Mit Brahms großem Violinkonzert lassen Violin-Solistion ursula Schoch und die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ im Kronenzentrum Gefühle sprechen.

Bietigheim. Die Adventszeit ist günstig, um in die romatische Seite der klassischen Musik einzutauchen. Ein besonderes geschenk zum Nikolaustag machte die „süddeutsche kammersinfonie bietigheim“ ihrem Publikum mit einem Konzert zum zweiten Advent, das Violinvirtuosin Ursula Schoch zurück in ihre Heimat holte. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, als sie im Bietigheimer Kronenzentrum Johannes Brahms zeitlos faszinierendes Violinkonzert hören ließ. Die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ ließ es knistern vor Spannung am Sonntagabend. Jeder wusste, dass es ein Wiedersehen geben wird mit Ursula Schoch, der Ludwigsburgerin, die bekanntlich als Violinvirtuosin eine Weltkarriere hinlegt. Das Profiorchester unter Peter Wallinger schickte ihr als besonderen „Zauber der Romantik“ Felix Mendelsohn-Batholdys „Ein Sommernachtstraum“ voraus und erinnerte damit an Shakespeares gleichnamige Komödie. Es war der Sommernachtstraum in einer kühlen Sommernacht, keine Spur von schwüler Trägheit.

Schon in der Ouvertüre machte Dirigent Peter Wallinger Tempo und hielt damit die Streicher dennoch nicht davon ab, ihr schönes „Hexenlachen“ auszubilden. Erste Anklänge an Melancholie, Dramatik und schicksalhafte Wendungen deuteten sich an. Die Verzahnung von Streichern und Bläsern wob ein Klangbett, auf dem sich erstklassig das Werk erhob. Die Illusion eines Sommernachtstraums schimmerte im melodischen Passagen mit lyrischen themen in allen Stimmen. Als überraschendes Nikolaus-Präsent gab das Orchester schon vor der Pause eine Zugabe, den Valse Triste von Sibelius.

Auf diesem Parkett fühlte sich die Violinsolistin sichtlich wohl, wusste sie doch ein starkes Orchester hinter sich und tauchte ein in Brahms‘ Lyrik, die zwischen ungarischem Heißblut, vor allem im dritten Satz, undpoetischen Stimmungslagen hin- und hertingelt. Brahms Violinkonzert ist das Konzert der wiederkehrenden Anläufe, bis sich endlich ganz oben in schwindelerregenden Tonregionen wie ein Aufschrei, die Stimmung entlädt.

Ursula Schoch ist Meisterin darin, sich von dem emotionalen Werk nicht den Boden unter den Füßen wegziehen zu lassen. Sie kletterte behende, in der Intonation blitzsauber, hinauf, in die Höhenregionen und gab dem Spitzenton ihr eigenes Kolorit. Ihr Spiel regierte einmal mehr die Posie. Nicht zum ersten Mal stand Ursula Schoch mit der Kammersinfonie Bietigheim auf der Bühne. Natürlich intonierte Schoch auswendig. Themen riss sie an, schwenkte scheinbar launisch mittendrin zum nächsten, verknüpfte Melodiefetzen zu einem Traumgespinst und lebte den Moment bis zum Triller, der das Orchester zurück auf den Plan rief.

Susanne Yvette Walter

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