„Zauber der Romantik“ überschrieb – passend zur Vorweihnachtszeit – die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim ihre Adventskonzerte im Bietigheimer Kronenzentrum und im Uhlandbau in Mühlacker. Als Solistin wirkte wieder einmal die aus Sachsenheim stammende Geigerin Ursula Schoch mit, heute Konzertmeisterin am Amsterdamer Concertgebouw.

Ursula Schoch(vorn) brillierte als Solistin beim Gastspiel in der Heimat. Foto: Oliver Bürkle

Das winterliche Konzert begann mit dem wohl bekanntesten Werk von Felix Medelssohn Bartholdy: „Ein Sommernachtstraum“, Musik zu Shakespeares gleichnamiger Komödie. erst 17 Jahre alt war der 1809 in Hamburg geborne Komponist, als er im Sommer 1826 die einsätzige Ouvertüre schrieb. Nach der Uraufführung in Abraham Mendelssohns Wohnhaus, dem ehemaligen Preußischen Herrenhaus in Berlin, im Rahmen der sogenannten „Sonntagsmusikern“, fand die öffentliche Erstaufführung im Februar 1872 in Stettin statt. Danach vergingen rund eineinhalb Jahrzehnte, bis der Komponist 1842, auf Wunsch des preußischen Königs Wilhelm IV., als op. 61 die mehrsätzige Bühnenmusik zu der Shakespeare-Komödie schrieb. Dieser Teil wurde dann im Oktober 1843 in Potsdam uraufgeführt.

Im Kronenzentrum erklangen jetzt die mit vier Bläserakkorden beginnende Ouvertüre, in der Mendelssohn Bartholdy sozusagen die ganze Welt dieses „Sommernachtstraums“ ausschreitet, in der man Elfen und Oberon begegnet, in der lyrisches ebenso wenig fehlt wie eher Derbes, und dazu vier teile der Bühnenmusik. Locker, beschwingt wurde der erste Satz interpretiert, erzählend, etwas aufwühlend, aber auch dahinplätschernd der zweite. Der dritte Satz erinnerte an die Jagd und im vierten sah man sich mit einer Art Bauerntanz konfrontiert.

Peter Wallinger, der in der Kapellmeisterklasse von Thomas Unger ausgebildete Gründer und Leiter des Orchesters, erwies sich als ein ebenso einfühlsamer wie ausdrucksstarker Interpret der „Sommernachtstraum“-Musik.

Vor der Pause kam noch der rund fünf Minuten dauernde „Valse triste“ von Jean Sibelius zur Aufführung. Nachdem der finnische Komponist eine Bühnenmusik zu Arvid Järnefelts Drama „Kuolema“ geschrieben hatte, bearbeitete er 1904, zwei Jahre nach der Uraufführung, drei Stücke aus seinem op. 44 neu. Eines davon ist der so entstandene Konzertwalzer, ein getragenes, fast schwermütig klingendes Stück Musik, was nicht wundernimmt, wenn man weiß, dass „Der Tod“ der Titel des ursprünglichen Dramas ist.

Der zweite Teil des Konzerts gehörte dem Violinenkonzert D-Dur op. 77 von Johannes Brahms. Entstanden im Sommer 1878 in Pörtschach, uraufgeführt am 1. Janur 1879 in Leipzig, unter der Leitung des Komponisten, mit Joseph Joachim als Solist, dem das Werk auch gewidmet ist, handelt es sich sabei um das einzige Violinkonzert von Brahms, mit dem sich wieder einmal das Problem der Beethoven-Nachfolge stellte. Bezüge gibt es zu Brahms´am selben Ort, ein Jahr früher entstandener, zweiter Symphonie. Das betrifft zunächst ganz allgemein den Ton der Komposition, die vorherrschende Heiterkeit und scheinbar unproblematische Musizierfreude, die viele Kommentatoren auf die Stimmung am Wörthersee zurückgeführt haben. Nicht genug damit, in beiden Werken stehen alle Sätze in Dur. Die Grundtonart ist D-Dur, der langsame Satz der Symphonie greift zur kleinen Unterterz H-Dur aus, der des Violinkonzerts zur kleinen Oberterz F-Dur. Am meisten trägt der dritte Satz dem Anspruch solistischen Konzertierens Rechnung.

Dabei besonders, aber auch ganz allgemein, wurde ihm Ursula Schoch – die bei Sascha Gawriloff an der Kölner Musikhochschule studierte, 1990 bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen als SOlistin debütierte und seit fünf Jahren Konzertmeisterin des Königlichen Concertgebouw-Orchesters ist – mit klangreinem, nuancenreichem, ebenso bewegtem wie präzis klarem und expressivem Spiel auf ihrer von Giovanni Battista Guadagnini im 18. Jahrhundert gebauten Violine gerecht. Als Zugabe zum Romantik-Konzert spielte sie virtuos ein barockes Bach-Adagio.

Dieter Schnabel

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