23.04.2013
Zeitreise durch die Musikgeschichte
Konzert mit dem Saxophonensemble Alliage und der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim.

Mühlacker. Die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim unter der Leitung von Peter Wallinger und das Saxophonensemble Alliage nahmen die Zuhörer am Samstagabend mit auf eine packende Zeitreise durch fast 300 Jahre Musikgeschichte. Die aufgeführten Werke standen allesamt unter dem Thema „Neues in der Musik“.
Eröffnet wurde das Konzert von der Kammersinfonie mit Wolfgang Amadeus Mozarts „Serenata Notturna“. Die beiden Orchestergruppen kamen in dem engagiert vorgetragenen Werk gut zur Geltung und nahmen das Publikum sofort gefangen. Die Solisten taten sich dabei durch feinfühlige, geschmeidige Finger hervor und spielten sich mit dem Tutti gekonnt die Bälle zu. Der erste Auftritt des Alliage-Quartetts erfolgte in Giovanni Gabrielis „Sonata pian e forte“, in der die Musiker die Rolle der von Gabrieli eigentlich vorgeschriebenen Soloinstrumente übernahmen. Es erhoben sich wunderbar volle Klänge, die ein erstes Mal die Möglichkeiten und die große Klasse von Musikern und Instrumenten aufzeigten. Obwohl das Ensemble räumlich nicht vom Orchester getrennt war, konnte man sich doch bei geschlossenen Augen in den Markusdom von Venedig, den Ausgangspunkt der Venezianischen Mehrchörigkeit, entführt fühlen.
Einer der Höhepunkte des Abends war Leos Janáceks „Suite für Streichorchester“. Hier entwickelten Wallinger und seine Kammersinfonie ein tiefes Verständnis für die Musik und schafften auf faszinierende Weise den Spagat zwischen Romantik und Schmalz. Die lyrischen Passagen erklangen farbig leuchtend und strahlend, in den kraftvollen fehlte es nicht an mitreißender Wirkung. Die in der Konzerteinführung von Dr. Christina Dollinger erwähnte Verwandtschaft zu Richard Wagners Musik, vor allem zum „Lohengrin“, trat deutlich zutage. Auch eine Hommage an den Jubilar dieses Jahres.
Das Paradestück des Abends für das Ensemble Alliage war die Fassung für Saxophonensemble von George Gershwins „Porgy and Bess“. Hier zeigten die vier Musiker ihre wahre Meisterklasse und entlockten ihren Instrumenten in blindem Verständnis füreinander die zartesten Flötenklänge bis hin zu fast schon aggressiven Blechbläserfarben. Dabei kam ihnen das gelungene Arrangement der Originalfassung entgegen, das auf kunstvolle Weise alle vier Musiker in das Erzählen des Musicals einbezog. Durch die fantastische Aufführung durch Alliage wurden Charaktere und Ereignisse fast greifbar.
Zum Abschluss erlebten die Zuhörer im Uhlandbau die erst zweite Aufführung des Arrangements der Oper „Carmen“ von Jun Nagao. Die Uraufführung fand einen Tag zuvor in Bietigheim statt. Die im Auftrag von Alliage und der Süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim entstandene Fassung unterstrich ein weiteres Mal den wandlungsfähigen Klang des Saxophons und verdeutlichte durch reichen Schlagwerkeinsatz den Charakter von Georges Bizets Original auf einmalige Weise. Alliage und die Süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim zauberten so unter der verständigen Leitung von Peter Wallinger Bizets komplette Oper nuancenreich auf die Bühne. Ein gelungener Abend, an dem einen die Extraklasse des Alliage-Ensembles gefangen nahm und es seine einmalige Stellung in den Konzertsälen dieser Welt unter gerne hörbaren Beweis stellte.
Irene Schallhorn
Streicher und Saxofonisten in Harmonie
Bietigheimer Orcheser musiziert gemeinsam mit dem Ensemble „Alliage“ – Ungewöhnliches Arrangement und Besetzung im Kronenzentrum

Es war nicht das erste Mal, dass Peter Wallinger entweder kaum bekannte oder nur selten gespielte Werke aus den Tiefen seines Notenarchivs hervorzog und diese, mit der von ihm gegründete süddeutschen Kammersinfonie Bietigheim aufführte.
In seinem Konzertprogramm „Begnung zweier Klangkörper“ verband Wallinger Streicherpracht mit dem warmen, satten Klang der vier Saxofone, virtuos vorgetragen vom Ensemble „Alliage“. Doch zunächst erklang die „Serenata notturna“ in D-Dur, KV 249, für Steicher und Pauken von Wolfgang Amadeus Mozart. Schon im ersten marschartigen Satz enstand ein markanter Kontrast aus elegantem, geschmeidigem Streicherklang und kraftvollen Paukenschlägen. Auch das in schreitendem Tempo dargebotene Menuetto wurde damit im Ausdruck fester, ohne dass dies den typischen Mozart-Melodiefluss beeinträchtigte. Das abschließende Rondo erfreute in seinem musikalischen Humor, den die süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim glanzvoll auslotete.
Eine Aufführung „In neuem Gewand“ stand auf dem Programm. Gemeint war ein neuzeitliches Arrangement der „Sonata piano e forte“ des italienischen frühbarocken Komponisten Giovanni Gabrieli, denn an Stelle von ursprünglich vorgesehenen „Zinken“, also Trompeten, übernahm das Saxofonquartett „Alliage“ dessen Aufgaben. In diesem Ensemble wirken Daniel Gauthier (Sopransaxofon), Eva Barthas (Altsaxafon), Koryun Asatryan (Tenorsaxofon) und Sebastian Pottmeier (Baritonsaxofon) mit. Bereits bei der Aufführung des barocken Werks brachten sie die farbenprächtige Klangfülle dieses Blasinstruments vollendet zur Geltung. Die Verbindung des feinstimmigen, aber auch opulenten Steicherklangs mit dem der vier Saxofone ließ ein anmutiges Hörvergnügen entstehen. Im Alter von 23 Jahren komponierte der Tscheche Leos Janácek (1854 bis 1928) eine Suite für Streicher mit sechs Sätzen. Für die süddeutsche Kammersinfonie Bietigheim war die Komposition eine weitere anspruchsvolle Aufgabe, mit der sich ihr feiner Streicherglanz silbrig klar ausbreitete.
Im zweiten Teil des Konzerts stand das Saxofonquartett „Alliage“ im Mittelpunkt. Aus der Oper „Porgy an Bess“ von George Gershwin musizierte das Ensemble eine Suite mit bekannten und beliebten Melodien des zwischen 1933 und 1935 entstandenden Bühnenwerks. Es klang fetzig und jazzig, aber auch, etwa bei der beseelten Intonierung des Blues „Summertime“, atmosphärisch verträumt.
Zum Abschluss spielte die süddeutsche Kammersinfonie und das Ensemble „Alliage“ unter der Leitung von Peter Wallinger bei der Aufführung einer „Carmen-Rhapsodie“ mit den Melodien von Georges Bizet, hier in einem für diese beiden Klangkörper von dem Japaner Nun Nagao geschaffenen Arrangements, das zudem noch umfangreiches Schlagwerk vorsah.
Solches mit Bravour und brodelnden Temperament ausgeführtes Musizieren hörte man bisher eher selten von dem Bietigheimer Streichorchester und die vier Saxofoninterpreten hatten kaum Zeit zum Atemholen, als sie in rasantem Tempo und viel Virtuosität spielten und dafür mit großem Beifall durch das Publikum bedacht wurden.
Rudolf Wesner