Ein Konzert mit großem Überraschungseffekt bot die Sueddeutsche Kammersinfonie unter der Leitung ihres Gründers Peter Wallinger am Freitagabend im Kronensaal. Gemeinsam mit dem Saxophonquartett „Alliage“ wurden musikalische Raritäten aufgeführt.

Dirigent Peter Wallinger hatte mit seiner Sueddeutschen Kammersinfonie ein überraschendes Konzertprogramm vorbereitet. Foto: Martin Kalb

Es war nicht das erste Mal, dass Peter Wallinger entweder kaum bekannte oder nur selten gespielte Werke aus den Tiefen eines Notenarchivs hervorzog. Für sein Konzertprogramm „Begegnung zweier Klangkörper“ wählte er zunächst die „Serenata notturna“ in D-Dur, KV 249, für Streicher und Pauken von Wolfgang Amadeus Mozart aus. Schon im ersten marschartigen Satz entstand ein markanter Kontrast aus elegantem, geschmeidigem Streicherklang und kraftvollen Paukenschlägen. Auch das in schreitendem Tempo dargebotene Menuetto wurde damit im Ausdruck fester, ohne dass dies den typischen Mozart-Melodiefluss beeinträchtigte. Das abschließende Rondo erfreute in seinem musikalischen Humor, den die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ glanzvoll auslotete.

Eine Aufführung „In neuem Gewand“ stand auf dem Programm. Gemeint war ein neuzeitliches Arrangement der „Sonata piano e forte“ des italienischen frühbarocken Komponisten Giovanni Gabrieli, denn an Stelle von ursprünglich vorgesehenen „Zinken“, also Trompeten, übernahm das Saxophonquartett „Alliage“ dessen Aufgaben. In diesem Ensemble wirken Daniel Gauthier (Sopransaxophon), Eva Barthas (Altsaxophon), Koryun Asatryan (Tenorsaxophon) und Sebastian Pottmeier (Baritonsaxophon) mit. Bereits bei der Aufführung des barocken Werks brachten sie die farbenprächtige Klangfülle dieses Blasinstruments vollendet zur Geltung. Die Verbindung des feinstimmigen, aber auch opulenten Streicherklangs mit dem der vier Saxophone ließ ein anmutiges Hörvergnügen entstehen.

Im Alter von 23 Jahren komponierte der Tscheche Leo Janácek (1854 bis 1928) eine Suite für Streicher mit sechs Sätzen. Für die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ war die Komposition eine weitere anspruchsvolle Aufgabe, mit der sich ihr edler Streicherglanz silbrig klar ausbreitete.

Im zweiten Teil des Konzerts stand das Saxophonquartett „Alliage“ im Mittelpunkt. Aus der Oper „Porgy and Bess“ von George Gershwin musizierte das Ensemble eine Suite mit bekannten und beliebten Melodien des zwischen 1933 und 1935 entstandenen Bühnenwerks. Es klang fetzig und jazzig, aber auch, etwa bei der beseelten Intonierung des Blues „Summertime“, atmosphärisch verträumt. Ein musikalisches Brillantfeuerwerk entfachten abschließend die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ und das Ensemble „Alliage“ unter der impulsiven Leitung von Peter Wallinger bei der Aufführung einer „Carmen-Rhapsodie“ mit den Melodien von Georges Bizet, hier in einem für diese beiden Klangkörper von dem Japaner Jun Nagao geschaffenen Arrangement, das zudem auch den Einsatz umfangreichen Schlagwerks vorsah.

Solches mit Bravour und brodelndem Temperament ausgeführtes Musizieren hörte man bisher eher selten von dem Streichorchester und die vier Saxophoninterpreten hatten kaum Zeit zum Atemholen, als sie in rasanten Tempi und in exzellenter Virtuosität dazu beitrugen, dass diese Aufführung tosenden Beifall auslöste.

Rudolf Wesner

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