Die Sueddeutsche Kammersinfonie Bietigheim spielt „La Passione“ im Kronenzentrum.

Simon Wallinger dirigierte die Sueddeutsche Kammersinfonie im Kronenzentrum.
Foto: Oliver Bürkle

La Passione bedeutet Hingabe. Und Hingabe an die Musik – das gab es zu allen Zeiten von Seiten der Musiker und der Zuhörer.

Ein Konzert mit dem Titel „La Passione“ zu überschreiben, trifft sozusagen immer den Nagel auf den Kopf und ist unabhängig von Epochen und Werken.

Eigentlich wollte der Dirigent der Sueddeutschen Kammersinfonie Bietigheim, Peter Wallinger, beim Konzert im Kronenzentrum mit zwei renommierten japanischen Solistinnen den Stab selbst führen. Krankheitsbedingt schied Wallinger jedoch aus und überließ seinem Sohn Simon das Dirigat. Simon Wallinger studiert Kontrabass und Klavier in München und leitete auch die Proben zum Konzert. Er gab im Kronenzentrum sein Debüt.

Feuriger Auftakt mit Carmen

Feurig stimmt Simon Wallinger das Prélude aus der Oper Carmen von Georges Bizet an und gibt damit die Marschrichtung vor. Klassik muss rasant und klangfarbenreich sein, will man heute Menschen dafür begeistern und erreichen. Das weiß Simon Wallinger.

Seine Körpersprache zeigt ihn als leidenschaftlichen Dirigenten mit Köpfchen, der ein strahlendes Lächeln zu verschenken hat.

Für Besucher, die auch die Information hinter dem Konzert schätzen, gibt Musikwissenschaftlerin Dr. Christina Dollinger vor Konzerten dieses Formats eine Einführung im separaten Saal. Dabei erfährt man, dass Bizet mit Carmen eine realistische Milieuschilderung versucht hat, die zunächst auf Ablehnung bei seinen Komponistenkollegen stieß. Auch Christoph Willibald Gluck, der das zweite Werk des Abends beisteuert, thematisiert Liebe, Leidenschaft, Tod und Abschied. Er befeuert das Motto des Abends mit seiner Ballettmusik Don Juan. Carmen bekommt hier einen männlichen Gegenspieler, und immer noch geht es um Hingabe im Konzert „La Passione“.

Hingabe ergreift jeden Musiker an diesem Abend. Das zeigen Gesichter und Gesten. Jeder ist vertieft und hingebungsvoll, auch bei Josef Haydns berühmter Sinfonie Nr. 49, die tatsächlich mit einem lyrischen langsamen Satz beginnt, anstatt einen markanten Opener zu liefern. In Haydns Sinfonie Nr. 49 dürfen sich die Stimmen ausbreiten und miteinander „reden“ in der Tiefe des Gedankens. Beeindruckend wie fingerfertig und technisch versiert der ganze Streichapparat auftritt. Bläser füllen die Klangfarben auf und glänzen im Detail. Das fesselt.

Besondere Freude macht der Doppelpack an Solisten im zweiten Teil. Zwei Japanerinnen geben sich die Ehre: Sachiko Kobayashi an der Violine und Tomoko Yamasaki an der Viola. Beide zusammen begegnen dem Bietigheimer Publikum in Mozarts Sinfonia concertante, ein Klassiker für Mozartfans mit vielen Zierfiguren wie Triller und Praller. Die Solistinnen gehen recht schnörkellos an die Sache heran. Gemeinsam entwerfen beide charmante Dialoge, indem die eine die Melodielinie der anderen aufgreift und weiterführt. Dieses typisch Neckische zeichnet die galante Sinfonia concertante aus, ein Mischtypus zwischen Sinfonie und Solokonzert, eine Laune ihrer Zeit.

Zitate von Schiller

Zu all den Tönen kommen Zitate von Friedrich Schiller auf die Bühne. Es sind wahre Worte über das Leben selbst, Auszüge aus „Der Antritt des neuen Jahrhunderts“.

So eine Rückkehr in den Facettenreichtum der Kammermusik haben sich die Bietigheimer Klassikfans gewünscht. Minutenlang brandet der Applaus.

Autorin: Susanne Yvette Walter 

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