerechnet werden.

Edgar Ellen Poe erzählt in „The Masque Of The Red Death“ von einem grauenhaft makaberen Totentanz. André Caplet (1879–1925) hat diese Horrorgeschichte in seiner „Conte fantastique“ für Harfe und Streichquartett mit lautmalerischen Mitteln genial umgesetzt. Man hörte in der Lienzinger Wiedergabe die Todesschreie und Totenglocken aus den mit flinken Händen gezupften, basstief gerissenen und geklopften Silbersaiten der Harfe, spürte die Tänze auf dem Vulkan und die Angst der Menschen zwischen den wellenförmig aufschreienden Glissandi und blutrot-wolkigen Arpeggien, die zur düsteren Streicherbegleitung (Sachiko Kobayashi und Katja Rohde-Paulich Violinen; Tomoko Yamasaki Viola; Gen Yokosaka Violoncello) geboten wurden. Freilich war alles von den wie stets in der Spielpause frohgemut zwischen Gräberfeldern lustwandelnden Konzertbesuchern bald wieder verdrängt.

Anne-Sophie Bertrand, die ihr Instrument mit funkelnder Präzision und unverwechselbarem Kolorit zum Singen brachte, hatte aber auch aparte Klanggebilde im Programm. Maurice Ravels „Introduktion und Allegro“ für Harfe, Flöte (Verena Guthy-Homolka), Klarinette (Martin Nitschmann) und Streicher („sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ unter der Leitung von Peter Wallinger) erfreute mit zartem Saitenspiel und irisierender Farbigkeit. Klangsinnliches Schäumen und Glitzern dann in der (als Zugabe) meisterlich interpretierten Konzertetüde für Harfe solo „La Source“ (Die Quelle) von Alphonse Hasselmans (1845–1912).

Umrahmt wurde das Harfen-Konzert von engagiert wiedergegebenen Streichorchester-Stücken aus dem beliebten Repertoire von Wallingers „Bietigheimern“, dem Brandenburgischen Konzert Nr.3 G-Dur von J.S. Bach und der Suite für Streichorchester „Aus Holbergs Zeit“ von Edvard Grieg.

Eckehard Uhlig

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