„Eine musikalisch-literarische Winterreise“ boten die Neujahrskonzerte von Peter Wallinger mit der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim am Wochenende. Maryana Osipova glänzte als Solistin in Mendelssohn Bartholdys „Violinkonzert d-Moll“.
Schwerelose Spitzentöne: Juliane Brittain ist die Gesangssolistin beim Neujahrskonzert der SKB unter der Leitung von Peter Wallinger. Foto: Christiane Kunz
„Eine musikalisch-literarische Winterreise“ boten die Neujahrskonzerte von Peter Wallinger mit der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim am Wochenende. Maryana Osipova glänzte als Solistin in Mendelssohn Bartholdys „Violinkonzert d-Moll“.
Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim eröffnet das Jahr mit einem Neujahrskonzert voller musikalischer Wärme und feiner Kontraste. Solistinnen setzen mit Ausdruckskraft und stilistischer Klarheit besondere Akzente und begeistern das Publikum im Uhlandbau.
Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim eröffnet das Jahr mit einem Neujahrskonzert voller musikalischer Wärme und feiner Kontraste. Solistinnen setzen mit Ausdruckskraft und stilistischer Klarheit besondere Akzente und begeistern das Publikum im Uhlandbau.
Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim und ausgewählte Solistinnen glänzen im Uhlandbau bei einem faszinierenden Neujahrskonzert. Fotos: Müller
Mühlacker. Vor etwa 150 Besucherinnen und Besuchern hat am Sonntagvormittag die Süddeutsche Kammersinfonie unter der Leitung von Peter Wallinger im Uhlandbau ein Neujahrskonzert gestaltet, das seinem Anspruch voll gerecht wurde.
Von Beginn an überzeugten Orchester und Solistinnen gleichermaßen. Das Ensemble präsentierte sich in bestechender Form – klanglich ausgewogen, aufmerksam und mit feinem Gespür für Farben und Stimmungen –, während die Solistinnen mit Ausdruckskraft und stilistischer Klarheit besondere Akzente setzten. Schauspieler Frank Albrecht führte mit lebhafter Darstellung durch das Programm und stimmte das Publikum auf die musikalische Reise ein. Mit textlichen Erläuterungen verband er Musik und Wort zu einem stimmigen Gesamterlebnis, ohne den musikalischen Fluss zu unterbrechen. Franz Schuberts „Deutsche Tänze“ (D 90) eröffneten das Programm im Saal mit einer angenehmen Mischung aus heiterer Leichtigkeit und Charme. Die kurzen Stücke wirkten wie kleine musikalische Szenen: mal beschwingt, mal etwas nachdenklicher, aber klar und eingängig. Das Kammerorchester spielte diese Miniaturen mit viel Gefühl für Rhythmus und Klang, sodass die Musik dadurch frisch und sehr zugänglich wirkte.
Frank Albrecht führt durch das Programm und stimmt das Publikum auf die musikalische Reise ein.
Einen reizvollen Gegenpol bildeten vier Lieder aus Schuberts „Winterreise“, die in einer Fassung für Streichensembles von Simon Wallinger erklangen. Die Auswahl – „Wetterfahne“, „Gefrorne Tränen“, „Frühlingstraum“ und „Der Leiermann“ – bündelte in kurzer Form die prägenden Stimmungen des berühmten Zyklus’.
Bekannte Schubert-Lieder auf neue Art interpretiert.
Viele kennen die „Winterreise“ vor allem in der klassischen Besetzung für Tenor oder Bariton mit Klavier, doch Schubert schrieb keine feste Stimmlage vor. Wie sehr der Zyklus reine Ausdruckskunst ist, zeigte Sopranistin Juliane Brittain eindrucksvoll: Mit klarer Tongebung und nuancierter Gestaltung traf sie die musikalischen Schattierungen präzise, ohne je zu überzeichnen. Die gelungene Bearbeitung für Streicher eröffnete zusätzlich einen frischen Blick auf die bekannten Lieder, die Musik gewann eine kammermusikalische Nähe, die dem Charakter der „Winterreise“ ausgesprochen gut stand. Das Orchester musizierte homogen und mit klar gezeichnetem Ton – und schuf einen tragenden Rahmen für die Stimme.
Einen Ruhepunkt setzte Jean Sibelius’ „Romanze C-Dur“ (op. 42). Mit warmem, innigem Ton entfaltete sich der typisch nordische Charakter des Werkes: eine Mischung aus stiller Melancholie und weiten Klangräumen. Das Orchester ließ diese Atmosphäre mit großer Sensibilität entstehen und schuf einen sanften Klangteppich, der die lyrische Grundhaltung des Stücks eindrucksvoll hervorhob. Mit der Barkarole aus Peter I. Tschaikowskys „Jahreszeiten“ (op. 37a) öffnete sich der musikalische Horizont noch einmal spürbar. Die Komposition mit ihrem ruhigen, schaukelnden Fluss entfaltete eine Atmosphäre wie beim Blick auf eine sommerliche Wasserlandschaft: warm, weit und von träumerischer Leichtigkeit durchzogen. Das Orchester nahm diesen Charakter sensibel auf und gab dem Programm eine zusätzliche Nuance.
Den krönenden Abschluss bildete Felix Mendelssohn Bartholdys „Violinkonzert d-Moll“, ein Werk voller jugendlicher Energie, virtuoser Brillanz und melodischer Schönheit. Maryana Osipova, Primgeigerin des renommierten Eliot-Quartetts, stellte sich dieser anspruchsvollen Partitur mit beeindruckender Souveränität. Ihre Technik wirkte mühelos, doch nie selbstzweckhaft. Besonders im lyrischen Mittelsatz zeigte sie große Ausdruckstiefe, während das Finale mit seiner sprühenden Lebendigkeit und rhythmischen Präzision begeisterte. Das Orchester reagierte aufmerksam und flexibel, so dass ein lebendiger Dialog entstand, den Peter Wallinger mit sicherem Gespür für Balance und Dramaturgie leitete.
Der langanhaltende Schlussapplaus zeigte, wie stark dieser musikalische Jahresauftakt beim Publikum ankam – ein Konzert, das einen bleibenden Eindruck hinterließ. Als Zugabe erklang das Largo aus Vivaldis „Winter“. Mit dem gelungenen Neujahrskonzert setzte die Kammersinfonie gleich ein Zeichen für die neue Saison: künstlerisch anspruchsvoll, aber immer nah am Publikum. Unterstützt wurde das Konzert von der Initiative „MühlackerConcerto“.
Dirigent Peter Wallinger vor den Neujahrskonzerten: „Eine Erzählung von Krise und Hoffnung“
Seit über vier Jahrzehnten bereichert Peter Wallinger mit seiner Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim die Klassikmusiklandschaft der Region. Anlässlich der anstehenden Neujahrskonzerte sprach der Dirigent über den Jahreswechsel und darüber, ob sein Sohn Simon Wallinger bald ganz die Leitung übernimmt.
Seit über vier Jahrzehnten bereichert Peter Wallinger mit seiner Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim die Klassikmusiklandschaft der Region. Anlässlich der anstehenden Neujahrskonzerte sprach der Dirigent über den Jahreswechsel und darüber, ob sein Sohn Simon Wallinger bald ganz die Leitung übernimmt.