Gefällig und gleichzeitig kraftvoll präsentiert sich die Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim auf ihrer neue Live-CD. Herausragende Rollen spielen die Solisten.

Die vorliegende Doppel-CD der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim ist der dreizehnte Silberling aus der Reihe „Kammersinfonie live“ und gibt unter der Leitung von Peter Wallinger einen Überblick über die Werke der zurückliegenden Saison.

Dabei wurde mit dem Intro der „Ungarischen Tänze“ von Johannes Brahms, vor allem mit der Nummer 5 g-moll, ein bekanntes Werk ausgesucht. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Ungarn „in“. Auch Brahms war fasziniert von der exotischen Ausdruckskraft der sogenannten „Zigeunermusik“ und machte sich 1869 daran, eine erste Sammlung aus Ungarischen Tänzen zu komponieren, denen er bis 1880 weitere folgen ließ. Dass Nummer 5 dann in Filmen wie Charlie Chaplins „Der große Diktator“ und „Bugs Bunny“ Verwendung finden würde, hätte den Romantiker Brahms sicherlich verwundert.

Joseph Haydns Klavierkonzert D-Dur setzt gewiss einen ersten musikalischen Kontrapunkt auf der CD. Es ist das hochemotionale „Un poco adagio“, dessen Zwiesprache der Streicher mit Marina Müllerperth am Klavier heraussticht. Alles fließt, bleibt dabei doch zurückhaltend, um dann in das tänzerische „Rondo all‘ Ugarese“ zu münden. Die Kadenzen mit ihren harmonischen Schlusswirkungen von Marina Müllerperth zählen zu den schönsten Klangerlebnissen dieser Sammlung.

Das nachfolgende Klavierkonzert Nummer 2 d-moll von Felix Mendelssohn Bartholdy klingt wie eine Zwischennummer, entstand es doch direkt nach der Hochzeitsreise mit seiner Frau Cecile. Und der mit Mendelssohn befreundete Robert Schumann zählte das Werk zu Mendelssohns „flüchtigsten“ Erzeugnissen. „Es ist, als wenn man an einem Baum schüttelt, die reife, süße Frucht fällt ohne weiteres herab.“ Trotzdem: Das Adagio mit Magdalena Müllerperth am Klavier mag man festhalten, wenngleich es am Ende dann doch wie ein leichter Vogel davonfliegt. Magdalena Müllerperth bestreitet am Ende der ersten CD dann auch die Französische Suite Nummer 5 G-Dur von Johannes Sebastian Bach und unterstreicht kraftvoll ihr hohes Können als Solisten.

Als Mozart-Fan muss man vor der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim immer wieder den Hut ziehen. Auf der zweiten CD wird mit dem Divertimento B-Dur eingestiegen, obwohl Mozarts Kammermusikwerke nicht so sehr im Zentrum seines Schaffen stehen. Trotzdem bleibt festzuhalten, dass Mozart besonders auf dem Gebiet der Streichquartette und Violinsonaten auch Werke geschrieben hat, die zu den meistgespielten ihrer Gattung gehören. Und eben dies tut die Kammersinfonie Bietigheim.

In Carl Maria von Webers Klarinettenkonzert B-Dur glänzt Sebastian Manz als Solist. Der erste Satz beginnt mit den Streichern. Sie legen einen Klanggrund aus wenigen Akkorden, über dem sich die Klarinette von Manz in hoher Lage melodiös entfaltet. Weber nannte das Finale „fröhliches Allegro“. Musikalischer Humor in der Art eines Galopps, der im Feuerwerk der Manz-Klarinette endet. Als Ausgleich schließt sich ganz entspannt Heinrich Josef Baermanns Adagio Des-Dur für Klarinette und Streicher an.

Mit „Sommernacht“ von Othmar Schoeck widmet sich die Kammersinfonie einem Außenseiter – und schafft einen der wahren Höhepunkte diese CD. Ein spröder und wehmütiger Grundton fängt einen ein, in allem ein Wechselspiel, bis zum Ende hin letztendlich ein Klangbild reiner Schönheit.

Der Abschluss zeigt sich als großes musikalisches Theater, Bartholdys „Sommernachtstraum“ zu Shakespeares gleichnamiger Komödie. Die einsätzige Ouvertüre komponierte Mendelssohn im Sommer 1826 im Alter von nur 17 Jahren. Diejenigen, die Shakespeares Lustspiel, 215 Jahre vor Mendelssohn Geburt geschrieben, noch nicht kennen, erahnen eine geheimnisvolle Märchenwelt voller Elfen und tanzender Rüpel. Die Unbeschwertheit in dieser Musik kann man hören, es spiegelt sich musikalisch eine luftige Stimmung.

Info Die CD „Kammersinfonie live 2015“ gibt es zum Preis von 15 Euro zu bestellen unter Telefon (07043) 4 04 10 oder per Mail: cd@sueddeutsche-kammersinfonie.de.

Jörg Palitzsch

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