Zum Inhalt springen

09.12.2014

Ein künstlerischer Quantensprung

  • von

Die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ ist im Bietigheimer Kronenzentrum aufgetreten. Mit Beethovens „Eroica“ verzauberte sie das Publikum musikalisch.

Peter Wallinger (links) und die „sueddeutsche kammersinfonie“ begeisterten am Sonntag im Kronenzentrum. Foto: Martin Kalb

Das Konzert der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ am Sonntag im Kronensaal trug den bescheidenen Titel „Musik zum Advent“. Was die zahlreichen Besucher jedoch erlebten, kann als künstlerischer Quantensprung dieses Klangkörpers unter der Leitung von Peter Wallinger bezeichnet werden. Die Aufführung der dritten Sinfonie, der „Eroica“, von Ludwig van Beethoven, war in seiner hoch ausgereiften Gestaltung eine neue Glanzleistung.

Das Programm enthielt darüber hinaus weitere musikalische Kostbarkeiten. Zunächst waren dies festlich stimmende Klänge, die sich im gut besetzten Kronensaal ausbreiteten. Zwei Schüler der Meisterklasse des Trompetenvirtuosen Reinhold Friedrich von der Hochschule für Musik in Karlsruhe, Saleem Khan und Eline Beumer, führten mit Bravour und in leuchtender Strahlkraft des Barock die Soli im Konzert D-Dur für zwei Trompeten und Streichorchester des italienischen Komponisten des 17. Jahrhunderts, Petronio Franceschini, aus. Die lupenrein intonierten Trompetenklänge verbanden sich in den vier recht kurzen Sätzen mit der beglückenden Streicherfülle. Überaus bewegt und in bestechender Virtuosität führten die beiden talentierten Könner auf ihren Instrumenten ihre solistischen Aufgaben aus.

Beliebt und bekannt ist das Konzertstück von Edvard Grieg, „Hochzeitstag auf Troldhaugen“. Ein heiteres, elegantes Musizieren setzte mit den ersten Takten des 1896 ursprünglich als Klavierstück veröffentlichten, vielfarbigen Werks ein. Kraftvoll kamen die tänzerischen Elemente zur Geltung, die nur kurz von einer lyrischen, verträumten Melodie unterbrochen wurden. Mit der „Böhmischen Suite“, Opus 39, von Antonín Dvorák breitete das Orchester Lebensgefühl und -freude der Menschen jener Landschaft mit Wäldern und romantischen Flussläufen aus. Warm und wohlig fließende Melodik mit schwärmerischem Ausdruck, schwelgerisch tänzerische Beschwingtheit, pure Romantik prägten die ersten vier Sätze der Suite. Doch der abschließende „Furiant“ war reich bestückt mit höchst vertrackten, anspruchsvollen Rhythmuswechseln und plötzlichen Generalpausen, die vom Dirigenten wie auch von den Musikerinnen und Musikern höchste Konzentration und präziseste Einsätze verlangten. Schon da zeigte sich, dass die „sueddeutsche kammersinfonie bietigheim“ künstlerische Reife hohen Grades erlangt hat.

Ludwig van Beethoven hatte seine dritte Sinfonie in Es-Dur, Opus 55, ursprünglich Napoleon Bonaparte gewidmet, wovon er jedoch wutentbrannt Abstand nahm, als er erfuhr, dass dieser sich zum Kaiser hatte krönen lassen. Mit seinem Werk brachte er seinen Wunschtraum von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit in Europa zum Ausdruck. Beethoven ging völlig neue Wege in seiner Sinfonie, denn allein schon deren Umfang – Aufführdauer: 50 Minuten -, übertraf 1817 alle bis dahin in dieser Gattung veröffentlichte Kompositionen.

Die „sueddeutsche kammersinfonie“ leitete den ersten Satz Allegro con brio mit vibrierender Spannung ein, die aber schon sehr schnell zu eruptivem Ausbruch drängt. Wallinger wählte ein straffes Tempo für die Aufführung, die vom glitzernden Spiel der Streicher und der brillanten Klangentfaltung der Bläser geprägt war. Der Satz „Marcia funèbre“ erklang elegisch, ohne jedoch in schmerzerfüllter Larmoyanz zu versinken. Urweltlich emotional führte das Orchester das Scherzo mit seinen aufregenden Kontrasten auf.

Das Finale fesselte mit seinem heroischen Klang, den Wallinger bei drängenden Tempi wachsen ließ, und in dem die dramatischen Verdichtungen und Verknüpfungen der beiden den Satz beherrschenden Themen transparent zum Ausdruck kamen. Diese Glanzleistung der „sueddeutschen kammersinfonie bietigheim“ wird bei Musikfreunden langfristig im Gedächtnis haften bleiben, wie der anhaltende Schlussbeifall belegte. Eine Zugabe wäre nach diesem Hörerlebnis geradezu unpassend gewesen.

Rudolf Wesner

„Eroica“ krönt gelungenen Konzertabend

  • von

Süddeutsche Kammersinfonie begeistert mit „Musik zum Advent“ im Kronenzentrum — Neben Beethoven auch Grieg und Dvorak auf dem Programm

Stets zum Jahresende spielen Peter Wallingerund seine Süddeutsche Kammersinfonie in Bietigheim. Foto: Alfred Drossel

Mit jungen, talentierten Musikern aus Bietigheim-Bissingen und dem Stuttgarter Raum gründete Peter Wallinger 1984 die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim. Bei der „Musik zum Advent“, die am Sonntagabend im nicht ganz ausverkauften Kronenzentrum aufgeführt wurde, stellte das Orchester mit fulminant gespielten Werken bedeutender Interpreten ihr großartiges Können unter Beweis.

Petronio Franceschinis (1651 bis 1680) Konzert D-Dur für zwei, Trompeten und Orchester bildete den Auftakt zu dem außergewöhnlichen Musikerlebnis. Bereits zum dritten Mal eröffneten Saleem Khan und Eline Beumer mit festlichen Trompetenklängen das Adventskonzert der Kammersinfonie. Die Meisterschüler von Reinhold Friedrich zeigten nach einer festlichen Einstimmung mit dem Grave bei den Allegrosätzen eine erstaunliche Klangfülle voll virtuoser Eleganz. Der italienische Komponist Franceschini, der im Alter von nur 29 Jahren starb, hat sich vor allem der Kirchenmusik gewidmet und ist bekannt für seine Vorliebe zu Trompeten, die er häufig auf unkonventionelle Weise einsetzte.

Von Edvard Grieg (1843 bis 1907) spielte die Süddeutsche Kammersinfonie den „Hochzeitstag auf Troldhaugen“. Grieg, der auch als „Chopin des Nordens“ bezeichnet wird, setzte mit dem Stück seinem südlich von Bergen gelegenen Landhaus Troldhaugen (Trollhügel) ein Denkmal. Das Orchester spielte das folkloristisch und fröhlich anmutende Werk mit viel Gefühl und eröffnete damit dem Publikum Einblick in lyrische Klangwelten der besonderen Art. Auch die „Böhmische Suite“ von Antonín Dvorák (1841 bis 1904) kam bei den Besuchern bestens an. Auch dieses Werk enthält volkstümliche Elemente. Die Polka wurde als heiterer Tanz dargeboten, in der Romance malten Holz- und Blechbläser idyllische Bilder aus Tönen, die Assoziationen an weite Landschaften, sanfte Hügel und zwitschernde Vögel aufkommen ließen. In der traditionellen Suite entpuppte sich Dvorák als Romantiker. Wieder feuriger wurde es beim Presto. Kraftvoll und doch elegant steigerten sich die Musiker zum Höhepunkt und stimmten mit viel Sinnesfreude auf die Adventszeit ein.

Nach der Pause erwartete das Publikum Ludwig van Beethovens „Eroica“. Die dritte zählt zu den bedeutendsten Sinfonien Beethovens. Der Anekdote nach hatte der Komponist seine Heldensymphonie Napoleon gewidmet. Als ihn der Korse enttäuschte, soll Beethoven das Titelblatt wutentbrannt zerrissen haben. Die „Eroica“ ist ein Meisterwerk, das an die Musiker besondere Ansprüche stellt. Die hochbegabten Mitglieder der Süddeutschen Kammersinfonie nahmen die Herausforderung mit großer Spielfreude und viel Leidenschaft an. Der erste Satz, das Allegro con brio, hat allein die Spieldauer einer Haydn-Sinfonie. Lebhafte und leisere Töne zeigten das großartige Können der Künstler, die hervorragend harmonisierten. Der dreiteilige Trauermarsch enthält melancholische und opulente Passagen. Im Scherzo brachten drei Hörner Naturklänge in das Kronenzentrum. Im Finale zeigt Beethoven seine große Variationskunst, denn zwei Themen liegen sechs Variationen zugrunde. Das grandiose und mächtige Finale bot einen gelungenen Abschluss zu einem Konzertabend der Extraklasse.

Dem künstlerischen Leiter der Süddeutschen Kammersinfonie, Peter Wallingerm ist es mal wieder gelungen, ein abwechslungsreiches Adventskonzert zu bieten, bei dem das klangdifferenzierte und vitale Spiel der Musiker besonders gut zum tragen kam

Angelika Tiefenbacher