Frühjahrskonzert der Sueddeutschen Kammersinfonie Bietigheim mit Pianist Markus Bellheim


Pianist Markus Bellheim mit der Sueddeutschen Kammersinfonie beim Frühjahrskonzert in Bietigheim. Foto: Holm Wolschendorf

Bietigheim-Bissingen. Wie aus einem Guss präsentierte sich das Programm des traditionellen Frühjahrskonzerts der Sueddeutschen Kammersinfonie Bietigheim (SKB) im Kronenzentrum. Mit vier Werken von Claude Debussy und Maurice Ravel konzentrierte sich der mit „Suite française“ überschriebene Abend ganz auf das Wirken der beiden Hauptvertreter des Impressionismus.

Die „Prélude à l’ aprés-midi d’un faune“ markierte bei ihrer Uraufführung 1894 in Paris nicht nur den künstlerischen Durchbruch von Claude Debussy als Komponist, sondern auch den Beginn eines neuen Zeitalters: Während Camille Saint-Saëns in der symphonischen Dichtung, die auf ein Gedicht von Stéphane Mallarmé Bezug nimmt, „nicht die geringste ausgesprochen musikalische Idee“ zu erkennen vermochte und meinte, die „Prélude“ sei so viel Musikstück wie die Palette eines Malers Gemälde, kam Pierre Boulez ein gutes halbes Jahrhundert später zu einer ganz anderen Einschätzung: Mit dem einleitenden Faunmotiv der Traversflöte, aus dem sich hier alles weitere entwickelt, beginne auch die Geschichte der modernen Musik.

Keine Geringe Aufgabe also, zumal dieser zarte Pianissimo-Auftakt überaus heikel ist, sowohl für Flötistin Verena Guthy-Homolka als auch für ihre Mitstreiter von der SKB. Denn nichts ist für die Musik des Impressionismus wichtiger als ihr fließender Charakter. In der flimmernden Luft verschwimmen Licht und Schatten, Traum und Wirklichkeit, Lust und Ermattung, Narration und Atmosphäre. Mit präzisen, abgezirkelten Bewegungen, Atemzügen gleich, animierte Peter Wallinger sein 1984 gegründetes Ensemble zu einer gelungenen Wiedergabe dieses Schlüsselwerks der Moderne.

Bescheinigte die zeitgenössische Musikkritik um die vorletzte Jahrhundertwende Ravels Werk noch eine direkte Abhängigkeit von Debussy, wird die Musik des 13 Jahre jüngeren doch deutlich mehr durch die Entwicklung konkreter Themen und Rhythmen geprägt. Im zwischen 1929 und 1931 entstandenen „Konzert für Klavier und Orchester“ in G-Dur hallen Eindrücke von Ravels Amerikatournee nach. Mit Markus Bellheim hat Wallinger bereits vor zwei Jahren Bartóks Klavierkonzert Nr. 3 gegeben. Sublim gestaltete der 44-Jährigen die Jazz-Themen, Ragtime-Motive und Blues-Skalen, ohne Überschwang, weder mutwillig noch mechanisch, vielmehr mit einer überlegenen Ausgeglichenheit, die ihresgleichen sucht. Das brachte insbesondere die pastorale Ruhe des Adagio assai bestens zur Geltung. Die Ecksätze wiederum profitierten von der Wendigkeit der um Posaune und Trompete verstärkten SKB. Mit einem Ragtime aus dem Umfeld von Scott Joplin verabschiedete sich Bellheim vom vom begeisterten Publikum im Kronensaal.

Formidabel gerieten auch Ravels einsätzige „Pavane pour une infante défunte“, eine weitere Ikone des Impressionismus, sowie dessen „Valses nobles et sentimentales“: Faszinierend, wie viel Farbigkeit und Transparenz in der Tiefenstafflung die 38-köpfige Kammersinfonie aufzubieten hat, welch feine dynamische und klangliche Nuancen und Differenzierungen der SKB zu Gebote stehen. Das blieb auch dem Bietigheimer Publikum nicht verborgen. Obgleich lediglich rund 200 Besucher an diesem fast schon sommerlichen Frühlingsabend den Weg ins Kronenzentrum gefunden hatten, wurde das Orchester enthusiastischer gefeiert denn je: Applaus mit den Füßen ist hier eher selten und besonderen Momenten des Musikerlebens vorbehalten. Ein erzitterndes Parkett unterstrich, dass es sich bei dem anderentags in Mühlacker wiederholten (und aufgezeichneten) Konzert um einen solchen gehandelt hat.

Harry Schmidt

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