Sehr gutes Konzert der Kammersinfonie Bietigheim mit altem Ritual


Die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ glänzte bei ihrem Konzert in Ludwigsburg. Vor allem aber die Solistin Anne-Sophie Bertrand an der Harfe beeindruckte mit ihrem feinfühligen, virtuosen Spiel.

Am Ende gab es den wohlverdienten Applaus für die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ und die Harfenistin Anne-Sophie Bertrand. Foto: Ferdinando Iannone

Im Louis-Bührer-Saal der Kreissparkasse Ludwigsburg musizierte am Freitag erneut die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“. Die Qualität des Konzerts hätte allerdings eine größere Zahl an Zuhörern verdient.

Neben seinen insgesamt 41 Sinfonien schrieb Wolfgang Amadeus Mozart unter anderem auch eine Fülle von Divertimenti, die als Gelegenheitskompositionen entstanden sein dürften. Aus dem Jahr 1775 stammt beispielsweise das elfte Divertimento in D-Dur, KV 251. Das Werk umfasst sechs Sätze und sieht die solistische Mitwirkung einer Oboe und zweier Hörner vor. Einen heftig bewegten Anfang ließ Peter Wallinger von den Musikern der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ mit dem einleitenden Allegro Molto erklingen, dem in feierlich schreitendem Tempo ein Menuett folgte. Elegant und die zarte Melodik auskostend wurde das Andantino zu einer Delikatesse. Im zweiten Menuett-Satz erhielten die drei Solisten an der Oboe und den Hörnern viel Gelegenheit, mit ihrem virtuosen Spiel zu bestechen. Vital, burlesk und voller Esprit führte das Orchester das Rondo aus. Mit einem pompös klingenden „Marcia Alla Francese“ gestalteten die Musiker unter Peter Wallingers anregender Leitung ein bravouröses Finale.

Der französische Komponist Francois-Adrien Boieldieu lebte von 1775 bis 1834 und hatte eigentlich eher mit seinen Opern Erfolg, von denen „Die weiße Dame“ bis heute die bekannteste geblieben ist. Doch er schrieb auch ein Konzert für Harfe und Orchester in C-Dur, das Peter Wallinger für das Konzert in Ötisheim aus einem Notenarchiv ausgegraben hatte. Zur glanzvollen Aufführung dieser musikalischen Rarität gewann er die in Paris geborene und seit dem Jahr 2000 dem Sinfonieorchester des Hessischen Rundfunks angehörende Harfenvirtuosin Anne-Sophie Bertrand.

Die junge Künstlerin begeisterte mit der brillanten Interpretation der anspruchsvollen Soli des dreisätzigen Werks. Schon im ersten Satz bestach sie mit Virtuosität und breitete zusammen mit dem feinstimmig und in angemessener Zurückhaltung musizierenden Orchester ein zartes Klanggewebe aus. Anne-Sophie Bertrand beglückte mit ihrem feinfühlig nuanciertem Spiel, das sie auch im Andante hören ließ. Im Rondeau bewies sie noch einmal filigrane Klangentfaltung.

Zu den besonders häufig aufgeführten Sinfonien von Joseph Haydn zählt die mit dem Beinamen „Abschiedssinfonie“ versehene 45. in Fis-Moll aus dem Jahr 1772. Die Kammersinfonie ließ bei der Aufführung der ersten drei Sätze zunächst den gewohnten sinfonischen Glanz aufleuchten. Doch im Finale kam Bewegung in die Reihen der Musiker, denn, und darauf warteten die Kenner des Werks bereits, nach und nach packten sie ihre Instrumente ein und verließen leise das Podium, bis nur noch zwei Violinisten übrig blieben, die den Satz und damit die Aufführung ausklingen ließen.

Auch in diesem Konzert war einmal mehr die vollendete und hell schimmernde Pracht des Klangkörpers zu erleben. Als Zugabe wurde noch ein Pizzicato-Stück aus der Ballettmusik „Don Juan“ von Christoph Willibald Gluck dargeboten.

Rudolf Wesner

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