Ungeschnitten dokumentiert die neue CD der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ das Programm der vergangenen Adventskonzerte mit der Geigerin Ursula Schoch.

VON HARRY SCHMIDT

BIETIGHEIM-BISSINGEN. In Rekordzeit hat Peter Wallinger die jüngste CD seiner sueddeutschen kammersinfonie bietigheim (skb) realisiert. Kaum ein Monat ist vergangen seit dem Konzert am 10. Dezember, dessen Mitschnitt nun als fünfzehnte Ausgabe der Reihe „Kammersinfonie live“ vorliegt. Dass auf „Live 2017 – Faszination Klassik“ das komplette Konzertprogramm dieses Abends in unveränderter Reihenfolge und ohne tontechnische Kosmetik dokumentiert ist, belegt sowohl das spieltechnische Niveau, auf dem das vor mehr als 30 Jahren von Wallinger gegründete Orchester musiziert, als auch die Qualität der Programmarbeit seines Leiters.

Im strahlenden Mittelpunkt der Aufnahme steht Mozarts drittes Violinkonzert (KV 216), das, 1775 geschrieben, in seiner Gestaltungshöhe das Erklimmen eines neuen Plateaus in der Produktion des seinerzeit 19-Jährigen markiert. „Wenn es ein Wunder in Mozarts Schaffen gibt, so ist es die Entstehung dieses Konzertes“, stellt Alfred Einstein in seiner Monografie „Mozart. Sein Charakter. Sein Werk“ fest. Nicht Virtuosität, sondern anmutige Eleganz und delikaten Spielwitz verlangt das G-Dur-Konzert seinem Solisten ab, was der in Ludwigsburg geborenen und in Sachsenheim aufgewachsenen Ursula Schoch hier glänzend gelingt.

Transparent und entstaubt

Diese gab 1990 bei den Schlossfestspielen ihr solistisches Debüt, ist nach Jahren bei den Berliner Philharmonikern seit 2000 Konzertmeisterin des Königlichen Concertgebouw Orchesters Amsterdam und hat mit der skb bereits Mozarts viertes Violinkonzert aufgenommen. Das intensivierte Verhältnis von Solo- und Orchesterstimme berücksichtigend, macht die Kammersinfonie ihrem sprechenden Namen auf „Live 2017“ mit transparentem, entstaubtem Mozart-Klang alle Ehre.

Stimmig auch die Umrahmung durch die „Mozartiana“ genannte Orchestersuite Nr. 4 (op. 61), ebenfalls in G-Dur, von Tschaikowsky, 1887 anlässlich des 100. Jahrestags von „Don Giovanni“ komponiert, sowie Felix Mendelssohn Bartholdys 1833 uraufgeführte Sinfonie Nr. 4 in A-Dur (op. 90), in der wie in Mozarts Violinkonzert die Erfahrungen einer Italienreise nachhallen. In der Sehnsucht nach dem Licht des Südens findet sich der rote Faden dieser gelungenen Einspielung.

INFO: Die CD „Live 2017. Faszination Klassik“ der sueddeutschen kammersinfonie bietigheim in der Reihe „Kammersinfonie live“ kann unter der Telefonnummer (0 70 43) 4 04 10 oder über cd@sueddeutsche-kammersinfonie.de bestellt werden.

Harry Schmidt

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