Sommerfrische und Sonnenschein am idyllischen Spielort steigerten die Erwartungsfreude beim „Musikalischen Sommer“ in der Lienzinger Frauenkirche. Zudem wartete das Matinee-Konzert der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ am Sonntagvormittag mit Programm-Raritäten und Solisten auf, die ein musikalisches Stimmungshoch herbeizauberten.

Mitreißende Musizierlust demonstrierte Flötist Daniel Koschitzki. Foto: Fotomoment

Chihiro Saito, die Cellistin des „Lotus String Quartets“, interpretierte zusammen mit der Kammersinfonie unter Peter Wallingers Leitung Antonio Vivaldis Violoncello-„Concerto in h-Moll“, RV 424 und beeindruckte mit unerhört akkuratem, klangsattem Solospiel. Flüssig über die Saiten gleitend präsentierte sie das einleitende „Allegro non molto“, das sich im Satzzentrum zu einer chromatisch auf- und absteigenden Klanglinie verdichtete. Nur vom Basso continuo und Cembalo-Geglitzer begleitet, entfaltete sich im „Largo“ farbintensiv dunkler Cello-Gesang. Das abschließende „Allegro“ zeichnete sich nochmals durch barocken Concerto-Stil mit dynamischen Lautstärke-Abstufungen und temperamentvollem Wechselspiel zwischen Orchester und Soli aus.

Danach öffnete Daniel Koschitzki, der international renommierte Blockflöten-Solist, mit seinem Charme und seiner mitreißenden Musizierlust alle Schleusen der Fröhlichkeit. Welche Klangfülle, welchen Zierrat aus Trillern, Vorhalten, Ton-Hüpfern und wirbelnden Läufen vermochte er dem kleinen Holzblasinstrument zu entlocken! Die Wiedergabe des Concerto G-Dur für Sopranblockflöte und Violinen von Leonardo Leo, einem neapolitanischen Barockmeister, malte facettenreiche Klangbilder aus – rasant pulsierend im ersten, stimmungsvoll klagend im zweiten, mit Silberstift filigran gezeichnet im letzten Satz. Im Anschluss folgte die Aufführung einer Suite für Flöten und Orchester des bei uns nahezu unbekannten englischen Komponisten Gordon Jacob (1895–1984), die kontrastreiche tänzerische Genres aufzubieten hatte: Altblockflöten-Töne wie Ausrufezeichen im „English Dance“, bittersüße Melancholie im „Lament“, akzentuierte Rhythmen in „Burlesca alla Rumba“, Träumereien in der „Pavane“, schneidende Piccoloflöten-Kaskaden und höchste Spitzentöne in der „Tarantella“.

An dieser virtuosen Demonstration des Meister-Flötisten hätte sogar Hirtengott Pan seine Freude gehabt – das Publikum jedenfalls jubelte und applaudierte begeistert.

Frische, Transparenz und romantischer Klangsinn waren die Markenzeichen einer Interpretation von Antonín Dvoráks Serenade E-Dur op.22, mit der Peter Wallinger und sein Orchester-Ensemble die musikalische Matinee schwungvoll ausklingen ließen.

Eckehard Uhlig

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.