Murr. Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim hat zum Neujahrskonzert unter dem Motto „Voyage fabuleux“ – fabelhafte Reise – in den Bürgersaal geladen. Zwei Schauspieler haben dazu Fabeln des Dichters Jean de la Fontaine dargeboten.

Hier sitzen Profis auf der Bühne: Die Mitglieder der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim spielen in großen Orchestern wie der Staatsoper oder den Philharmonikern. Foto: avanti

Ein Konzert der Extraklasse hat rund 150 Gäste am Samstagabend im Bürgersaal in Murr erwartet. Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim hatte zum Neujahrskonzert unter dem Motto „Voyage fabuleux“ – fabelhafte Reise – geladen. Und das war durchaus wörtlich zu nehmen. Zu fabelhafter Musik standen Fabeln des Dichters Jean de la Fontaine auf dem Programm, die die Schauspieler Nathalie Cellier und Peter Steiner vom Xenia-Theater in einer charmanten deutsch-französischen Mischung darboten – und dabei „die Musikalität der französischen Sprache“, wie es der Murrer Kulturreferent Matthias Bader in seiner Begrüßung formulierte, zu Gehör brachten. Musik und Wort gingen so eine inhaltlich wie akustisch harmonische Beziehung ein.

Im Hauptberuf spielen die Musiker um den Dirigenten und künstlerischen Leiter Peter Wallinger in großen Orchestern wie der Staatsoper oder den Philharmonikern. „Hier in diesem kleinen Rahmen aufzutreten, ist für sie etwas ganz Besonderes“, sagte Wallinger. Erst eine Woche vorher haben sie begonnen, intensiv gemeinsam zu proben.

Dass Profis auf der Bühne saßen, hörte man schon bei den ersten Tönen. Wie die Streicher, allen voran Konzertmeisterin und Solistin Sachiko Kobayashi, die Saiten nicht nur zum Klingen, sondern zum Singen brachten, war ein echter Hörgenuss. Vom vogelleichten Pianissimo bis hin zum fulminanten Fortissimo entstiegen die Töne scheinbar mühelos den Violinen, Bratschen, Celli und dem Kontrabass. Da wurde, passend zur zuvor rezitierten Fabel „Das Huhn mit den goldenen Eiern“, das Bild eines Huhns, „la poule“, des Komponisten Jean-Philippe Rameau mit Noten gemalt – mal eifrig pickend, mal aufgeregt flatternd. Auf „Der Tod und der Holzfäller“ folgte das schwermütige „Furuenes Sang“, Gesang der Tannen, des zeitgenössischen norwegischen Komponisten Halvor Haug, das durch seinen ständig wechselnden Rhythmus und die gewollten Dissonanzen das ganze Können der Musiker forderte.

Mühelos schafften es im Anschluss die beiden Schauspieler, die Zuhörer mit ihrer drolligen Interpretation von „Die Grille und die Ameise“ wieder zum Lachen zu bringen. Nathalie Cellier sang mit unbefangener Heiterkeit als Grille „Sous le ciel de Paris“ – unter dem Himmel von Paris –, während Peter Steiner als griesgrämige Ameise ihr riet, da sie im Sommer gesungen statt gearbeitet habe, möge sie nun tanzen, um sich ernähren zu können. Origineller Schluss, der erst nach Tschaikowskys „Barkarole“ folgte: „Die Grille tanzte so gut, dass sie sich ein Haus im Süden kaufen konnte.“ An den Gesang der Grille schloss sich Tschaikowskys „Lied der Lerche“ an. Bei einer modernen Interpretation von „Der Rabe und der Fuchs“ schwatzte Peter Steiner seiner Kollegin ganz beiläufig keinen Käse, aber ihren gesamten Schmuck ab. Der Walzer aus Tschaikowskys „Die Jahreszeiten“ und Mozarts „Kleine Nachtmusik“ bildeten den krönenden Abschluss. Als Zugabe gab es „Der Frosch, der so groß sein wollte wie ein Ochse“ und den Mittelteil des Menuettos aus der Kleinen Nachtmusik.

Ein berührender Moment kam noch ganz am Ende. Nathalie Cellier widmete das Lied „Sous le ciel de Paris“ und „die Freude, die wir heute Abend hier geteilt haben“ den Opfern der Pariser Attentate.

Sabine Armbruster

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