Mit dem vielschichtigen Programm „Nordische Impressionen“ hat die sueddeutsche kammersinfonie bietigheim unter Leitung ihres Gründers Peter Wallinger die Besucher des Neujahrskonzerts im voll besetzten Uhlandbau in den Norden Europas, nach Finnland, Schweden, Norwegen und Dänemark, entführt.

Abwechslungsreich: Zur Musik der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim rezitieren Sylvia Hartmann und Andreas Abendroth aus dem finnischen Volksepos „Kalevala“. Foto: Fotomoment

Der besondere Reiz des Programms lag in dessen Erweiterung durch die Sprache. Aus dem finnischen Volksepos „Kalevala“ rezitierten Sylvia Hartmann und Andreas Abendroth etliche Verse, sogenannte Runen.

Rhythmisch akzentuiert und tänzerisch bewegt erklangen zu Beginn des Konzerts „Kuhreigen und Bauerntanz“ aus Opus 63 von Edward Grieg. Diese heiteren, folkloristisch wirkenden Stücke gaben der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim erste beeindruckende Gelegenheiten, mit gewohnt klarem, dichtem und warmem Streicherklang zu erfreuen. Auch drei Sätze aus einer Serenade nach schwedischen Volksweisen von Max Bruch musizierte das Orchester beschwingt und in sehr fein nuancierter Ausführung.

Der finnische Komponist Pehr Henrik Nordgren lebte von 1944 bis 2008. Peter Wallinger hatte ihn noch selbst kennengelernt und deshalb in der Vergangenheit immer wieder einzelne Stücke des Künstlers aufgeführt. Aus seiner im Jahr 1976 entstandenen Suite „Pelimannimuotokuvia“, Opus 26, waren zwei lebhafte und regelrecht fröhlich wirkende Sätze zu hören.

Auch die bekannte „Sentimental Saraband“ aus der „Simple Symphonie“ von Benjamin Britten wurde zu einem musikalischen Glanzstück. Mit großer Einfühlsamkeit und Sensibilität interpretierte die Konzertmeisterin der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim, Sachiko Kobayashi, auf der Violine den Solopart von Sibelius‘ Humoreske op.89b.

Den burlesken „Bauerntanz“ von Edward Grieg spielte das Orchester am Ende des Programms noch einmal in schnellem Tempo. Danach folgte noch eine Zugabe als Dank für den anhaltenden, freudigen Schlussapplaus im Uhlandsaal.

Hervorzuheben ist nicht zuletzt die Rezitation aus dem finnischen Epos „Kavelava“ durch die beiden fabelhaften Sprecher Sylvia Hartmann und Andreas Abendroth. Mit einem vom Versrhythmus bestimmten, angemessenen Pathos und in überaus klarer Artikulation trugen sie die ausgewählten Runen vor. Darin wurde von den Abenteuern dreier Helden aus Kalevala-Land im Süden Finnlands berichtet, die sie bei ihrer Werbung um die schöne Nordlandjungfrau erleben. Außerdem spielt ein magisches Gefäß mit der Bezeichnung „Sampo“ eine wesentliche Rolle, um das es einen wilden Kampf gibt, bei dem es zerbricht. Doch seine geretteten Scherben bringen den Helden schließlich Glück.

Der Inhalt dieses Epos ist außerordentlich spannend und wirkte in der deutschen Übersetzung sehr authentisch und ursprünglich, wozu die Vortragskunst der beiden Sprecher wesentlich beitrug.

Rudolf Wesner

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